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Das jüdische Echo · 1923-12-21 · 51 (21.12.1923) · p. Seite 518

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
51 (21.12.1923)
Date
1923-12-21
Page
Seite 518 (sequence 6)
Language
German
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518 Das Jfidlsctie Echo Nr. 51 eine flammende zionistische Rede hielt, in der er seine Erklärung wiederholte, daß er als Zionist ins Parlament kandidiere. Unter den Unterlegenen befindet sich Captain Foxcroft, der entschiedenste Gegner der zionistischen Politik, der erst kürzlich aus Palästina zurückgekehrt ist, wo er den arabischen Führern versichert hatte, er werde seinen antizionistischen Kampf fortsetzen.) Frankreich Gegen die antisemitische Hochschulhetze Paris. (JTA.) In der dritten Tagung der Vöikerbundkommission für geistige Zusammenarbeit, die vor kurzem in Paris abgehalten worden ist, wurde über ein von dem Komitee der jüdischen Delegationen eingereichtes Memorandum betreffend die wiederholten antijüdischen Unruhen an den Universitäten Österreichs, Rumäniens und anderer Länder in Verbindung mit der Numerus clausus- Agitation verhandelt. Nach Besprechung des Memorandums nahm die Kommission eine formelle Protestresolution gegen die antijüdischen Umtriebe an den Universitäten Zentral- und Osteuropas an. Kanada Aussichten auf freie Einwanderung nach Kanada Aus Ottowa meldet JTA.: In seiner Rede auf einer jüdischen Versammlung in Winnipeg teilte das Mitglied des kanadischen Parlaments, Herr S. W. Jacobs, mit, daß in Bezug auf die Einwanderung in Kanada ein vollkommener Umschwung stattgefunden hat. Durch die Politik der offenen Tür und der Abschaffung der Einwanderungsbeschränkungen wird das Land einen gesunden ständigen Zustrom von Einwanderern erhalten. Es sind Vorbereitungen zum Empfange von ungefähr 6000 ukrainischen Flüchtlingen in Kanada getroffen worden, wobei die Jca die Versicherung abgegeben hat, daß die Flüchtlinge nicht der Öffentlichkeit zur Last fallen werden. Bis zu dem Zeitpunkt, da für die ganze gewünschte Zahl der Einwanderer Raum geschaffen ist, hat die Regierung eine Quote von 100 Einwanderern wöchentlich festgesetzt. Die kanadische Regierung hat allen denjenigen jüdischen Einwanderern die Einreise nach Kanada gestattet, die wegen Überfüllung der russischen Quote von den Einwanderungsbehörden der Vereinigten Staaten zur Deportation bestimmt wurden. Die Deportierten in der Höhe von einigen hundert Personen werden sich bis zum Juli 1924, da die neue russische Quote wieder eröffnet wird, als Touristen in Kanada aufhalten dürfen. Der Arbeitsminister der Vereinigten Staaten Davis hat auch seinerseits dieser Regelung zugestimmt, so daß die jüdischen Einwanderer nicht gezwungen sein werden, wieder nach ihren europäischen Ausgangsorten zurückzukehren. Den Einwanderern, die sich noch auf Ellis Island befinden, werden weiter keine Schwierigkeiten gemacht; sie können sich dort bis zu ihrer Einschiffung nach einem kanadischen Hafen aufhalten. Um diese Regelung bemühte sich besonders eine Delegation kanadischer Juden, welcher der Präsident der Vereinigten jüdischen Organisationen Kanadas, Herr Lyon Cohen, sowie das Parlamentsmitglied S. W. Jacobs und Herr R. H. Welofsky aus Montreal angehörten. Feuilleton Moses Mendelssohns Brautwerbung*) Mendelssohn war klein, stark verwachsen, er hatte einen Höcker auf dem Rücken und stotterte; aber der geistvolle, kluge Kopf entschädigte dafür, wie so oft bei Verwachsenen. Körperliche Schönheit ist ein vortrefflicher Empfehlungsbrief im Umgang mit Menschen, aber mehr nicht, und es sind schließlich andere Eigenschaften, die dauernd fesseln, wie uns Mendelssohn mit seiner großen Beliebtheit in den weitesten Kreisen, mit der unwandelbaren Freundschaft, die ein Lessing für ihn gehabt, beweist. Aber er erfreute sich nicht nur der Zuneigung aller mit ihm in Berührung kommenden Männer, sondern war auch sehr glücklich verheiratet: auf einer Reise nach Hamburg lernte er im Jahre 1762 Fromet, die Tochter des Abraham Gugenheim, kennen und heiratete sie im folgenden Jahre. Berthold Auerbach berichtet in seinem Buch „Zur guten Stunde“ nach mündlicher Überlieferung die Art, wie Moses seine Frau gewonnen habe, folgendermaßen: Moses Mendelssohn war im Bade Pyrmont. Hier lernte er den Kaufmann Gugenheim aus Hamburg kennen. „Rabbi Moses“, sagte dieser eines Tages, „wir alle verehren Sie, aber am meisten verehrt Sie meine Tochter. — Mir wäre es das höchste Glück, Sie zum Eidam zu haben; besuchen Sie uns doch einmal in Hamburg.“ Moses Mendelssohn war sehr schüchtern, denn er war traurig verwachsen. Endlich entschloß er sich doch von Berlin aus zur Reise und besuchte unterwegs Lessing in Braunschweig, wie in dessen Briefen zu lesen. *) Aus dem Buche: „Die Familie Mendelssohn“, im Insel-Verlag, erhältlich durch die „Ewer“-Buchhandlung, München, Ottostr. 2, Mendelssohn kommt nach Hamburg und besucht Gugenheim in seinem Kontor. Dieser sagt: „Gehen Sie hinauf zu meiner Tochter, sie wird sich freuen, Sie zu sehen, ich habe viel von Ihnen erzählt.“ Mendelssohn besucht die Tochter; andern Tags kommt er zu Gugenheim und fragt endlich, was die Tochter, die ein gar anmutiges Wesen sei, von ihm gesagt habe? „Ja, verehrter Rabbi,“ sagt Gugenheim, „soll ichs Ihnen ehrlich sagen?“ „Natürlich!“ „Nun, Sie sind ein Philosoph, ein Weiser, ein großer Mann, Sie werden es dem Kinde nicht übelnehmen; sie hat gesagt, sie wäre erschrocken, wie sie Sie gesehen hat, weil Sie —“ „Weil ich einen Buckel habe?“ Gugenheim nickte. „Ich habe es mir gedacht, ich will aber doch bei Ihrer Tochter Abschied nehmen.“ Er ging hierauf in die Wohnung und setzte sich zu der Tochter, die nähte. Sie sprachen gut und schön miteinander, aber das Mädchen sah nicht von ihrer Arbeit auf, vermied, Mendelssohn anzusehen. Endlich, da dieser das Gespräch geschickt so gewendet, fragt sie: „Glauben Sie auch, daß die Ehen im Himmel geschlossen werden?“ „Gewiß, und mir ist noch was Besonderes geschehen. Bei der Geburt eines Kindes wird im Himmel ausgerufen: Der und Der bekommt Die und Die. Wie ich nun geboren wurde, wird mir auch meine Frau ausgerufen, aber dabei heißt es: Sie wird, leider Gottes, einen Buckel haben, einen schrecklichen. Lieber Gott, habe ich da gesagt, ein Mädchen, das verwachsen ist, wird gar leicht bitter und hart, ein Mädchen soll schön sein, lieber Gott, gib mir den Buckel, und laß das Mädchen schlank gewachsen und wohlgefällig sein.“

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