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Das jüdische Echo · 1923-12-14 · 49 (14.12.1923) · p. Seite 510

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
49 (14.12.1923)
Date
1923-12-14
Page
Seite 510 (sequence 10)
Language
German
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510 Das Jüdische Echo Nr. 49 derung der juristischen Abteilung der Jerusalemer Universität gebildet, das sich aus Juristen zusammensetzt, ähnlich dem amerikanisch-jüdischen Ärztekomitee, das für die medizinische Abteilung der Universität bisher schon recht große Mittel aufgebracht hat. Ein Statement Dr. Weizmanns an die Zionisten Amerikas In Amerika ist jetzt eine Aktion für den Beitritt von Zionisten zur Zionistischen Organisation Amerikas, eine sogenannte Membership-Campaign, in Durchführung begriffen. In New York allein sollen 25 000 Mitglieder der Zionistischen Organisation Amerikas zugeführt werden. Vor dem Anritt seiner Amerikareise hat Dr. Weizmann anläßlich dieser Kampagne folgenden Aufruf an die Zionisten in Amerika erlassen: An die an der Stärkung der Zionistischen Organisation von Amerika tätigen Männer und Frauen! Die Zionistische Organisation ist die Verkörperung und die Zusammenfassung zionistischen Geistes. Mit der Zionistischen Organisation hängt nicht bloß das stolze Bild des Chaluz zusammen, sondern das ebenso stolze Zeugnis politischer und wirtschaftlicher Leistung. Die Zionistische Organisation ist es gewesen, die die Bürde von Opposition und zynischer Indifferenz getragen hat, die immer die Begleiterscheinungen der Geburt eines jeden großen Ideals sind. Die Zionistische Organisation ist es gewesen, die, alleinstehend, die unerhörten Palästinaprobleme, die aus dem Weltkriege entstanden waren, zu überwinden suchte, und die Zionistische Organisation ist es auch gewesen, die nacheinander den Triumph der Balfour-Deklaration, den Pakt von San Remo und das Mandat über Palästina davontrug. Und heute ist es wiederum die Zionistische Organisation, die bei unserem Werk in Palästina und an unseren vielfältigen zionistischen Problemen in der Diaspora die Wacht hält. Die Entwicklung der Zionistischen Organisation von Amerika läuft parallel mit der der Zionistischen Weltorganisation. . Sie kann die gleichen unscheinbaren und verlachten Anfänge aufweisen, dasselbe heldenhafte Durchhalten im Mißgeschick, denselben Triumph am Schluß. Die fundamentale Position der Zionistischen Organisation verlangt von uns, daß wir nie ihr Vorwärtskommen vernachlässigen, selbst nicht unter dem Andrängen der laufenden Arbeit. Die Zionistische Organisation stärken, ihre Mitgliederschaft vergrößern, heißt den zentralen Halt des Palästinawerkes und dessen Geist stärken. Ich fordere alle amerikanischen Juden auf, eifrigst zu diesem Werk ihr Teil beizutragen und der Zionistischen Organisation von Amerika Kraft und Ansehen zu sichern, indem sie ihr ihre Erfolge und ihre Ideale erhalten. (Ziko.) Kinder nach Wien. Zahlreiche Wiener Familien und Organisationen haben mit großer Herzlichkeit Kinder aus Deutschland nach Wien bezw. Österreich eingeladen, wie ja auch vor 3 Jahren viele Wiener Kinder in Deutschland zu Gast waren. Unsere Kinder sollen sich dort bei guter Unterkunft und Verpflegung mehrere Wochen oder Monate erholen, nötigenfalls könnte dort auch die Schule besucht werden. Es sind durchaus nicht nur Kinder unbemittelter Eltern, sondern besonders aus dem Mittelstand eingeladen. Ob und wann ein gemeinsamer Transport nach Wien abgeht, kann erst nach den Anmeldungen entschieden werden. Anmeldungen und Auskünfte beim Rabbinat, Richard Wagnerstr. 16/0, zwischen 17. und 25. XII. vormittags 9—10 Uhr. I! ü „ MI! i II! 1 IIIIÜ1! II Feuilleton ||||| HI I 1 llllllllüllll 11 II II I „Der Jude“. Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Martin Bub er im Jüdischen Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35. Das Doppelheft 10/11 ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Nahum Goldmann, Der dreizehnte Zionistenkongreß und die Zukunft des Zionismus / Moses Beilinson, Kongreßnotizen / Oskar Karbach, Die Juden als konservatives Element / Arjeh Tartakow e r, Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus / Hermann Cohen, Das soziale Ideal bei Platon und den Propheten / Eugen Höflich, Die Rechabiter / Chaim Nachman Bialik, Der Morgen meines Lebens / Martin Buber, Eine neue Lehre. Bemerkungen: Ernst Simon, Im Chaos / Leo Strauß, Der Zionismus bei Nordau. Umschau: Josef Meisl, Bücheranzeige / B. Jacob, Kritische Übersicht über die neuere Literatur. — Als Probe aus diesem Heft bringen wir: Chaim Nachman Bialik Der Morgen meines Lebens«) (Erinnerungssplitter) In Radi, einem Dorf in der Nähe von Zytomir, bin ich geboren und habe dort etwa bis zu meinem fünften Jahr gelebt. Schönheit, Natur, Wald hinter dem Hause, Felder. Im Hof und im Stall viele Kühe, Kälber, Füllen usw. An jedem Freitag Nachmittag kam mein Vater von einem der Wälder, die seine Erwerbsquelle bildeten, nach Hause, nahm ein Beil und schlug die Schlangen tot, die zahlreich um unser kleines Haus herum nisteten. Die toten Schlangen blieben offen liegen, und ich war sehr stolz auf sie; ich schreckte mit ihnen meine Gefährtinnen, die kleinen Mädchen. Einmal lief ich zwei kleinen Mädchen querfeldein nach mit einer zappelnden Schlange in der Hand. Die Sonne ging gerade unter und goß Blut über die grüne Wiese mit ihren gelben, blauen, weißen, violetten Blumen. Während ich so lief, bezauberte mich die Erscheinung dieses herrlichen Sonnenuntergangs und zog mich zu sich hin. Ich lief immer weiter, am Laufen selbst schon Lust findend, immer weiter, bis dorthin, wo die große Sonne ihr Gesicht in die Erde drückte. Die Mädchen waren mir schon längst entkommen und nach Hause zurückgekehrt; ich aber lief immer noch weiter, erstaunt und bestürzt und ohne zu wissen, warum. Schließlich brachte mich eine Bäuerin nach Hause zurück, weinend und voller Verwirrung. — In jenem Walde gab es Wölfe und andere gefährliche Tiere. Einmal, am Sabbath, an einem Sommermorgen, als das dörfliche Minjan zum Gebet versammelt war, gab es großen Lärm: Wölfe, Wölfe! Sogleich liefen alle Juden, noch in den Tallith gehüllt, heraus, stiegen aufs Dach oder auf die Zäune und schrien: „Hu, Hu“, bis sie sie ver- *) Das hebräische Original dieser unvollendet gebliebenen Skizzen, die Bialik vor Jahren geschrieben hat, wurde zuerst in „Haolam“ veröffentlicht. Bialiks Dichtung und Wesen ist aufs stärkste von seiner Jugend, ja seiner Kindheit bestimmt. So vermögen diese Skizzen ebensowohl eine erste Einführung, als einen tiefen Einblick in des Dichters Welt zu geben. F. G.

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