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Das jüdische Echo · 1923-12-28 · 52 (28.12.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
52 (28.12.1923)
Date
1923-12-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 52 _28. Dezember 1923 10. Jahrgang Dr. Weizmann über seine Aufgaben in Amerika Einem in dem offiziellen Organ der amerikanischen Zionisten „Dos jiddische Volk“ erschienenen Interview entnehmen wir folgende Erklärungen Dr. Weizmanns: Meine jetzige Reise nach Amerika steht in Verbindung mit drei Aufgaben, die von besonderer Wichtigkeit für den Aufbau des jüdischen Heimlandes sind: Jewish Agency, Universität und Gründung eines Finanzinstituts. Jewish Agency In Europa hat die Idee der Jewish Agency bereits Verständnis und viele Sympathien bei den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung gefunden, nicht nur der osteuropäischen, sondern auch der westeuropäischen Länder. In England bringen die großen jüdischen nichtzionistischen Organisationen der Sache ein sehr reges Interesse entgegen. Mit den Vertretern der französischen Judenheit stehen wir in Verhandlungen. Sehr sympathisch verhalten sich die angesehenen jüdischen Vertreter in Italien wie auch in Holland. Alle Kreise, an die wir eine Einladung haben ergehen lassen, nehmen an der Sache reges Interesse; niemand hat bis jetzt eine Absage geschickt und überall, auch in Kreisen, die bisher der Palästinasache fernstanden, zeigt sich die Tendenz, sich mit diesem Problem zu befassen. Ich hege die feste Hoffnung, daß die ganze jüdische Welt die große Bedeutung der Jewish Agency anerkennen und Mithilfe und Mitarbeit für den Aufbau des Landes unserer Ahnen nicht versagen wird. Die Zionisten haben vor der ganzen Welt gezeigt, daß sie gerade jetzt nach ihrem Erfolge Palästina nicht als Monopol für sich betrachten, sondern als eine Angelegenheit des gesamten Volkes. Wir glauben, daß das Mandat und die Balfour- Deklaration einen solchen Boden abgeben, auf dem alle aktiven und schaffenden Kräfte des Judentums sich vereinigen können. Von größtem Wert für die Sache ist jetzt die Hilfe und die Mitarbeit der amerikanischen Judenheit. Schon bei meinem letzten Besuch in Amerika habe ich mich überzeugt, daß die bedeutendsten Führer der amerikanischen Judenheit ein warmes Herz und Sympathien für Erez Jsrael haben, und daß sie bereit sind, an der Gründung der Jewish Agency mitzuarbeiten. Daß meine Hoffnung berechtigt ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß solche Wortführer des American Jewish Committee wie Louis Marshall, Oscar Straus, die Lehmans, Dr. Cyrus Adler u. a. m. mir ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit erklärt haben. Unser Wunsch ist, daß alle großen Oganisationen in Amerika, wie das Joint Distribution Committee, die Logen und die jüdischen Gewerkschaften sich der Arbeit und der Bildung der Jewish Agency mit gleichen Pflichten und gleichen Rechten anschließen. Eine gut organisierte Jewish Agency wird die größte Bedeutung für den Aufbau Palästinas haben. Unser Plan ist, daß die Jewish Agency die Aufsicht über den Keren Hajessod haben und kontrollieren soll, ob die Gelder richtig und zweckmäßig verausgabt werden. Die Agency wird auch die Aufgabe haben, die nötigen Direktiven bezüglich des ökonomischen Aufbaues des Landes zu geben, und sie wird die Vertretung aller Juden gegenüber der Mandatarmacht sein. Wahrscheinlich wird die Agency einen besonderen Vertreter in Jerusalem haben, der mit der palästinensischen Regierung in allen Angelegenheiten des Aufbaues des jüdischen Heimlandes zu verhandeln haben wird. Die Jerusalemer Universität Ein zweiter Punkt, der von besonderer Wichtigkeit für unseren Erfolg ist, ist die Gründung der Universität in Jerusalem. Die Gründung der Universität ist eigentlich bereits eine Tatsache. Es fehlt nur noch die formelle Eröffnung und der Beginn der Arbeit. Tief ist die Sympathie, die dieser Plan bei allen Kreisen unseres Volkes findet. So habe ich unlängst eine Spende von 20 000 Pfund für die Universität erhalten, wobei zu bemerken ist, daß der Spender, der durchaus ungenannt bleiben will, mit diesem Betrag die Hälfte seines Vermögens geopfert hat, ja, ich zweifle sogar, ob ihm weitere 20 000 Pfund geblieben sind. Es wurde bereits der Auftrag erteilt, an die Errichtung von 50 Vortragssälen und Arbeitsräumen heranzutreten, 25 sind für die medizinische Fakultät bestimmt, bei der wir auf die aktive Mithilfe der amerikanischen Ärzte zählen, die sich auf diesem Gebiete bereits so ausgezeichnet haben. Die anderen 25 Räume sollen den Fakultäten der jüdischen Wissenschaften und der Jurisprudenz dienen. Wir hoffen, daß die amerikanischen Doktoren und Rechtsanwälte sich der Sache mit größter Energie annehmen werden, so daß das stolze Werk unserer Jerusalemer Universität ehestens seine heilige Mission wird erfüllen können. Die Universität hat auch in den englischen christlichen Kreisen große Befriedigung hervorgerufen. Man erblickt darin einen klaren Beweis, welcher Art unsere Aspirationen im Lande sind, und daß wir in Wirklichkeit im Lande unserer Propheten den Geist des Judentums wieder aufleben lassen wollen. Als ich letztens Lord Balfour bei Überreichung der vom Künstler Rosenthal aus Baltimore geschaffenen Büste besucht habe, hatte ich Gelegenheit, ihm über die Fortschritte der Universität zu berichten. Lord Balfour war glücklich und freute sich ungemein mit unserer Erklärung, daß wir hoffen, er selbst werde binnen kurzem in der Lage sein, unsere Universität zu eröffnen. Das Finanzinstitut Die dritte Aufgabe ist die Gründung des Finanzinstituts mit einem Kapital von 5 Millionen Dollar. Diese Aufgabe ist der eigentliche Zweck von Dr. Ruppins Besuch in Amerika. Prominente Vertreter der amerikanischen Judenheit haben bereits bei meinem vorigen Besuch in Amerika lebhaftes Interesse diesem Bankplan entgegengebracht. Ein so organisiertes Bankinstitut, das in Amerika Kapital schaffen würde, um die Shares solcher soliden und gesicherten Unternehmungen wie z. B. die Hypothekenbank, das Rutenbergwerk oder das Hafenbauunternehmen zu erwerben, eine solche finanzielle Gründung würde auf einmal das ökonomische Leben im Lande heben und Möglichkeiten

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