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Das jüdische Echo · 1924-04-25 · 17 (25.4.1924) · p. Seite 45

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
17 (25.4.1924)
Date
1924-04-25
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 45 gern dei; Union. Indessen der Fremdenhaß macht den Denker zum Dichter und den Henker zum Richter. So ist der amerikanische Jude in dem Maße, in dem er an Zahl und Wohlstand zunahm, nächst dem Neger zur „bete noire“ aller derjenigen geworden, die da glauben, das allein echte Amerikanertum gepachtet zu haben und welche selbst die ehrwürdigen Reste einer jahrtausendealten Kultur nicht rasch genug vernichten können. Man darf indessen zu dem gesunden Sinn des amerikanischen Volkes das Vertrauen haben, daß es sich auf seine besten Traditionen besinnen und den von ihm früher hochgehaltenen Grundsatz der Toleranz wie in religiöser so auch in völkischer Hinsicht nicht verleugnen wird. Das Einzige, was sich vom Standpunkt des amerikanischen Nationalinteresses gegen die Einwanderer der letzten Jahrzehnte — speziell die ostjüdischen — sagen läßt, ist, daß sie schwerer assimilierbar sind, als die Einwanderer früherer Jahrzehnte. Sie kommen aus Ländern durchschnittlich tieferen Bildungsstandes und lernen schon aus diesem Grund die englische Sprache schwerer. Sie kommen ferner in Massen, die das Streben nach örtlicher Konzentration fördern. Und sie kommen endlich mit einem ausgeprägteren Nationalbewußtsein, als es die Einwanderer aus den Tagen des Vormärz mitbrachten. Allein das Wort Friedrich Nietzsches: „Rußland und die Kirche können warten“ gilt auch für die Vereinigten Staaten. Auch Amerika kann warten. Die großen Industrie- und Handelsstädte des Ostens und Südens sind gewissermaßen nur die Riesenbottiche, in welchen die Einwanderer von allem „Unamerikanischen“ gereinigt werden, um dann allmählich nach dem Westen abgeschoben und dort demselben intensiven Amerikanisierungsprozeß unterworfen zu werden, den vor ihnen zahllose englische, irische, deutsche, slawische, italienische und auch jüdische Einwanderer durchgemacht haben. Man kann mit größter Sicherheit die Voraussage wagen, daß das Jiddische so wenig die Verkehrssprache von New York und Philadelphia werden wird, wie das Französische die Verkehrssprache von Louisiana und das „Pennsylvanier Dütsch“ diejenige von Pennsylvanien geblieben ist. Aus der Jüdischen Welt Die jüdische Universität in Danzig Die Völkerbundskommission für geistige Zusammenarbeit hat der Errichtung einer jüdischen Universität in Europa ihre prinzipielle Zustimmung gegeben; als Sitz dieser Universität wurde Danzig angenommen. Bei der Sitzung der Völkerbundskommission war auch auf Einladung des Völkerbundes der Initiator der Idee einer jüdischen Universität in Europa, der bekannte Warschauer Finanzmann Heinrich Doktorowicz, anwesend; er machte, wie JTA. berichtet, den Vertretern der Presse über die Vorgeschichte seines Planes folgende Mitteilungen: „Seit einigen Jahren trage ich mich mit der Idee der Schaffung einer jüdischen Universität in Europa. Ich befürchte aber, diese Propaganda könnte der Schaffung der jüdischen Universität in Jerusalem hinderlich im Wege stehen. Nachdem aber in dem polnischen Sejm der Numerus clausus-Antrag eingebracht worden war, beschloß ich, mich mit allen Kräften für die jüdische Universität in Europa einzusetzen. Ich entsandte einige kompetente Personen nach Danzig, die dort einen Platz für die Universität wählen sollten. Sie entschieden sich für einen Platz, der auf dem Wege zwischen dem Kurort Oliva und dem Seebad Glodkau liegt. Das Areal umfaßt 250 000 Quadratmeter. Der Stadtrat von Oliva stellte als Bedingung der Überlassung des Platzes auf, daß innerhalb drei Jahren mit dem Bau begonnen werden soll und daß schon jetzt die Baumaterialien abgelagert werden müßten. Ich war bereit, dies auf eigene Kosten zu tun, wollte aber vor allem den Beschluß des Völkerbundes abwarten. Am 20. Dezember vorigen Jahres sandte ich an den Präsidenten des Völkerbundes Salandra ein ausführliches Memorandum und erhielt am 8. Jan. von Salandra die Antwort, daß das Projekt der Intellektuellen-Kommission übersandt worden war. Ich sandte hierauf ein Memorandum an die Intellektuellen-Kommission. Inzwischen arbeitete der Warschauer Bauingenieur Styfelman auf meine Anregung hin einen Plan des zukünftigen Universitätsgebäudes aus. Ich sandte den Plan an den Völkerbund, sowie an den Professor Einstein. Professor Einstein antwortete sofort, er interessiere sich sehr für das Projekt und habe sich schon längere Zeit mit der Frage einer jüdischen Universität befaßt. Bald darauf erhielt ich auch vom Völkerbund die Einladung, am 2. April 1924 persönlich in Genf zu erscheinen. Ich wurde auch an diesem Tage zu der Sitzung zugezogen. In einem zweistündigen Gespräch entwickelte ich vor der Intellektuellen-Kommission meinen Plan. Es wurde an mich die Frage gestellt, ob ich im Namen einer Partei oder Gruppe spreche. Ich antwortete: Ich spreche im Namen der jüdischen akademischen Jugend, der in vielen Ländern der freie Zutritt zur Zivilisation und Wissenschaft verschlossen ist. Man fragte mich weiter, ob Professor Einstein meiner Meinung sei, da dies sehr ins Gewicht fallen würde. Ich konnte dies bejahen. Auf die dritte Frage, wie ich mir die Organisierung des Professorenkollegiums vorstelle, antwortete ich, die besten Vertreter des Judentums werden ihre Mitwirkung nicht versagen, die Türen der jüdischen Universität werden allen, die lernen wollen, offen stehen, auch wird jeder Lehrende an dieser Universität offene Türen haben. Es blieb noch die Frage der offiziellen Sprache der Universität offen, die durch die Intellektuellen- Kommission nicht erledigt worden ist. Diese Frage wird durch eine besondere wissenschaftliche Kommission entschieden werden. Herr Doktorowicz beantragte beim Völkerbünd die Einsetzung einer siebengliedrigen Kommission, in der Amerika, England, Frankreich, Italien, Deutschland, Holland und Polen durch je ein Mitglied vertreten sein sollen. Den Vorsitz soll Professor Einstein haben; diese Kommission soll in allen Ländern durch Subkommissionen die Universitätsaktion durchführen lassen. Das Gespenst der jüdischen Großmutter. Berlin, 17. April. In deutschnationalen Kreisen herrscht große Bestürzung über die Propagandamethode der Deutschvölkischen, die die deutschnationalen Reichstagskandidaten dadurch zu diskreditieren suchen, daß sie dieselben als Judenstämmlinge hinstellen. Das „Deutsche Tageblatt“ Reinhold Wulles (dem übrigens Knüppel- Kunze eine „jüdische Großmutter“ nachgesagt) sowie die anderen deutschvölkischen Blätter behaupten, daß die deutschnationalen Führer Hergt und Helfferich jüdischer Abstammung sind. Von dem deutschnationalen Spitzenkandidaten in Schlesien, Frhrn. v. Richthofen, wird behauptet, seine Großmutter sei Jüdin gewesen, und sein Schwager, Dr. Fromberg, der Hauptgeschäftsführer der schlesischen Landbank, sei noch heute ein Jude. Die deutschnationalen Zeitungen stellen mit Betrübnis fest, daß die einfachen Leute solchen

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