Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 52 (28.12.1923)
- Date
- 1923-12-28
- Page
- Seite 527 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 527 t seinen Verteidiger Dr. Braubach den Beweis an, daß dem Verfasser des Buches ein schon vor vielen Jahren erschienenes Buch eines Franzosen als Vorlage gedient habe. Die angeblichen „Geheimnisse der Weisen von Zion“ seien, wie er aus etwa 140 Stellen des Textes nachweisen wolle, eine freche Fälschung. Zu der Behauptung über die vermeintlichen Königsköpfe an der Rathenauschen Villa führte Stanek aus, daß der Architekt ein königstreuer Mann und frommer Katholik sei. Was das Buch als abgeschnittene Fürstenhäupter bezeichnet, seien Masken und Blattornamente, die der mit der Anfertigung des Frieses betraute Bildhauer nach einem italienischen Kunstwerk der Renaissance kopiert habe. Müller v. Hausen bestritt, selbst der Verfasser des Buches zu sein. Die in den ersten Auflagen als „Protokolle“, in den späteren als „Richtlinien“ bezeichneten Abschnitte seien aus einem russischen Buch übersetzt worden, und zwar von einem Regierungsrat, der nicht genannt sein wolle, weil er sonst seine Stellung verlieren könnte. Nur Teile davon seien jenem älteren französischen Buch entlehnt, das gebe man jetzt zu und auch die Annahme, daß es sich um „Protokolle“ handle, habe sich als „irrig“ herausgestellt. Verfasser dieses Buches, das außer den aus dem Russischen übersetzten Abschnitten eine eigene Einleitung und einen eigenen Schluß enthält, sei nicht jener Regierungsrat, sondern ein Mitglied des von dem Kläger geleiteten Vereines gegen Überhebung des Judentums. In der mehrstündigen Verhandlung, die über die Vernehmung des Angeklagten nicht hinauskam, forderte der Kläger wie der Angeklagte immer wieder Vertagung, weil die Sachverständigen beider Parteien hier nicht sofort würden entscheiden können, ob das Buch eine Fälschung sei. Der Angeklagte hatte als Sachverständigen den Geschichtsprofessor Karstedt aus Göttingen geladen, der rechtsgerichtet und antisemitisch ist Auch er werde aus dem vorzulegenden Beweismaterial die Überzeugung gewinnen, daß „Die Geheimnisse der Weisen von Zion“ eine Fälschung seien. Das Gericht kam nach langem Hin und Her schließlich doch wieder zu einer Vertagung. Erst danach prüfte es noch die Frage, was man von dem Sachverständnis der von dem Kläger vorgeschlagenen Herren Reventlow und Mahlaut zu halten habe. Graf Reventlow wurde für zulassungswürdig erklärt. Professor Mahlaut aber wurde abgelehnt, weil sich ergab, daß die Einleitung des Buches auch einen von ihm verfaßten Beitrag enthält. Verfasser des Buches zu sein, bestritt er. („Wr. Mrgzt“) Eine Hochschule für die jüdische Wissenschaft in New York Eines der Ziele der von den orthodoxen Kreisen Amerikas eingeleiteten Fünf Millionen Dollar-Propaganda ist die Errichtung einer jüdischen Hochschule, der ersten ihrer Art in Amerika, die die Aufgabe haben soll, das Wirkungsfeld des orthodoxen Rabbinerseminars zu erweitern. Der Präsident der Vereinigung orthodoxer jüdischer Verbände in Amerika, Rabbiner Herbert S. Goldstein, teilt mit, daß mehr als 500 Studenten aus allen Staaten Nordamerikas und Europas sich für den Besuch der Hochschule vormerken ließen und daß noch eine weitere Liste mit einer gleich großen Anzahl bestünde. Diese Studenten werden aber wegen Überfüllung nicht mehr zugelassen werden können. Die Sammlung ist bereits eröffnet worden, so daß das Seminar mit seinen modernen Bauten, mit seinen Schlafsälen, dem Gymnasium und den gut eingerichteten Wohnhäusern für die jüdischen Studierenden schon im Herbst 1925 eröffnet werden und eine beträchtliche Anzahl europäischer Studenten aufnehmen wird. (Ica.) ■■Illlllllllllllllllll 11111! faulileiöS Die Chanukalampe Aus: „Die Zeit“ von J. L. Perez, Verlag Benjamin Harz, Berlin-Wien. Zu haben in der „Ewer“- Buchhandlung, Ottostraße 2. Da heute Chanukka ist, will ich euch erzählen, wie einst ein Mann, der — nicht auf euch gedacht! — verarmt war, durch eine Chanukkalampe gerettet wurde.... Und ihr meint vielleicht durch eine goldene? Oder eine silberne? Nein, es war just eine aus Messing, und eine zerbrochene dazu. Ein altes Erbstück aus uralten Zeiten. Krumm, verbogen, mit einem abgebrochenen Röhrchen.... Er war vorher ein kleiner Mann gewesen.... Plötzlich wurde er reich. Wieso? Das gehört eigentlich nicht zur Sache. Man sagt, ein Soldat hätte einmal eine Stange Eisen zum Kauf angeboten. Er hätte die Stange unterm Wert gekauft. Und wie er sie nach Hause brachte und anfeilte, stellte sich heraus, daß sie aus Gold war! Der Soldat hatte sie wohl aus einer Bank gestohlen. Wenn ein Jude reich wird, so stellt er sein ganzes Haus auf den Kopf. Er zieht neue Kleider an: er selbst verwandelt sich in einen Deutschen1); seine Frau wird Französin und legt den Scheitel ab. Die beiden Söhne, die er hatte, nahm er sofort aus dem Cheder und tat sie ins Gymnasium. Die x) „Deutscher“ heißt in Polen ein Jude, der europäische Kleider trägt. ganze Ausstattung wird verändert.... Ein Bücherschrank stand da: wer braucht noch die Bücher? Also stiftet er sie dem Bejß-Hamidrosch. Den alten Schrank läßt er zersägen und zu Spänen für die Küche kleinmachen.... An seine Stelle kommt ein mächtiger Spiegel. Die Frau hat sich selbst plötzlich liebgewonnen und will sich in ihrer ganzen Figur sehen. Man läßt einen Trödler kommen, verkauft ihm halb umsonst die ganzen alten Möbel und kauft sich dafür Ludwig den Vierzehnten: kleine, aber gepolsterte Stücke, mit krummen, aber vergoldeten Beinen. Auf Rädern stehen sie, — es ist ein wahres Vergnügen! — Man hat aber Angst, sich darauf zu setzen. Sie hatten ein wenig altes Silber im Hause: Esregkörbchen, Gewürzbüchsen — sie verkauften einen Teil zum Einschmelzen und gaben das übrige armen Verwandten als Hochzeitsgeschenke. Statt dessen schafften sie sich Glas und Kristall an ... Blumentöpfe, Vasen, lauter moderne Sachen. Doch das Glück wendete sich, das Brot fiel eines Tages mit der Butterseite nach unten. Man konnte den Söhnen, die schon im Auslande studierten, nichts mehr schicken.... Mit Mühe und Not prolongierte man die Wechsel.... Ein Gefälligkeitsdarlehen konnte man von keinem Menschen mehr kriegen.... Und von Tag zu Tag wird es schlimmer. Sie suchen schon, was sie noch versetzen könnten. Ludwig der Vierzehnte ist schon längst in die Brüche gegangen.... Glas und Kristall sind zerschlagen. ... Nur einige zusammengekittete Geschirrstücke sind ihnen geblieben.... B4C