Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 52 (28.12.1923)
- Date
- 1923-12-28
- Page
- Seite 526 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Das Jüdische Echo Nr. 52 oft sehr heftig gegen Dr. de Haan aufgetreten. (De Haan ist bekanntlich einer der unangenehmsten Repräsentanten der antizionistischen jüdischen Orthodoxie, dem kein Mittel für seine Hetze zu schlecht ist und der bezeichnenderweise als Jerusalemer Korrespondent der antizionistischen Londoner „Hetzpresse“ tätig ist.) Auslandsgastspiel des palästinensischen hebräischen Theaters Wie JTA. meldet, weilt gegenwärtig in Berlin eine Initiativgruppe des „Theatron Arzi Jisraeli“ (Hebräisches Theater Palästinas), bestehend aus den Mitgliedern Frau Bernstein-Kohan, Frau Weinschal, den Herren Gor, Kutai, Oxenberg und anderen. Diese Gruppe hat sich mit dem aus Moskau eingetroffenen Herrn Gnesin, einem'der Gründer der Moskauer „Habimah“, zu einem Ensemble verbunden. Unter der Direktion Gnesins wird die Truppe in den kommenden Monaten eine Tournee durch Deutschland, Frankreich, England, andere Länder Europas, wahrscheinlich auch durch Amerika, unternehmen und eine Reihe hebräischer Stücke zur Aufführung bringen. Gegenwärtig ist die Gruppe mit der Zusammenstellung des Repertoires beschäftigt. Um die Passah-Zeit will die Truppe ihre Tätigkeit in Berlin mit der Aufführung des Dramas „Belsazar“ von Henie Roche beginnen. Die Dekorationen stellt der jüdische Maler Mindjin her. Die eingelegten assyrischen Tänze werden von der bekannten Tänzerin Jutta Klamt arrangiert. Aus dem weiteren Repertoire sind hervorzuheben: „Meschiach Ben Josef“, Legende von Steinmann und „Sabbataj Zewi“ von Zulawsky. Zu diesen Stücken haben moderne jüdische Komponisten die begleitende Musik geschrieben. Nach Beendigung der Tournee wird sich die Truppe unter der Leitung des Direktors Gnesin zurück nach Palästina begeben, um dort in enger Zusammenarbeit mit der hebräischen Universität den Plan eines ständigen nationalen hebräischen Theaters zu verwirklichen. Die Gesellschaft hofft, auf der Tournee die nötigen Mittel für die Begründung eines ständigen Theaters in Jerusalem aufzubringen. Eine Ramses-Statue als Bibelbestätigung Die Ausgrabungen in Beth Schan Die archäologische Expedition der University of Pennsylvania, welche Ausgrabungen in Palästina vornahm, ist nun, wie aus Philadelphia berichtet wird, zurückgekehrt. Ihr Leiter Dr. Clarence S. Fischer teilt mit, daß die Expedition in Beth Schan eine Statue Ramses des Zweiten gefunden hat, welche die Bibelerzählung über die Sklaverei der Juden in Ägypten bestätigt. Das Steinmonument wurde, wie Dr. Fischer mitteilt, in einem kleinen Gelaß einer Festung gefunden, welche von der Expedition in der Nähe von Beth Schan aufgedeckt wurde. Auf dem Monument befindet sich eine Hieroglypheninschrift, in welcher Ramses der Zweite kundtut, daß ein semitischer Stamm für ihn Städte am Nil gebaut habe. Die durch die Ausgrabungen entdeckten Festungen und Städte sind von großer Bedeutung, da sie auf die Geschichte der Siedlungen in Palästina vom frühen Mittelalter bis in die ältesten Zeiten ein neues Licht werfen. Das Ramses-Monument, welches die Erzählungen der Bibel über den Bau der Juden an den Städten Pithom und Ramses in Ägypten bestätigt, soll wie Dr. Fischer weiters mitteilt, nach Amerika gebracht werden. Aus der Jüdischen Weift England Sitzung des Board of Deputies London. (JTA.) Am 15. Dezember fand in London eine Sitzung des Deputiertenrates der englischen Juden (Board of Deputies) statt und beschäftigte sich u. a. mit der Lage in Deutschland. In Abwesenheit <jes Herrn d’Avigdor Goldsmid (der sich auf einer Ica-Versammlung in Paris befindet) erstattete Herr B. S. Strauß den Bericht des Komitees für auswärtige Angelegenheiten (Joint Foreign Committee). Der Bericht legte dar, daß die Situation in Deutschland etwas übertrieben dargestellt worden wäre. Noch sei jedoch die antisemitische Bewegung in Bayern bedrohlich. Durch die Möglichkeit einer Wiedererstarkung der Hitler- Partei ist die Lage für die Juden noch immer unsicher. Auf Anordnung der Regierung hat der britische Konsul in München in freundschaftlicher Weise den bayerischen Behörden zu verstehen gegeben, welchen schlechten Eindruck die Judenausweisungen in England gemacht haben. Britische Hilfskomitees hatten sich zu Hilfsmaßnahmen für Deutschland zusammengeschlossen. Es ist aber davon abgesehen worden, einen besonderen Aufruf an die jüdische Gemeinschaft zur Hilfe für die deutschen Juden ergehen zu lassen, obgleich sehr viele Gesuche im Namen von Juden des Gelehrten- und Mittelstandes eingegangen sind. Deutschland Die Eröffnung des Zionistischen Heimes in Berlin Am 8. Dezember wurde das von der Gruppe der Zionisten aus dem Osten errichtete Heim, Berlin, Landsbergerstr. 89, unter gleichzeitiger Abhaltung einer Chanukkahfeier feierlich eröffnet. Wir können die erst seit kurzem tätige, unter der Leitung des Herrn Benzion Fett stehende Gruppe zur Errichtung dieses Heims, das ein Mitglied unserer Redaktion vor einigen Tagen besichtigte, beglückwünschen. Es bestehen alle Aussichten, daß sich in den freundlichen und praktischen Räumen ein neues Zentrum jüdischen Lebens entwickeln wird. Es ist zu erwarten, daß die Stärkung der Gruppe der ostjüdischen Zionisten in Berlin auch auf die entsprechenden Gruppen im Reiche zurückwirken wird. Die Geheimnisse der Weisen von Zion Der Fries an der Rathenau-Villa Wir haben uns schon zu wiederholten Malen mit den famosen „Geheimnissen der Weisen von Zion“ beschäftigt und den Beweis der Fälschung dieser angeblich aus dem Jahre 1897 stammenden Protokolle des ersten Zionistenkongresses öffentlich geführt. Das Buch hat auch zu einem Prozeß der Mutter des ermordeten Ministers Rathenau Anlaß gegeben, weil behauptet worden war, daß sich an der Vorderwand der Rathenauschen Villa in Berlin ein Fries befinde, der 66 abgeschnittene Fürstenköpfe darstelle. In der ersten Verhandlung gab der Angeklagte, der Hauptmann Müller v. Hausen,, der als Herausgeber des von einem Gottfried zur Beck zusammengestellten Buches fungierte, der Frau Rathenau eine Ehrenerklärung, die er dann jedoch wieder zurückzog, weshalb eine neue Verhandlung angesetzt werden mußte. Inzwischen hatte der Schriftsteller Dr. Johannes Stanek gegen Müller v. Hausen öffentlich die Beschuldigung erhoben, er wisse genau, daß das Buch ein Schwindel sei. Hausen klagte und in dieser Woche kam es vor dem Schöffengericht Schöneberg zur Verhandlung. Stanek bot durch