Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 51 (21.12.1923)
- Date
- 1923-12-21
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103029-9148106--05931-9078622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
516 Das jüdische Echo Nr. 51 geschaffene „Sonderabgabe“ hinzutritt, die von den Zionisten gleichzeitig mit ihrer Beitragsleistung für den Keren Hajessod künftig entrichtet werden wird. Die Finanzwirtschaft der Zionistischen Organisation wird schließlich in diesem neuen Schekeljahr dadurch auf eine gesunde Grundlage gestellt, daß die Aufbringung des Londoner Budgets in fest bestimmten Kontingenten, auf die einzelnen Länder verteilt wird, Kontingente, die unter allen Umständen aufzubringen sind. Die Exekutive wird dadurch der Sorge um die kleinen Einzelheiten der Finanzierung ihres Apparates enthoben und ihre Arbeitskraft so, wie es ja auch sein muß, für die großen nationalen Aufgaben frei gemacht. Die materielle Fundierung der Organisation obliegt nunmehr den Zionisten in allen Ländern. Am Bedarf des Palästinawerkes gemessen, wird nur sehr wenig verlangt, aber dieser Betrag muß auch geleistet werden, in erster Linie durch den Schekel. Der Ernst der jüdischen Situation in dieser Zeit überträgt sich auch auf die Schekelpropaganda. Wir Juden haben heute nur das eine Organ, die Zionistische Organisation, deren Leitung unsere viel bedrängte Gesamtheit im Kreise der Kulturnationen vertritt. Es ist nicht mehr als recht und billig, daß ein jeder Jude, der sich zum Zionismus bekennt, auch die bescheiden genug berechnete Beisteuer zum Organisationsetat entrichtet. (Ziko.) Die Ostjudenausweisung aus Bayern ln den letzten 8 Tagen, seit Erscheinen unserer vorigen Nummer, hat die Angelegenheit der Ostjudenausweisung aus Bayern an Klarheit in keiner Richtung gewonnen. Die Ausgewiesenen haben meist nur unzureichende kurze Fristverlängerung bekommen und leben in banger Erwartung über die weitere Gestaltung ihres Schicksals. Daß sämtliche dadurch in ihrer wirtschaftlichen Existenz aufs schwerste gefährdet sind, ist ohne weiteres klar. Anderereits hören wir, daß zwischen den verschiedenen Behörden und auch mit intervenierenden Staaten Verhandlungen schweben und die Vermeidung von Zwangsmaßnahmen seitens der bayerischen ausführenden Stelle zugesagt ist. Es ist wahrhaftig höchste Zeit, daß das Stadium der Unklarheit in dieser Sache überwunden wird und daß die Behörden sich endlich entschließen, die vielen Ausgewiesenen, denen man ernstliche Vorwürfe nicht zu machen hat, durch Ausweisungszurückziehung von der schweren und ungerechtfertigten Bedrohung zu entlasten. Die englische Intervention in München London. (JTA.) Die Meldung über eine Intervention der britischen Regierung bei der bayerischen Regierung wegen der Judenausweisungen aus Bayern wird der Londoner JTA. seitens des britischen Auswärtigen Amtes in der folgenden Form bestätigt: Der britische Generalkonsul in München Mr. Robert H. Olive ist persönlich bei der bayerischen Regierung in der Angelegenheit der Ausweisungen von Juden aus Bayern vorstellig geworden. literarisches Scho Dr. Michael Traub: Jüdische Wanderungen. Jüd. Verlag 1922. Für alle diejenigen, welche dem Problem der jüdischen Auswanderung Interesse entgegenbringen, dürfte das Werk Traubs eine willkommene Erscheinung sein. In ausführlicher Weise werden hier die Emigrationsverhältnisse nach allen Seiten erörtert und die modernen Wanderbewegungen des Judentums bis 1914 und seine Wirtschaftslage in den wichtigsten Einwanderungsländern verfolgt. Einen besonderen Wert legt der Verfasser auf die einzelnen Erscheinungen des jüdischen Wanderlebens, welche er an Hand des amtlichen Quellenmaterials zahlenmäßig zu erfassen bestrebt ist. Der Verfasser verspricht, auf die Emigration nach 1914 und besonders über die Einwanderung nach Palästina in einer alsbald zu erscheinenden Schrift eingehend zurückzukommen. Der Verfasser behandelt in zwei Abschnitten die Länder der jüdischen Aus- und Einwanderung und legt noch besondern Wert auf die Statistik, welche in 41 Tabellen ein vorzügliches Zahlenmaterial der einzelnen Verhältnisse darstellt. Möchte die Schrift sich eines recht zahlreichen Leserkreises erfreuen. J. Fr. K. A. Justi: Nationalgesänge der Hebräer. Verlag J. Roller u. Co., Wien, 1923. Das uns vorliegende Werk entstammt der Feder des bekannten weil. Marburger Universitätsprofessors, das der Verlag in neuer sehr vermehrter Auflage zur Ausgabe brachte. Es sind 36 Nationalgesänge, welche uns hier geboten werden und welche sich durch echten Dichtergeist und glühende Herzenssprache auszeichnen. Die Ausstattung des Bändchens, welches die Gesänge auf 118 Seiten (also nicht zu umfangreich) bringt, ist recht gut und besonders reizvoll ist das Titelbild, ein Kupferstich aus Flavius Josephus. Am Beginn der einzelnen Gesänge sind Initialen, deren Originale Urs Graf um 1516 gezeichnet hat, eingefügt. B. L. Zu haben in der „Ewer“-Buchhandlung, Ottostraße 2. Aus der indischen Welt Dr. Weizmanns Empfang in New York Dr. Weizmann ist in Begleitung von Dr. Ruppin auf der „Aquitania“ in New York eingetroffen, wo ihm am Hafen eine begeisterte Aufnahme bereitet wurde. Eine Reihe führender Zionisten war ihm auf dem offiziellen Schiff des New Yorker Bürgermeisters entgegengefahren. Obwohl Dr. Weizmann sich diesmal die Arrangierung eines großen Empfanges verbeten hatte aus dem Wunsche heraus, die hierfür nötigen Kräfte lieber für die Arbeit für die Membership Campaign zu verwenden, ließen es sich doch große Massen von Juden nicht nehmen, den Führer am Peer zu erwarten, um ihm beim Landen grandiose Ovationen zu bereiten. Am 9. Dezember nahm Dr. Weizmann an der Tagung des neugewählten amerikanischen Keren Hajessod-Council teil. Ein aus hundert der prominentesten amerikanischen Juden sich zusammensetzendes Empfangskomitee, dem u. a. auch Louis Marshall, Oskar Straus, Judge Irving Lehman, Samuel Untermyer, Rabbi Nathan Kraß angehören, arrangierte für den 10. Dezember ein großes Empfangsbankett im Astoria-Hotel. Dr. Weizmann wies auf die fortschreitende Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina hin und betonte, daß es zu viele Pessimisten gäbe, die nur die Schwierigkeiten sehen, ohne die großen positiven konstruktiven Arbeiten, die jetzt in Palästina geleistet werden, zu bemerken. (Ziko.) Chachambaschi Rabbi Nahoum Chiefrabbi von Kairo Der ehemalige Oberrabbiner der Türkei, Chachambaschi Rabbi Nahoum, der in letzter Zeit von der Angora-Regierung häufig mit diplomatischen Missionen betraut war, wurde zum Chiefrabbi von Kairo gewählt. Die Juden Ägyptens messen dieser Wahl große politische Bedeutung bei. Da Rabbi Nahoum großen persönlichen Einfluß sowohl bei den muselmanischen Nationalisten in der Türkei