Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 51 (21.12.1923)
- Date
- 1923-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 51 21. Dezember 1923 10. Jahrgang Das Londoner Budget .Von Dr. Jacques Adler, Leipzig. Man spricht seit Monaten bei den Zionisten, bei den Agudisten, bei den verschiedensten jüdischen Instanzen, die sich für das Aufbauwerk in Palästina interessieren, von der „Jewish Agency“, der jüdischen Vertretung in Palästina, die auf breitester Grundlage die geistigen und materiellen Kräfte des jüdischen Volkes für das Werk der Heimstättensiedlung organisieren soll. Und diese Jewish Agency wird auch bestimmt kommen, auf weit ausgedehnter Basis, dank einem Palästina- Weltkongreß sowohl als auch dank der Beteiligung der führenden Persönlichkeiten der großen jüdischen Organisationen. Ganz bestimmt, denn dafür sorgt schon die allgemeine Stimmung ln der gesamten Judenheit, die sich heute, unter dem Eindruck rohester Judenhetze selbst in den kultiviertesten Ländern, von den Assimilationsideen des 18. und 19. Jahrhunderts abwendet und sich, sei es auch in den verschiedensten Formen und Temperamentsabstufungen, wieder zur jüdischen Einheit, zum „K’lal Jisroel“ und seinen Idealen, bekennt. Die Jewish Agency ist im Wesen schon heute eine Tatsache, die nur noch der technischen Ausgestaltung bedarf. Bis dahin aber trägt die Zionistische Organisation doppelte Last und doppelte Verantwortung, einerseits die Leitung und Finanzierung der Gründungsarbeiten in Palästina, andererseits die Ausgestaltung ihres eigenen Apparates, der dazu bestimmt ist, den unter dem Druck der Zeitverhältnisse wieder erwachenden nationalen Willen der jüdischen Massen in feste Form zu bringen, das jüdische Volk zur Aktivität zu befähigen. Auf Grund zionistischer Initiative ist heute bei den Juden aller Länder eine umfassende Finanzpropaganda im Gange, für den Keren Hajessod, für den Jüdischen Nationalfonds, für die Institutionen der Arbeiterschaft, für die verschiedenen gemeinnützigen Zwecke. Aber all der Ertrag dieser Aktionen fließt bestimmungsgemäß — und es kann auch nicht anders sein — ausschließlich dem Aufbauwerk in Palästina im Wege des Palästinabudgets zu. Die Zionistische Organisation dagegen, die für die Aufbringung jener Gelder ihre Kräfte und Einrichtungen weitestgehend zur Verfügung stellt, die daneben die gewaltige Aufgabe der nationalen Erziehung der Juden in allen Weltteilen zu leisten hat, muß ihren Finanzbedarf durch besondere Maßnahmen decken, die des allgemeinen Interesses Wert sind. Da die Exekutive ihren Verwaltungssitz in London hat, bezeichnet man den Etat der Zionistischen Organisation als „Londoner Budget“. Es ist klar, daß mit Rücksicht auf die überragende Arbeiten in Palästina und auf die mächtige finanzielle Kraftanstrengung der jüdischen Massen, die hiermit verbunden sein muß, sich der Finanzanspruch der Organisation in den bescheidensten Grenzen hält. Aber ein bestimmtes Minimum darf dabei nicht überschritten werden, sonst leidet das Ganze, sonst scheint auch das Tempo des Palästinawerkes gefährdet. Mit Recht stellt heute die jüdische Allgemeinheit an die Zionistische Organisation, da diese die Pflichten aus dem historischen Akt des Palästinamandates übernommen hat. außergewöhnlich hohe Anforderungen. Neben der reinen Verwaltungstechnik, die sich aus der praktischen Betätigung in Palästina ergibt, handelt es sich dabei vor allem um unablässige Aufklärung und Werbung unter den Juden, um sie entschlossen und opferfreudig zu stimmen und zu erhalten, unter den Nichtjuden, um unserem schwierigen Aufbauwerk der Heimstätte dauernd das unentbehrliche Wohlwollen der Kulturwelt zu sichern. Die kürzlich in London stattgefundene Tagung des Zionistischen Aktionskomitees hat der Exekutive eine umfangreiche Tätigkeit zur Ausbreitung der zionistischen Ideen, zur geistigen Propaganda, die neben aller Geldwerbung unentbehrlich ist, ja dieser erst Fundament und Stütze gibt, empfohlen. Nur eine starke zionistische Organisation, stark in ihren Institutionen, stark 'ln ihrem Mitgliederbestände, stark in der geistigen Schulung und der Entschlußkraft ihrer Anhänger, stark an Ansehen in der politischen Welt, wird das Basler Programm mit Erfolg verwirklichen, die erweiterte Jewish Agency zu einem leistungsfähigen Instrument für den Aufbau unserer Heimstätte gestalten können. Dieser Kreis unerläßlicher Aufgaben, im Dienste des jüdischen Nationalgedankens und der Palästinaidee, bestimmt auch das materielle Existenzminimum der Zionistischen Organisation. Zur Deckung dieses Etats ist traditionell der Schekel bestimmt. Der Schekel ist der jährliche Organisationsbeitrag eines jeden Juden, der sich zum Basler Programm bekennt; die Zahl der Schekelzahler ist zugleich die Mitgliederzahl der weltumspannenden Zionistischen Organisation, ein Umstand, der dem Schekel neben dem finanziellen Interesse noch einen besonderen ideellen Wert verleiht. Jedes jüdische Kalenderjahr ist für den Zionisten ein Schekeljahr, eine Periode der Werbung unter den Juden für die Bewegung, für die Organisation, für die ideelle und materielle Kräftigung des festen Bandes, das alle Juden im Zeichen der nationalen Renaissance und des Palästina-Aufbaues umschließt. Wir stehen jetzt in den ersten Monaten des Schekeljahres 5684. Der Schekelpreis ist dem Geldwert eines jeden Landes entsprechend bemessen worden, so daß auch der minderbemittelte Jude Schekalim für sich und seine Angehörigen erwerben kann. Der Verkauf des Schekels ist die wichtigste Verpflichtung der zionistischen Landesverbände und Ortsgruppen gegenüber der Exekutive. Wird der Schekel nicht in genügendem Betrage aufgebracht, so gerät die gesamte Arbeit der Organisation ins Stocken, so leidet die Sache des jüdischen Volkes Not, die heute durchaus vom Gelingen der zionistischen Bemühungn abhängt. Wird der Schekel nicht mit der notwendigen Sorgfalt eingezogen, so löst sich der Zusammenhang, der einen jeden Zionisten, selbst an den entlegensten Plätzen der Welt, mit unserer Führung verbindet. Das Aktionskomitee hat mit gutem Grunde auch für dieses Jahr das Prinzip bestätigt, daß der Schekel finanziell und organisatorisch Grundpfeiler der Bewegung ist und von den Landesverbänden in einem dem Etat möglichst entsprechenden Gesamtbetrag aufgebracht werden soll, wozu ergänzend der im vergangenen Jahr begründete „Goldene Schekel“ sowie die jetzt neu-