Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 15 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 21 sogar. damals, bevor er noch einen einzigen „Ford“ gebaut hatte, „am wichtigsten“. Indessen er „fand schließlich, daß die Menschen größeres Interesse für ein Gefährt bezeugten, mit dem sie die Landstraße bereisen konnten.“ So fing er doch lieber mit dem „Ford“, als mit dem „Fordson“ an. Er stellte diesen Artikel bald in solchen Massen her, daß die „Fords“ heute wie ein Heuschreckenschwarm am amerikanischen Petroleum zehren und eine ernste Gefahr für das Land und sogar für den Frieden zwischen Amerika und England geworden sind. Gegenwärtig plant er, seinem „Fordson“ in Europa eine ähnliche Massenverbreitung zu verschaffen, und' benützt die Retrospektive auf Henry Ford als Prospekt für seinen „Fordson“. Sein ganzes Leben und sein ganzes Werk ist eine glänzende Erfüllung seines Jugendtraums: es erschöpft sich in der Herstellung und im Vertrieb von Massenartikeln. Was ihn dabei von jeher leitet, ist aber nicht etwa der Gedanke, daß au Massenartikeln am meisten zu verdienen ist. Es ist die Überzeugung, daß man der Allgemeinheit am besten dient, indem man irgend ein Bedürfnis der Masse befriedigt. Ein Mann wie Ford ist kein „Händler“. Er ist ein „Held“ im wahren Sinne des Worts. Sein ganzes Leben ist Gottesdienst am „Werk“: er ist in allem der polare Gegensatz des „internationalen Juden“. Dieser „macht“ Geld, einfach, weil ihm das Geldmachen Selbstzweck ist oder höchstens Mittel zur Aufrichtung der jüdischen Weltherrschaft. E r hingegen „erwirbt“ Geld. Zugegebenermaßen manchmal recht viel. Allein der Gewinn stellt sich bei ihm nur wie der Dieb in der Nacht ein, als unvermeidliche Folge gemeinnütziger „Dienstleistung“. Er ist bei ihm das Ergebnis, nicht der Zweck der Übung. Ein Unternehmer wie Henry Ford ist nur der erste Diener des eigenen Kapitals, während der internationale Jude absoluter Herrscher über das Kapital der anderen werden möchte — Antonio & Shylok. So wenigstens stellt sich die Sache in der T h e o - r i e dar. In der Praxis ist sie nicht unwesentlich anders. Derselbe Ford, der im Namen des Christentums zum Kreuzzug gegen einen legendären alljüdischen Imperialismus aufruft, predigt im gleichen Atemzug: „Anglo-Sachsen waren es, welche fast alle Staaten gründeten, den Völkern feste Formen und jedem Jahrhundert sein Ideal gaben. Sie holten sich weder ihren Gott, noch ihre Religion von Juda, — sie sind das auserwählte Volk, die Herren der Welt.“ Derselbe Ford, der schreibt: „Die deutschen Juden waren während des Krieges keine Patrioten .... mit Ausbruch des Krieges gingen Lebensmittel und Heereslieferungen in jüdische Hände über“ — ist der Vater von Edsel Ford und der größte Kriegsgewinnler Amerikas. Derselbe Ford, der behauptet: „Die Hauptleistung Alljudas ist Journalistik; die technischen, wissenschaftlichen und literarischen Leistungen des modernen Judentums sind durchaus journalistischer Natur“, v er schmökert um Hunderttausende von Goldmark die eigene Weisheit samt einem Falsifikat der Konkurrenz von Zion und gewinnt hunderte von Dollarmillionen mit einer Erfindung, deren Pionier lange vor ihm selbst der jüdische Mechaniker Siegfried Markus aus Malchin gewesen ist. Niemand hat Deutschland einen gefährlicheren Dolchstoß versetzt, als dieser anglosaxionische Deutschenfreund. Kein deutschjüdischer Bankier hat am Weltkrieg profitiert, wie dieser antisemitische Friedensfreund. Kein jüdischer Erfinder, kein jüdischer Journalist und kein jüdischer Sozialist hat in seinem ganzen Leben „gemacht“, was dieser großkapitalistische Menschenfreund in anderthalb Kriegsjahren „erworben“ hat. Wer verdient wie er, hat es wahrlich nötig, mit dem internationalen Juden darüber zu rechten, wie er verdient! Wo er von seiner aus allen Klassen und Rassen der Welt zusammengesetzten Arbeiterschaft spricht, sagt Henry Ford: „Ich bin persönlich noch nie einem durch und durch schlechten Menschen begegnet. Etwas Gutes steckt in jedem Menschen.“ Da dieses auf den internationalen Arbeiter zutrifft, trifft es wohl auch auf den internationalen Juden zu. Vielleicht gilt es sogar für den nationalistischen Großunternehmer der Nachkriegszeit. Berichtigung: In Beurteilung des Hitler-Prozesses, die wir der „Wiener Morgenzeitung“ entnommen haben (Seite 6 unserer vorigen Nummer) blieben zwei Irrtümer stehen, welche diesem Blatt unterlaufen sind. Graf Arco hat bekanntlich nicht zwei Jahre Festungshaft bekommen, sondern wurde zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt. Ernst Toller hat fünf Jahre Festung erhalten. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß der Attentäter des Kommerzienrat Frankel, der verurteilt wurde, nicht Christian, sondern Max Weber heißt. Wahlergebnis Annähernd 500 000 Wähler sind in Bayern der völkischen Parole gefolgt und unter Einrechnung der kaum weniger judenfeindlichen Parteien — nationale Rechtei, Nationalliberale Landespartei, Deutsche Volkspartei — sind fast ein Drittel aller Wähler der judenhetzerischen Lüge zum Opfer gefallen. Es wäre falsch und zwecklos, die Ungeheuerlichkeit dieser Tatsache zu verschleiern. Wo liegen die Wurzeln dieser Erfolge, der auf plumper Lüge und skrupellosester mit den allergröbsten und unwahrscheinlichsten Märchen arbeitenden Hetze? Man faßt sich an den Kopf und fragt sich, wie es denn möglich ist, daß all das Zeug, das an judenhetzerischen Behauptungen allerdümmster Art verbreitet wurde, überhaupt auf eine nennenswerte Zahl von Menschen wirken konnte. Da diente beispielsweise irgendein aus dem Zusammenhang gerissener Satz aus der Breslauer jüdischen Zeitung aus dem Jahre 1900 (!!) also 24 Jahre alt, zu einem Hetz-Flugblatt. In erster Linie ist der Erfolg der Völkischen zweifellos der bayerischen Volkspartei zu verdanken, die durch ihre Regierungsorgane jahrelang dem gemeingefährlichen Treiben der Nationalsozialisten sozusagen den amtlichen Stempel aufgedrückt hat. Wenns nur gegen den „jüdischen Geist des Marxismus“ ging,, war alles recht und diente dem Staatswohl. So wurden den Judenhetzern alle Konzessionen gemacht, zuletzt die Ausweisungsaktion gegen die Ostjuden, die eigentlich nur als Anfang einer viel weiter gehenden Aktion des Generalstaatskommissars der bayerischen Volkspartei gedacht war. Alles, was gegen Republik und Demokratie ging, war der bayerischen Volkspartei recht, vor allem natürlich das so bequeme wie erfolgverheißende Mittel der Judenhetze. (Daß es kleine Kreise der bayerischen Volkspartei gab und gibt, die anders denken, konnte daran nichts ändern) So ist es die Bayerische Volkspartei, die von ihrer bisherigen großen Macht den denkbar schlechtesten Gebrauch gemacht hat, der diese Früchte zu verdanken sind. Schlimm genug, daß zahlreiche Juden instinktlos genug waren, die Wahl dieser Partei zu empfehlen! Es ist eine späte Erkenntnis, wenn der Münchener Vorsitzende der Bayerischen Volks-