Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Das Jüdische Echo Nr. 18 der Urbarmachung von wüstem Land und der Bepflanzung der Berghänge. Sie waren dabei, 14 000 Eukalypten, 4000 Pinien, 500 Zypressen, 10 000 Oliven zu setzen, außerdem Äpfel-, Orangen- und Mandelbäumchen. Amerikanische Maschinen kamen an, Schmiede- und Tischlerwerkstätten waren im Gange. Uber den Wert des jüdischen Siedlungswerks kann es keinen Zweifel geben. Zehn Jahre solcher Arbeit, wie ich sie gesehen habe, wird den Wert Palästinas um das Hundertfache vergrößern. Im Hinblick auf die gegenwärtige Bevölkerung ist Palästina ein arabischer. Staat, von 700 000 Menschen, wovon nur 70 000 Juden sind „Wir sind seit Jahrhunderten hier“, sagen die Araber, „und wir fordern dieses Land für uns. Wir müßten die Macht haben, jede Einwanderung zu verhindern, die uns zu überfluten droht.“ Zwei Überlegungen ndi men aber diesem Anspruch seine volle Gültigkeit. Die erste ist, daß man Palästina nicht seiner Tradition entkleiden kann, die ihre lebendige politische Wirksamkeit bis zum heutigen Tage bewahrt hat. Palästina und die Juden können niemals getrennt werden. Einerseits kann nichts eine gewaltsame Enteignung der Araber oder ein Beiseitesetzen ihrer politischen und wirtschaftlichen Rechte im Land rechtfertigen; andererseits hat der Jude ein Recht, nicht nur als einzelner Immigrant zugelassen zu werden, sondern als ein Teil „der Rückkehr“ eines zerstreuten Volkes. All dies verlangt eine Kontrolle und Regelung durch die Regierung; denn der Einwanderungsstrom muß so geleitet werden, daß kein Bürgerkrieg entfacht wird und daß die Zahl der Armen nicht derart überhand nimmt, daß sie vom Land nicht absorbiert werden kann. Dies ist die Politik, die Sir Herbert Samuel mit großer Klugheit und Zurückhaltung befolgt. Die andere Erwägung ist die. daß die arabische Bevölkerung weder den Willen noch die Fähigkeit hat, die Hilfsquellen Palästinas zu entwickeln und auszunutzen. Das wird von keinem bestritten, der das Land kennt. Die gesamte heutige Bevölkerung Palästinas ist, wie Sir George Adam Smith festgestellt hat, kleiner, als die von Galiläa zur Zeit Christi. Offizielle Berichte sagen „das Land ist noch nicht voll entwickelt und untervölkert“; „große kulturfähige Landstr ecken liegen brach. Von den 12 000 Quadratmeilen kulturfähigen Bodens sind weniger als 4000 bebaut und so weiter. Das angebaute Land ist schlecht bearbeitet“. Das jetzt angebaute Land könnte viel größere Erträge geben. „Es gibt keine Wälder“. „Jordan und Jarmuk würden einen Überfluß von Wasserkraft geben, sind aber ungenützt.“ Die jüdische Einwanderung ist dabei, dies zu ändern. Die älteren jüdischen Kolonien und Landwirtschaftsschulen haben zum großen Teil den Jaffaer Orangenhandel und die Weinkultur geschaffen; die neueren brachten landwirtschaftliche Maschinen, Aufforstungen, die Anfänge künstlicher Düngung, die Ausarbeitung von Plänen für die Bewässerung und landwirtschaftliche Genossenschaften. Palästina bietet nicht nur Platz für Hunderttausende von Juden, sondern es ruft laut nach mehr Arbeit und mehr Geschicklichkeit. Warum sind also, abgesehen von der allgemeinen mohammedanischen Unruhe. Reibungen zwischen Juden und Arabern? An vielem hat die Propaganda Schuld. Jedes törichte Gerede wird von Mund zu Mund weiter getragen und dabei vergrößert. So flüsterte man sich beispielsweise zu, daß die Juden beabsichtigen, die Araber ihres Landes zu enteignen, ihnen verbieten wollen zu arbeiten und den Plan haben, die Omar Moschee zu stehlen. Körperschaften, wie die Islamitische-Patriotische Gesellschaft in Haifa und der Palästina- Club in Tiberias, tun ihr Bestes, um diesen Unfug zu bekämpfen. Aber die besten Vermittler sind der jüdische Landwirt und Arbeiter. Sie können nicht gestatten, daß es in Palästina zwei arbeitende Nationen gibt, von denen die eine einen wesentlich niedrigeren Standard of Life hat, wie die andere. So hilft der jüdische Arbeiter dem Araber seine Lebenslhlaltung zu verbessern. Das ist ein schweres Stück Arbeit, aber in Arbeitsstreitigkeiten hat der arabische Arbeiter bereits angefangen, den Juden zu unterstützen^ Es ist sicher, daß die wirtschaftliche Zusammenarbeit die Rassen verbinden wird!. Aber dieses Zusammengehen scheint diese arabischen Führer zu kränken. Arabische Arbeiter, die sich für Gewerkschaften interessieren, arabische Bauern, die vor verderbten und ausbeuterischen Landeigentümern Hilfe suchen — was ist das anders als Bolschewismus? Die arabischen Führer, wie ihre Freunde hier, werfen den Einwanderern die Bezeichnung „Bolschewist“ an den Kopf. Als die Bewegung in Rußland wie ein Morgenrot heraufging, gab es auch in Palästina Bolschewisten, wie es überall welche gab. Ich suchte nach ihnen, ich fragte danach in Unterhaltungen mit Arbeiter-Deputationen und in Kolonien', ich habe aber nirgends welche gefunden. Ich fand! im Gegenteil eher eine Übersättigung mit Politik, Sozialismus und Methoden wie den russischen. Sie wurden als prätentiös und oberflächlich angesehen. Man hat hier offenbar das Gefühl, daß ein Umschwung durch positive Arbeit kommen muß, die auf einem beschränkten Gebiet beginnt und durch Kooperation erweitert wird. So ist man zufrieden. Palästina zu bepflanzen' und dort kleine Gemeinschaften zu gründen. Man glaubt, daß man den Boden im Allgemeinbesitz lassen muß (aber darin ist ebensoviel Leviticus wie Karl Marx), man glaubt, daß Arbeiter-Genossenschaften überall, wo irgendüiöglidfr, Industrien gründen und das nötige Kapital suchen sollten. Die Mehrzahl der neuen Gemeinschaften ist kommunistisch in dem Sinne, daß die ganze Gruppe zusammen arbeitet und in gleicher Weise die Früchte ihrer Arbeit genießt. Der Doktor und der Zahnarzt in Nuris beziehen das, was sie an Nahrung, Kleidern und Tabak bedürfen, aus den gemeinsamen Vorräten, ebenso wie der galzische Bauer, der mit ihnen zusammen auf dem Feld arbeitet, aber nicht fähig ist. Schmerzen und Krankheiten zu heilen. An anderen Stellen werden Geldlöhne ausgezahilt, die für alle gleich hoch gerechnet sind. An noch anderen Stellen! herrscht individualistische Wirtschaft. Wer die Bedingungen studiert, unter denen Palästina aufgebaut werden kann (besonders wenn man voraussetzt, daß dies schnell vollendet werden muß), kommt zu der Einsicht, daß dieses Wunder nur geschehen kann, wenn man die Herzen der Menschen gewinnt und sieht, daß das kommunistische (nicht bolschewistische) Nurfs dies besser tut, als die lohnzahlenden individualistischen Kolonien. Natürlich wird das Problematische an Nuris erst ganz in die Erscheinung treten, wenn die Reben, die Orangen und Oliven Früchte tragen werden. Wird der aufrichtige Enthusiasmus die Ernte dieser Früchte überleben? Wer will dies Vorhersagen? Ich fragte jede Gemeinschaft, die ich besuchte, was geschehen würde, wenn sie in einigen Jahren ihre überflüssigen Produkte austauschen müßten, wenn ihre Weingärten, ihre Haine, Wälder und Felder wirklich anfangen würden sich durch dauernd wachsende Erträge bezahlt zu machen, — und ihre Antwort war, daß die Genossenschiafts^ bildung mit dem Fortschreiten ihrer Arbeit Schritt halten und daß die künstlerischen und individuellen Bedürfnisse der Gemeinschaften für lange Nr. 18 Zeit alle weiß es und wem fahrung 1 derungen Aber in ■ munistisc zügiger E bänger N salem, - und die s schaftlich ses Lob davon iit Wert hat Es lieg der Entv trägt, un< es das L< und Entt geben, ui bis sich fügen. A welche rung“ öff Araber n dern auc des bete lingen vt Paläs In all Zionistisc geführt \ tigsten! scbaftlicl allgemeir der Wirt aber ein' Unterstüi Schon bischer t lässigung stung. 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