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Das jüdische Echo · 1924-05-02 · 18 (2.5.1924) · p. Seite 55

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
18 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Dxs Jüdische Echo 55 gute Zeit bei ihnen noch gar nicht begonnen habe. Das Geld hätten sie nie als ihr Eigentum betrachtet, denn nur das, was ein Mensch durch seine Arbeit verdient, ist sein Eigentum. Ein Reichtum aber, der einem mühelos in den Schoß fällt, ist nur dazu bestimmt, die Not der Armen zu lindern. So habe sie es die ganze Zeit gehalten und wenn Gott jetzt für sein Geld eiben besseren Verwalter wisse, dann sei sie gerne bereit, es zurückzugeben. Als der Prophet Elias diese Worte hörte, verschwand er und legte den Fall dem höchsten Richter vor. Gott aber wußte keinen besseren Verwalter für das Geld als Tewje und sein Weib, und so durften sie den Schatz weiter bewachen, und sie waren glücklich bis an ihr Lebensende. Aus: Gut, Für Unsere Jugend, Erste Sammlung. Zu haben in der „Ewer“-Buchhandlung, Ottostr. 2. Literarisches Echo Eine neue Schrift über das jüdische Palästina Soeben ist unter dem Titel „Vom werdenden jüdischen Palästina“ eine im Aufträge des Lon-. doner Direktoriums des Keren Hajessod von Dr. Hugo Herrmann verfaßte Broschüre erschienen, welche einen Bericht über die Arbeit des Keren Hajessod in Palästina in den ersten drei Jahren seines Bestehens darstellt. Nachdem kurz die gedankliche Grundlage des Keren Hajessod, die politischen Voraussetzungen für den Palästinaaufbau und die Organisation des Keren Hajessod dargelegt sind, gibt die Broschüre in großen Umrissen, aber durch instruktive Diagramme klar veranschaulicht, einen Überblick über die bisherigen Einnahmen des Keren Hajessod und über die Verteilung der Ausgaben in Palästina nach den wichtigsten Zwecken. Der Hauptteil des 64 Seiten umfassenden Heftchens stellt die vom Keren Hajessod bisher erzielten Erfolge auf dem Gebiet der Einwanderung, der landwirtschaftlichen Kolonisation, der sanitären Arbeit, des Erziehungswesens und der wirtschaftlichen Unternehmungen dar. Die Broschüre schließt mit einem Ausblick auf das nächste Arbeitsprogramm des Keren Hajessod. Sie bildet mit ihrer reichhaltigen Darstellung der bisherigen Leistungen in Palästina, mit ihren zahlreichen, gut gewählten Illustrationen und mit den überaus instruktiven Diagrammen ein vorzügliches Informationsmaterial über den Keren Hajessod und wird es, da sie aus der lebendigen Propagandapraxis entstanden ist, jedem Keren Hajessod-Arbeiter erleichtern, auf die immer wiederkehrenden Fragen befriedigende Antworten zu geben. (Ziko) S. J. Agnon: Der Verstossene. Von Kurt Münzer. Erschienen im Jüdischen Verlag, Berlin. Zu haben in der „Ewer“-Buchhandlung, München, Ottostraße 2. In diese kleine Erzählung ist wie in einen wunderbaren Orientteppich Farbe, Schönheit, Symbolfülle, phantastische Arabeske, kurz: das ganze Inventar einer schönen Seele eingewoben. Der Duft, die Mystik, die Inbrunst, die Glüubigkeit, die Liebesfähigkeit, die wilde Geistigkeit des Judentums, die Glut des jüdischen Geblüts, die den Tod besiegende Innigkeit des jüdischen Gemüts, all das ist in dem Büchlein Agnons, in diesem schönsten seiner bisher im Deutschen erschienenen. Dieses durch und durch jüdische Buch scheint mir auch von Nichtjuden verstanden werden zu können. Sein dichterischer Gehalt erhebt es über Völker und Rassen. Die Menschen darin sind nur gestreift, aber wo des Dichters Blick sie trifft, erglänzen sie von der Idee ihres Kerns, öffnen sich dort bis ins Innerste. Agnons Sprache ist in seiner eigenen Brust gewachsen, sie hat die Kraft, den Saft, den Bilderreichtum, die in Worten karge Innigkeit, die sein Gefühl hat. Noch in die Natur sieht er mit Augen, die alles neu sehen. Denn in diesem Buch von jüdischen Menschen ist, was sonst selten zum jüdischen Menschen gehört: Landschaft. Es ist ein Trost, dieses Buch zu lesen: also gibt es noch Judentum! In jedem Sinne. Es gibt noch den reinen jüdischen Menschen, einen ethisch höchstwertigen, geistig überragenden, seelisch wunderbar begabten Menschen. Dieser Jude, wenn er den Mund aufmacht, ist ein Dichter. In seiner Sprache ist nichts Erborgtes, Abgelauschtes, Erlerntes. Uraltes Vatergut ist da treu bewahrt; in seiner originalen Echtheit kann es nie veralten. Personalia I Michael Nußbaum, München. I Im patriarchalischen Alter von 8P/2 Jahren entschlief am 26. April nach kurzem Leiden einer'unserer angesehensten undallseits geachteten jüdischen Mitbürger Herr Rentier Michael Nußbaum. Der Dahingeschied'ene, welcher seit seinem 10. Lebensjahr in München lebte, hat sich schon frühzeitig für die gemeindlichen Angelegenheiten interessiert und war bereits 1886 in der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde ih verschiedenen Sparten tätig. Ganz besonders hervorgehoben sei sein Wirken als 1. Vorsitzender von i917—1921, wo ihm anläßlich seines Rücktritts vom Vorsitz die Ehrenmitgliedschaft der Gemeinde verliehen * wurde. Die verschiedenen Kommissionen in der Verwaltung, insbesondere die der Stift im gen und Wohltätigkeit, erfreuten sich stets seiner regsten Teilnahme und unzählige Leidende und Hilfesuchende sind die dankbaren Zeugen seines Wirkens. Auch in der politischen Gemeinde erfreute sich der Verlebte großen Ansehens und war längere Zeit im obb. Landrat und im Armenpflegschaftsrat der Stadt München: tätig. Die Geisteisfrisehe, welche ihn auszeichnete und bis an sein Lebensende nicht verließ, das gesellige Talent, das er in seltenem Gradie besaß, verwertete er sowohl im Dienste der Allgemeinheit, wie nicht minder in treuer Freundschaft. Tatkräftige Teilnahme in Freud und Leid war ihm ein herzliches Bedürfnis. Tie Beerdigung, welche am 28. April, nachmittags stattfand:, gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Nach dem Rabbiner Herrn Dr. Bärwald, welcher in eingehender trefflicher Weise die Verdienste des Verlebten würdigte, sprach Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer namens der Kultusverwaltung, Herr Sigm. A. Weil für die „Concordia“, Herr Cahnmann für die „Münchner Loge“, zu deren Gründern N. zählte, sowie ein Vertreter der „Terra in gesell schaft München Friedenheim“. J. F. Gemeindenu. Vereins-Echo Austritte aus dem Judentum: Friedmann Jochewet, gen. Johanna, geib. 24. April 1886 zu Tarnow (Polen), Barbesitzerin, Sonnenstr. 24, ausgetreten 4. März 1924; Lauterbach Elsbeth, Hiltensbergerstraße 10/1, geb. 25. Mai 1884 zu Breslau, ausgetreten 21. Januar 24; Loewe Herta, geib. 6. April 1894 zu Breslau, Sängerin, Türkenstr. 8I/0, ausgetreten 29. Januar 24; Roth Bruno, geb. 1. Juni 1896 zu München, Kaufmann, Briennerstr. 29, ausgetreten 11. März 24.

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