Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 52 (28.12.1923)
- Date
- 1923-12-28
- Page
- Seite 524 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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524 Das Jüdische Echo Nr. 52 schaffen für die Besorgung von Tausenden von Einwanderern mit Arbeit und Brot. Ob diese Bank eine selbständige Institution sein wird oder als der Finanzapparat der Jewish Agency organisiert werden wird, steht noch nicht fest. Die Lage in Palästina Was die Lage in Palästina selbst betrifft, so sind wir Zionisten weder Pessimisten noch übertriebene Optimisten, sondern Realisten. Man darf nichts Unmögliches erwarten und zu Pessimismus liegt kein Grund vor. Unter denen, die jetzt so pessimistisch und kopfhängerisch sind, finden wir gerade jene, für die noch vor kurzem keine Forderung zu hoch genug gewesen ist und die nichts anderes verlangt haben als eine sofortige Masseneinwanderung. Gewiß, die ökonomische Lage in Palästina ist nicht günstig, aber es ist absolut grundlos und falsch, von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit usw. zu sprechen. Trotz aller Schwierigkeiten macht Palästina auch ökonomisch Fortschritte und wenn dieser Fortschritt ein etwas langsamer ist, so liegt es nur an uns, denn wenn wir Juden wollen werden, dann wird der Fortschritt ein viel schnellerer und stärkerer sein. Dieselben Fortschritte können wir auch bezüglich der arabischen Frage bemerken. Das, was Hetzer tun, kann schließlich denn doch nicht die Grundlage einer Volkspolitik werden. Allmählich beginnen die Araber einzusehen, daß der Zionismus für sie nur eine Wohltat ist, ökonomisch und kulturell, und daß die Hetzpolitik zu nichts führt. Mußten sie sich doch davon überzeugen, daß ihre Bemühungen, die öffentliche Meinung in England gegen den Zionismus aufzuhetzen, vollständig erfolglos geblieben sind. So wurde bei den jetzigen Parlamentswahlen die Palästinafrage nirgends mehr gegen die Regierung als Kampfmittel benutzt. Die Araber können vielleicht diese oder jene politische Persönlichkeit gewinnen, aber die Parteien als solche, die Konservativen und die Liberalen, wie auch die Labour Party, alle stehen sie auf dem Boden der Balfour-Deklaration. Es ist meine tiefste Überzeugung, daß, je früher und energischer wir die ökonomische Auflebung des Landes verwirklichen werden, desto eher dies zu einer aufrichtigen friedlichen Verständigung der beiden Völker führen wird.“ Am Schluß antwortete Dr. Weizmann auf die an ihn gestellte Frage über die innere Lage der Zionistischen Organisation und was er über die auf dem Zionistenkongreß zutage getretene Opposition denke, wie folgt: „Wozu denn auf die Kongreßdifferenzen zurückkommen! Hatten wir doch vor fast einem Monat eine Sitzung des A.C., an der sich alle zionistischen Vertreter beteiligt haben, auch die Opposition und auch die amerikanischen Mitglieder des A.C. durch ihre Stellvertreter. Ich kann nur sagen, daß alle Fragen im Geiste des Friedens und der gegenseitigen Achtung behandelt worden sind und daß die Mitglieder der Opposition in allen Dingen Verständnis, Verantwortungsgefühl und den besten Willen zur Mitarbeit gezeigt haben. Ich gestehe mit Vergnügen, daß zu diesem Resultate in großem Maß beigetragen hat die Haltung der amerikanischen Delegation auf dem letzten Zionistenkongreß. Alle Delegierten ohne Ausnahme, auch die Mitglieder der Opposition, haben das brüderliche Verhalten der amerikanischen Zionisten anerkannt, das dazu geführt hat, daß bei niemandem der Eindruck entstehen konnte, es würden hier die „Geldgeber“ reden. Im Gegenteil, jeder hatte das Gefühl, daß man es hier einzig und allein mit Gesinnungsgenossen zu tun hat. Deshalb war, ungeachtet der kleinen Zahl, der moralische Einfluß der amerikanischen Delegierten ein so großer. Ich glaube, daß die amerikanische Delegation dadurch zur Auflebung und Gesundung in der zionistischen Bewegung sehr viel beigetragen hat.“ (Ziko.) Deutschland und die Weltmeinung Die „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht in ihrer Nr. 955 Antworten auf eine Umfrage von Sturzo, dem Führer der katholischen Volkspartei in Italien, Romain Rolland, Ohno, dem japanischen Geschäftsträger in Berlin, 0. G. Villard und Georg Brandes. Unsere Leser wird der Beitrag Brandes mit seinem Hinweis der Schädigung der Judenhetze besonders interessieren: Daß Deutschland Recht und Anspruch auf eine geachtete Stellung innerhalb der großen Völkerfamilie besitzt, darüber können Menschen, die Deutschlands Leistungen, die wissenschaftlichen wie die künstlerischen, kennen, keinen Zweifel hegen. Nichts destoweniger hat Deutschland und die deutsche Presse seit dem Kriege notwendigerweise viel in der Achtung der Besseren verloren. Man erwartete, daß die Deutschen nach so großen Unglücksfällen wie e i n Mann gegen die feindliche Welt stehen würden; alle sehen dagegen, daß die Deutschen sich gegenseitig zerfleischen, allen Feinden Vorschub geben, und daß z. B. demokratische Blätter von den Gegnern immer nur als Judenblätter bezeichnet werden. Der Judenhaß ist nicht weniger lebendig in Deutschland als in Polen; sogar ein Einstein wurde von den Studenten ausgezischt. Das Ansehen der deutschen Zivilisation hat durch solche Fälle, sowie durch die Ermordung von Rathenau und so vielen anderen, in den Augen ganz unparteiischer Menschen unendlich gelitten. Es wird sich natürlich durch bessere Zustände in der Zukunft wieder heben. Nachrichten aus Palästina Eine Hypothekenbank in Tel-Awiw Wie der JTA.-Vertreter erfährt, soll binnen kurzem in Tel-Awiw eine städtische Hypothekenbank mit einem Kapital von 20 000 engl. Pfund eröffnet werden. Die Stadtverwaltung wird außerdem noch ein Viertel des Gesamtkapitals (5000 engl. Pfund) beisteuern. In Jaffa soll demnächst eine Agrarbank mit einem Aktienkapital von 20 000 Pfund eröffnet werden. Die Anregung zur Gründung der Bank gaben Captain Alexander Aaronsohn und die Firma Fels. Die Bank wird den Siedlern auf dem Boden der „Bne Benjamin“ Darlehen gewähren. Das Immigrantenheim in Jaffa Wir berichteten vor kurzem über die Grundsteinlegung des Baues eines Immigrantenheims in Haifa. Auch in Jaffa wurden im Einvernehmen mit dem Waad Leumi und dem Keren Hageulah- Komitee mit Hilfe der Alijah-Abteilung der Zionistischen Exekutive zwei große Häuser an der Grenze von Tel Awiw erstanden, die zusammen mit den nötigen Umbauten auf 4 291 ägypt. Pfund gekommen sind (der palästinensische Keren Hageulah hat seinerzeit beschlossen, daß das von ihm aufgebrachte Geld vom Keren Hajessod für den von hier erwähnten Sonderzweck verwendet werden soll). In eines dieser beiden Häuser wurde das Büro der Alijah-Abteilung in Jaffa überführt, ebenso das Immigrantenheim, so daß die Einwanderer, die bis jetzt in Zelten zu kampieren gezwungen waren, nun in einem gut eingerichteten festen Bau sich von ihren Reisestrapazen erholen können. (Ziko.)