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Das jüdische Echo · 1924-04-04 · 1-14 (4.4.1924) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
1-14 (4.4.1924)
Date
1924-04-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 — 14 Das Jüdische Echo 7 tragende dieses ungeheuerlichen politischen Ränkespiels. Die Meister der Würdelosigkeit. Der Berliner „M. M.“ entnimmt einem im Stahlhelmbund verbreiteten Geheimzirkular des Deutschvölkischen Major a.D. Anker: „Daß ich der Einladung der Vorstandes „nationalgesinnten Juden“ zu ihrer Versammlung am 28. Januar überhaupt gefolgt bin, war von mir, ebenso wie jedes Wort meiner kurzen Rede dort (13 Minuten) genau überlegt. Ich ging hin in der Absicht nach Möglichkeit ein scharfes Aufei'nan^ derplatzen der nationalen Juden mit ihren nichtnationalen Rassegenossen herbeizuführen. Die Hauptrede des „nationaljüdischen“ Herrn Dr. Naumann, so scharf national sie auch gehalten war, war nicht ohne weiteres geeignet, eine radikale Spaltung herbeizuführen. Als ich nun nach ihm als erster das Wort erhielt, trieb ich Naumanns Ausführungen in streng logischem Gedankenaufbau, gewissermaßen in die letzten Konsequenzen und erreichte damit, was ich wollte. Schon die Reden der nach mir sprechenden nichtnationalen Juden (Zionist Klee. Oskar Cohn usw.), die vorwiegend in wütenden Ausfällen gegen mich bestanden, zeigten deutlich, wie höchst unangenehm allen niehtnatibnalen Juden mein Erscheinen und Reden war. So sagte z. B. Cohn: „Da sehen Sie, wie der reaktionäre, völkischmonarchistische Herr Anker sofort Naumanns Erklärungen und Zugeständnisse ausnutzt.“ Als Cohn dann in seiner, alle Überlegung vergessenden Wut sagte, man solle doch recht reiflich überlegen, ob das sogenannte Deutschtum, wie Herr Anker es wolle, wert sei. daß Juden ihr Blut dafür ließen, entstand unter den, nationaldeutschen Juden ein rasender Tumult: „Schuft, Lump, bezahlter Moskowiter!“ riefen sie Cohn zu und gingen ihm auch tätlich zu Leibe, wogegen ihn seine Anhänger nur mühisam schützten, bis er dann aus dem Saal gewiesen und gewaltsam entfernt wurde. Ob bei allen sogenannten nationalen Juden dieser Zorn echt war, oder ob es teilweise nur geschah, weil sie sich vorher mit ihrem stürmischen Beifall zu meiner Rede festgelegt hatten, lasse ich dahingestellt. Zumal gerade die letztere Annahme den Erfolg meiner Taktik nur noch besonders unterstreichen würde. Mir scheint auf jeden Fall ein bemerkenswerter nationaler Erfolg an jenem Abend festzustehen. Nicht als ob die paar wirklich nationalen Juden positiv viel bedeuten. Aber Zwiespalt, offene Meuterei im jüdischen Lager habe ich erzielt und das ist meines Erachtens von nicht zu unterschätzender Bedeutung im nationalen Sinne, denn es bedeutet immerhin eine Schwächung der feindlichen Front.“ Dazu sagt der „M. M.“: Die deutschnationalen Juden sollen mifhelfen, sämtliche deutschen Judenzu Staatsbürgern zweiten Grades zu degradieren, — Das würden die „nationaldeutschen Juden“ vielleicht auch ganz gerne bewußt tun, wenn nur etwa sie selbst, die einzigen „Patentpatrioten“ unter den Juden, als die sie sich selbst anseben, gleichberechtigt werden könnten. Etwa durch Mitgliedschaft bei den Deutschnationalen, die nach bestandener Prüfung im Dauer-Stiefellecken zu gewähren wäre. Die „nationaldeutschen Juden“ selbst bemühen sich ja seit ihrem Vorhandensein krampfhaft, den Deutsch völkischen sich würdig zu erweisen, indem sie die anderen Juden als unpatriotisch denunzieren. Mögen sie aufhören ihre Hände in jüdische Angelegenheiten zu stecken. Die gehen sie nichts an. Sie wollen als Juden verschwinden, sich in nichts von den anderen unterscheiden. Nun gut, mögen sie sich endlich taufen lassen und sich mäuschenstill verhalten, daß man ihre Existenz nicht merkt. Das ist schließlich bei ihrer Einstellung der einzig konsequente Weg und weit weniger würdelos als ihre gegenwärtige Belästigung der Öffentlichkeit mit ihrer Stellungnahme zu jüdischen Dingen, die ihnen doch weltfremd sind. Sie möchten gerne, daß das Judentum verschwinde. Mögen sie den Anfang machen — und beweisen, daß es geht. Es liegt durchaus in der Linie der nationaldeutschen Juden, daß sie gelegentlich des Verbots unseres Blattes die Öffentlichkeit mit Erklärungen belästigten, in denen sie von uns abrückten. Das war unnötig. Ihre Haltung hat vom ersten Augenblick an gezeigt, daß sie mit uns nichts zu tun haben könnten und1 wir selbst haben dies mit schärfster Deutlichkeit dargetan. Es liegt an dem ihrer ganzen Art gemäßen Feingefühl, wenn das die „Nationaldeutschen“ nicht genügend gemerkt haben. Wir würden die Vermutung der entferntesten Beziehungen unseres Blattes zu ihnen als schwersten Makel empfinden. Es gibt aber keinen Menschen, der bei uns Beziehungen mit Judenfeinden vermuten könne. Die Herren mögen sich beruhigen. Daran denkt wirklich' kein Mensch. Daß die „Nationaldeutschen“ nicht umhin konnten, ihre Genugtuung über die Ostjudenausweiisung, dieser ganz offensichtlichen antisemitischen Maßnahme, von sich zu geben, ist nicht weiter erstaunlich. Unklar ist nur, was sie all diese Dinge überhaupt angeben. Sie lehnen die jüdische Gemeinschaft ab, nun gut, wir bewußten Juden wünschen ihre Gemeinschaft sicher nicht. Seeienstärkung. Es ist eine traurige Tatsache, daß die Judenhetze bei den Juden selbst die größten Verheerungen anrichtet. Wie die Wirkung der judenhetzerischen Lügen allgemein darauf beruht, daß etwas schließlich immer geglaubt wird — darum lügt man so skrupellos, damit die Wirkung ausreicht, wenn nur etwas hängen bleibt — so vergiftet sie selbst die jüdischen Seelen und allzuviele Juden meinen schließlich, daß etwas an den Vorwürfen daran sein müßte, begegnen ihren eigenen Stammesgenossen mit Mißtrauen und Abneigung, schämen sich ihres Judentums, sind hochbefriedigt, wenn' ihnen ein Antisemit etwa sagt: „Ia, wenn alle Juden so wären, wie Sie!“ Besonders die wohlhabendsten „angesehensten“ Juden suchen sich von jeder jüdischen Gemeinschaft fernzuhalten, obwohl Besitz und soziale Stellung ihnen der Gemeinschaft gegenüber besondere Pflichten auferlegen — zumal sie es sind, die wenigen reichen, weithin bekannten und1 sichtbaren, gegen die sich der Judenhaß besonders richtet, wenn sie es auch nicht unmittelbar zu spüren bekommen. Hier liegt die große historische Schuld der Assimilation, daß sie die Juden vom Nährboden der jüdischen Gemeinschaft losgelöst hat. ihnen durch falsche Bildungsideale den Besitz an jüdischem Wissen und damit den berechtigten Stolz auf die großen geistigen, kulturellen Leistungen des jüdischen Volkes genommen hat. Völlig ohne Besitz an jüdischen Kenntnissen und jüdischen Zusammenhängen ist die gegenwärtige unter der Herrschaft der Assimilation herangewachsene jüdische Generation dem feindlichen Ansturm der Judenhetze ausgeliefert, dem sie hilf- und ratlos gegenübersteht. Sie sucht Rettung in kleinen Pal-

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