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Das jüdische Echo · 1923-12-14 · 49 (14.12.1923) · p. Seite 507

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
49 (14.12.1923)
Date
1923-12-14
Page
Seite 507 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 507 scher Geistesrichtung feind waren, so ist doch fast alles, was heute gegen den Materialismus ins Feld geführt wird, der Bibel, den Propheten und nicht zuletzt der Heldenkraft der Makkabäer zu danken, deren Kampf allein dieses geistige Gut hinüberrettete in spätere Zeit, ihm die Möglichkeit gab, in neuer Gestalt sich über die Welt zu verbreiten, als des Antiochus Beginnen es zum Tode hatte verurteilen wollen. Als der Syrer-König zum Krieg gegen die Juden und ihre Religion — die Juden und ihre Religion sind nun einmal eins — sich erhob, da wollte wohl auch er die Segnungen der Kultur, der neuen Welt verbreiten, da tat er es im Namen des Fortschritts und der Freiheit. Uber den Tyrannen hat die Geschichte geurteilt, wie sie über jeden Tyrannen urteilt. Waffengewalt und die Anwendung brutaler Machtmittel wenden sich letzten Endes immer gegen die, welche sie gebrauchen. Wer nicht in sich das Gefühl dafür hat, müßte es den Lehren der Geschichte entnehmen können. Aber es ist die Art der geistig Ungläubigen, daß sie dafür kein Organ haben, daß sie die Fehler und Verirrungen der menschlichen Geistesgeschichte immer wiederholen, daß sie, ohne Ahnung von der Fruchtlosigkeit ihres Beginnens, dem anderen, der still für sich und seine Ideale leben will, ihren Willen, ihre Denkart aufzwingen wollen, und daß sie sich dabei noch des geistigen Rüstzeuges derer bedienen, gegen die ihr frevler Kampf gerichtet ist. Als Ant. Epiphanes die jüdische Religion vom Erdboden zu vertilgen sich vermaß, tat er es-* im Namen der Religion, einer neuen, höheren Weltanschauung. Wie viele sind nach ihm gekommen, mit demselben Ziel, denselben Mitteln, wie viele haben gleich ihm ihrer selbst gespottet und wußten nicht wie, wenn sie, selbst in blinder Verehrung von Kraft und Stoff befangen, das Recht zu haben glaubten, gegen „jüdischen Materialismus“ zu Felde zu ziehen. — Im Gegenteil: Wer heute wider den Materialismus streitet, gebraucht, auch ohne daß er es weiß, es will, Waffen, die durch den Geist unserer Religion geweiht sind; wer gar im Judentum den Materialismus zu bekämpfen vorgibt, begeht geistigen Vatermord. Wie lebhaft werden wir hier durch Antiochus und seine geistigen Nachfahren an die Geschichte erinnert, die wir an einem der letzten Sabbathe in der heiligen Schrift lasen. Isak hatte mit seinen Knechten einen Brunnen wieder aufgegraben, den einst sein Vater Abraham erschlossen. Die Philister aber, die ihn ob seines Besitzes beneideten, hatten diesen Brunnen verstopft und mit Erde gefüllt. Als Isak nun den segenspendenden Quell von neuem erschlossen und neue Brunnen gegraben hatte, kamen die Philister mit dem hämischen Ruf: „Lanu hammajim“ — „Uns gehört das Wasser“. (I Mos. 26, 20.) Da sich diese Tat des Neides und Unverstandes — man bedenke, welche Kostbarkeit in wasserarmem Lande ein Brunnen ist — wiederholte, ging Isak weiter und jetzt erst gelang es ihm, einen Brunnen zu behalten. Die beiden ersten Brunnen aber nannte er „Essek“ und „Ssitnah“, das heißt „Unrecht“ und „Zank“, den dritten Brunnen aber „Rechowoth“: „Freiheit“. — Wer fern von den Philistern mit ihrem Neid und Haß einen Brunnen echten, lebendigen, segenspendenden Wassers erschließt, der schreibt darauf: „Freiheit“. — Der knebelt nicht die Meinung, der überfällt nicht mit Wortschwall und Phrasengeklirr die urteilslose Menge, der schreckt nicht mit Gewalt, herrscht nicht mit brutaler Machtentfaltung, der kennt nur eine Macht, die stärker ist als alle irdische: den Geist. Das Chanukahfest ist auch ein Fest des Mutes. Wir haben in den Jahren des Krieges Proben höchsten Heldenmutes in großer Zahl gesehen; kein Wort des Preises ist würdig genug, die Vaterlandsliebe, die im Mut ihren sprechendsten Beweis liefert, zu feiern. Aber Mut sollte doch für jeden Menschen, zumal für jeden Juden etwas Selbstverständliches sein. „Das Leben ist der Güter höchstes nicht“, darum muß es, wenn es nottut, für die höheren Güter hingegeben werden. Einst ging der greise Eleasar gefaßt dem Tode entgegen, nahm die Märtyrermutter mit ihren sieben Söhnen das Furchtbare auf sich, bestiegen Tausende von Glaubenszeugen des Mittelalters mit dem „Sch’ma“ auf den Lippen die Scheiterhaufen, weil sie ein würdiges Sterben für den Glauben einem unwürdigen Leben in geistiger Knechtschaft vorzogen. — Sollte ein Augenblick der Gefahr uns kleiner finden, als unsere Ahnen? Sollten uns die Wechselfälle der Zeit verzagt machen? Wenn irregeleitete Menschen, deren geistige Armut uns mehr Bedauern als irgend ein anderes Gefühl abnötigt, Taten der Gewalt und des Schreckens an einer wehrlosen Minderheit zu begehen sich anschicken, kein echter Sohn Israels wird sich da kleinmütig zeigen. Verrohte Horden können uns wohl Gut und Blut versehren, aber nicht unser Höchstes antasten: unsere Ehre und unsere Würde. T?auThaIlmcrier München %eatmerür.l8. 6ome. *9<laser

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