Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 49 (14.12.1923)
- Date
- 1923-12-14
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Das Jüdische Echo Nr. 49 Gruppe von Juden vertreibt. Es ist außerordentlich zu bedauern, daß die Ostjudenausweisung, die eine Verbeugung vor den extremsten Judenhetzern darstellt, im gesamten Ausland die Stimmung zu Ungunsten Deutschlands beeinflußte und beeinflussen mußte, in einer Zeit, in der die Sympathien der Welt für Deutschland erstarkten und die Stimmung sich gegen die Übergriffe Frankreichs wandte. Es ist in gleicher Weise im Interesse der Unglücklichen, von dem Ausweisungsbefehl Betroffenen, wie im Interesse Deutschlands zu wünschen, daß die ganze unglückselige Aktion baldigst durch Rücknahme der Ausweisungen in den Fällen, in denen nicht kriminelle Vergehen der Ausgewiesenen vorliegen, ein Ende findet (uns sind bei einem umfangreichen Material keine solchen Fälle bekannt), damit die Konfliktsstoffe, die in dieser Angelegenheit entstehen, beseitigt werden und damit diese Sache aufhört, eine Quelle der Mißstimmung gegen Deutschland und Bayern zu sein. Der amerikanisch-jüdische Kongreß und die Lage in Deutschland New York. (JTA.) Die unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Stephen S. Wise stattgefundene Versammlung des Exekutiv-Komitees des amerikanisch-jüdischen Kongresses beschäftigte sich mit der Lage der unter der antijüdischen Hetze leidenden Juden in Deutschland. Es wurde ein Bericht über die in dieser Hinsicht unternommenen Schritte verlesen. Rabbiner Wise berichtete, daß man sich mit dem deutschen Gesandten in Washington in Verbindung gesetzt habe, und daß auch mit dem Staatsdepartement in Washington in dieser Angelegenheit verhandelt wird. Von beiden Seiten wurden günstige Mitteilungen gegeben. Ferner wurde mitgeteilt, daß ein Beamter des amerikanisch-jüdischen Kongresses jetzt auf dem Wege nach Europa ist, um dort mit den in Betracht kommenden jüdischen Komitees über die Lage, besonders in Berlin und Bayern, Besprechungen abzuhalten. Polen und die Judenausweisungen aus Bayern Warschau. (JTA.) Der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs, Dr Leon Reich, konferierte mit dem Vizeminister des Äußern, Sayda, über die Judenausweisungen aus Bayern. Dr. Reich legte Sayda Telegramme und Briefe aus Bayern vor. Vizeminister Sayda erklärte, laut privaten und offiziellen Informationen, sowie auch laut den Nachrichten des polnischen Vertreters in Deutschland und des deutschen Vertreters in Warschau wurden die Ausweisungen eingestellt. (Die Einstellung ist uns nicht bekannt. Im Gegenteil wird neuerdings scharfe Ausführung angedroht. D. Red.) Die polnische Regierung hat die Forderung erhoben, daß die bayerischen Behörden die betroffenen Personen von der Änderung direkt benachrichtigen mögen, damit sie nicht durch vorzeitige Maßnahmen zu Schaden kommen. Auf diese Forderung hat die deutsche Regierung noch nicht geantwortet. Der Vizeminister versprach, die Briefe und Telegramme der betroffenen polnischen Bürger genau zu studieren. Aufschub der amerikanischen Hilfe für Deutschland wegen der antisemitischen Exzesse Aus New York meldet am 4. Dez. das Wolffsche Telegraphenbüro durch Funkspruch: Das Mitglied des Kongresses Celler hat erklärt, daß er mit Rücksicht auf Berichte, wonach einige Leute in Deutschland sich empörende Verbrechen gegen unschuldige Juden hatten zuschulden kommen lassen, die Einbringung der gemeinsamen Resolution aufschieben würde, durch die 25 Millionen Dollar zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung Deutschlands bewilligt werden sollen. Diese Nachricht zeigt, von welch weittragender Wirkung die antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland auf das Ausland waren. England und die Ausweisungen aus Bayern München. (JTA.) Wie der Sonderberichterstatter der JTA. aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat nunmehr auch die englische Regierung Vorstellungen wegen der Judenausweisungen erhoben. Sie hat auf Grund der ihr zugegangenen Beschwerden in München Erkundigungen eingezogen und der bayerischen Regierung mitteilen lassen, sie wolle mit Rücksicht darauf, daß kein englischer Untertan ausgewiesen ist, keinen formellen Protest erheben, halte es aber für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der bayerischen Regierung auf den außerordentlich schlechten Eindruck, den die Vorgänge machen, zu lenken. Die bayerischen Vorgänge und die Deutsch- Amerikaner Eine der letzt hier eingetroffenen Nummern des New Yorker „Herold“, des verbreitetsten Organs der Deutsch-Ämerikaner, bringt einen Aufruf an die Deutsch-Amerikaner zur Hilfe für das deutsche Volk. Im Anschluß an diesen Aufruf schreibt die Redaktion des „Herold“: „Die von der bayerischen Regierung verfügten Ausweisungen jüdischer Bewohner sind geeignet, hier in Amerika und in der ganzen Welt großen Anstoß zu erregen und einen starken Protest auszulösen, und die bayerische Regierung wäre gut beraten, wenn sie sich ent- POBZELLM-NIEDEBLAOl münchbn THEATINERSTRASSB $i (tgeniibtr (kr FtidfurmMU •■ASSTI AUSWAHL IN «KBBAUCHSPHHUBLLAH TifiLICIE LAttEKEBCtÄNZUN«