Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 15 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Das Jüdische Echo Nr. 15 Friedensflagge einige besonders raffinierte Mittel zur Vergasung der „internationalen Juden“ an Bord. Im übrigen bewegt er sich in der gleichen sozial-reaktionären Richtung. wie sie die von Großindustriellen ausgehaltene Presse auch sonst in der Regel steuert. Der „Dearborn Indepedent“ bekämpft die internationalen Juden mit den Waffen des Propheten Jesaias: „Der internationale Jude“ hat seinen Gott verleugnet. Er hat im Interesse des Götzen Mammon durch die deutsch-jüdischen Bankiers den Weltkrieg entfesselt. Er bereitet im Interesse des armen jüdischen Teufels durch den russischen Sowjet und die New Yorker Schneidergewerkschaften die Weltrevolution vor. Nächst dem Unfrieden hat er auch den Unglauben der Welt auf dem Gewissen. Die Bibelkritik protestantischer Theologen wie Wellhausen, Drews, Kuenen und Ewald ist jüdisch. Auch David Friedrich Strauß (ein schwäbischer Pastor) und Erneste Renan (der Sohn eines bretonischen Fischers) müssen für „(den jüdischen Eiinfluß in der christlichen Kirche“ herhalten. Sogar für Shimmy, Jazz und Negermusik, für den amerikanischen Film und für das amerikanische Drama ist der „internationale Jude“ verantwortlich. Wall Street ist trotz Morgan und den vielen anderen „arischen“ Finanzgrößen ein jüdisches Ghetto, das Amerika in Zinsknechtschaft hält. Zwischen Gompers, dem amerikanischen Gewerkschaftsmann und Pazifisten, und Trotzki, dem russischen Bolschewisten und Militaristen, ist kein wesentlicher Unterschied. Kurz: hinter allem, was Henry Ford nicht liebt oder nicht versteht, sucht er den „internationalen Juden“. Viele der Anklagen, die er gegen ihn erhebt, sind spezifisch amerikanisch. Allein die Hauptplanken seiner antisemitischen Plattform hat er von Russen und Deutschen entlehnt. Russische Reaktionäre haben ihm aus dem Arsenal der zaristischen Geheimpolizei die „Protokolle der Weisen von Zion“ geliefert, eine plumpe, auf ein Publikum von Analphabeten berechnete Fälschung. Andere „Schlager“ hat er der deutschen Literatur, insbesondere Schriften von Theodor Fritzsch und Werner Sombart. entnommen. Der deutsche Antisemit, der den „Internationalen Juden“ mit 8 Goldmark bezahlt, hat darum verzweifelte Ähnlichkeit mit dem Manne, der einen in Aachen aus der Wolle deutscher Schafe gewebten Stoff auf dem Umweg über England als „echten“ Buxkin bezieht. In Amerika soll es Leute geben, die das große Geschäft politisch und die große Politik geschäftlich betreiben. Zahlreiche Amerikaner sehen infolgedessen die politische Betätigung Fords einfach als „bussiness“, als Geschäftsreklame, an. So bezeichnet ihn der mehrerwähnte Mr. Pipp als „den größten Selbstanzeiger aller Zeiten.“ Auch ein deutscher Sachkenner nannte ihn kürzlich in den Münchener Neuesten Nachrichten das „größte Propagandagenie, das die Welt je hervorgebracht.“ Seine geschäftlichen Erfolge sind in der Tat erstaunlich, haben aber für sein Land eine recht bedenkliche Kehrseite. Wir lesen in dem kürzlich erschienenen ausgezeichneten Buche eines Franzosen, betitelt: „Petroleumweltkrieg“, daß jetzt „in den Vereinigten Staaten jeder Farmer sein Automobil besitzt. In jeder Familie, die etwas auf sich hält, gibt es in der Regel drei: eine Liinusine für Stadtbesuche, ein offenes für Landausflüge und einen „Ford“ für die Dienstboten zum Einkäufen. Auch hat man berechnet, daß durchschnittlich auf 13 Einwohner 1 Automobil kommt. Das Fordwerk allein ist gegenwärtig im Stande, alljährlich 3 000 000 Wagen her zu stellen.“ Die Folge davon ist, daß die Vereinigten Staaten gegenwärtig doppelt soviel Petroleum verbrauchen, wie die übrige Welt zusammen genommen, und daß nach amtlichen Berechnungen die Petro- Jeumvorräte des Landes sich voraussichtlich in 18 Jahren erschöpfen werden, während die übrige Welt noch für 250 Jahre bei ihrem bisherigen Verbrauch ausreicht. Henry Ford ist zweifellos ein äußerst „smarter“ Geschäftsmann. Er lehrt zwar: „Du sollst die Konkurrenz nicht beachten“ und „jede Minute, die wir Konkurrenzuntemehmungen widmen, bedeutet einen Verlust für das eigene Geschäft.“ In Wirklichkeit kauft er, wie er selbst eingesteht, jedes neue Modell, mit dem die Konkurrenz auf den Markt kommt, sofort an, und ruht nicht, bis er heraus hat, was daran brauchbar und für ihn nachahmenswert ist. Dieses Verfahren spart ihm ein teures Konstruktionsbureau und kostspielige Versuche. Es gibt in der Tat nichts Billigeres. Ganz ähnlich hält er es mit der Reklame. Er sorgt dafür, daß „Fordgeschichten“ in die Presse kommen. Als charakteristisches Beispiel erzählt er selbst in seinem Buche, eines Tages sei er von Reportern in einem Lanchesterwagen sitzend getroffen worden, „der als der beste englische Wagen gilt“. Auf ihre erstaunte Frage, weshalb er keinen „Ford“ benütze, habe er erwidert: „Ja, sehen Sie, das kommt daher, daß ich mich auf einer Erholungstour befinde. Ich habe keine Eile, nach Hause zu kommen.“ Oder er schreibt ein Buch über „Mein Leben und mein Werk“ oder verfaßt Journalartikel über den „Internationalen Juden“. All das ist viel billiger, und dabei wirksamer, als Zeitungsreklame. Wie haarscharf er das Wesen der Sache erfaßt, beweisen seine Worte: „Es gibt eine Methode, eine Revolution genau so populär zu machen, wie Kinostücke und populäre Musik: unaufhörliche Wiederholung, bis das Wort sitz t.“ „Ford“ und „Fordson“ sollen „sitzen“. Ford verschmäht es zu diesem Behufe nicht einmal, sich bei dem nationalen Juden in Palästina in hebräischer Sprache zu empfehlen. Von seinem „internationalen Juden“ läßt er demnächst unter dem Titel: „El Judio internacional“ eine spanische Übersetzung erscheinen. Es sollte nicht überraschen, wenn selbst eine jiddische und hebräische Übersetzung noch folgen sollten. Der Antisemitismus und Pazifismus Fords haben seine Erzeugnisse schon heute zu den bekanntesten Markenartikeln der Welt gemacht. Würden sie durch nichts anderes empfohlen, als durch ihre Brauchbarkeit und Billigkeit, so wäre Henry Ford von der Eroberung d!er Welthegemonie wohl noch ebensoweit entfernt, wie der internationale Jude. So aber ist Aussicht, daß eines — vielleicht gar nicht mehr allzu fernen — Tages, selbst in dem verarmten Deutschland jeder Arbeiter am Sonntag in seinem „Ford“ spazieren fährt und jeder Bauer mit seinem „Fordson“ pflügt. Immer vorausgesetzt natürlich, daß der internationale jüdische Kapitalist nicht vorher alles Benzin zusammengekauft und der internationale jüdische Proletarier nicht damit den Erdball in die Luft gesprengt hat. — Ford erzählt, daß es schon in seinen Lehrjahren der Traum seines Lebens war, „irgend einen Massenartikel herzustellen.“ Da sich zunächst keine Gelegenheit hiezu bot, machte er sich an die Massenfällung von Bäumen. Er schlug einen Wald von 45 acres bis auf den letzten Baum, kahl, den ihm sein Vater in der Nähe von Dearborn geschenkt hatte. Dann begann er darüber nachzusinnen, ob sich nicht „die schwere und harte Farmerarbeit von Fleisch und Blut auf Stahl und Eisen übertragen lasse.“ Schon der Zwanzigjährige träumte von der Massenherstellung des Schleppers „Fordson“, den er demnächst in Europa einzuführen gedenkt. Dieser erschien ihm