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Das jüdische Echo · 1923-11-30 · 48 (30.11.1923) · p. Seite 498

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
48 (30.11.1923)
Date
1923-11-30
Page
Seite 498 (sequence 11)
Language
German
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498 Das Jüdische Echo Nr. 48 erworben hat. Insbesondere die zionistische Bewegung sieht in Dr. Weizmann, der unter Aufopferung seiner besten Kräfte unermüdlich für die Idee der Wiedergeburt des jüdischen Volkes tätig war und ist, nicht nur ihren Führer, sondern eine Verkörperung zionistischer Pflichterfüllung. Dr.. Weizmann ist am 27. November 1873 in einem kleinen Ort in der Nähe von Pinsk geboren, aber in Pinsk aufgewachsen und erzogen worden. Er hat später in Deutschland Chemie studiert, wo er auch in Berlin ein Mitglied des ersten russisch-zionistischen Studentenvereins war, dem u .a. auch Notzkin, Dr. Jacobson und andere spätere Führer des Zionismus angehörten. Nach Beendigung seiner Studien wurde er Privatdozent in Genf und von hier später an die Universität Manchester berufen, wo er sein Lehramt ausübte, bis ihn seine politische Aufgabe zur Übersiedlung nach London zwang. Dr. Weizmann hat in der zionistischen Bewegung frühzeitig eine hervorragende Rolle gespielt. Er war ein führendes Mitglied der demokratischen Fraktion, die auf dem V. Kongreß gebildet wurde und gegenüber der rein diplomatischen und formal organisatorischen Tätigkeit der Herzischen Leitung eine stärkere Betonung des volktümliehen Elementes, eine Beschäftigung mit der jüdischen Gegenwart und den jüdischen Realitäten und vor allem eine Weckung und Pflege der produktiven Kräfte des Volkes forderte. Weizmann hat nach Herzls Tod eine immer bedeutendere Rolle in der Bewegung gespielt. Nach der Lösung des Uganda-Konfliktes wurde er der Vorkämpfer jener Richtung, die, ohne die Bedeutung der politischen Aufgabe zu unterschätzen, eine stärkere Betonung der praktischen Arbeit in Palästina forderte. Auf dem VIII. Kongreß im Haag führte er mit seiner berühmt gewordenen Rede diese Richtung zum Siege. Er war es, der gegenüber der damaligen Begriffsseheidung zwischen politischem und praktischem Zionismus die Parole der Synthese ausgab, die dann zur Bezeichnung seines Programms als „synthetischen Zionismus“ führte. Die allseitig anerkannte Fühirerrolle Dr. Weidmanns kam rein äußerlich darin zum Ausdruck, daß er auf dem letzten Kongreß stets zum Präsidenten des Permanentausschusses gewählt wurde, der das wichtigste parlamentarische Organ der Kongresse ist. Auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1913 hat Dr. Weizmann das bekannte Referat über die Hebräische Universität gehalten, die überhaupt zu seinen Lieblingsideen gehört. Doch es war Dr. Weizmann bestimmt, eine noch weit bedeutendere Rolle in der Geschichte des Zionismus zu spielen, als man damals ahnen konnte. Als während des Weltkrieges der Zusammenhang der Zionistischen Organisation notwendigerweise gelockert war, und die Arbeit, die nicht nur der Sorge um die Erhaltung des Bestehenden, sondern auch den Möglichkeiten der Zukunft igelten mußte, in mehreren politischen Zentren gleichzeitig zu leisten war, ist es Dr. Weizmann gelungen, die öffentliche Meinung in England und vor allem eine Reihe von maßgebenden englischen Politikern für die Idee der Lösung der Judenfrage durch den Zionismus zu gewinnen. Die politischen Bemühungen, die Weizmann damals mit Hilfe einer Reihe von Freunden einleitete, führten dazu, daß die englische Regierung, in deren Kriegsprogramm Palästina eine wichtige Rolle spielte, schließlich das zionistische Programm der Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina sich offiziell zu eigen machte. Diese Tatsache hat dann ihren Ausdruck gefunden in dem historischen Dokument vom 2. November 1917, das unter dem Namen „Balfour- Deklaration“ bekannt ist. Diese Errungenschaft ist vor allem der Tätigkeit Dr. Weizmanns zu danken. Bald nach der Bälfour-Deklaration begab sich Dr. Weizmann als Haupt der ersten von der englischen Regierung offiziell anerkannten Zionist Commissoin nach Palästina, wo er mit Begeisterung und großen Ehren empfangen wurde. Es kann nicht Aufgabe dieser kurzen Würdigung sein, die Verdienste Dr. Weizmanns um die zionistische Bewegung und das jüdische Volk in Einzelheiten zu verfolgen, aber einiges muß doch erwähnt werden. Als nach dem Kriege im, Jahre 1920 zum erstenmal wieder eine allweltliche zionistische Versammlung stattfand (Londoner Jahreskonferenz), war es eine Selbstverständlichkeit, daß Dr. Weizmann, der bis dahin schon tatsächlich die Geschäfte des Zionismus geführt hatte, auch formal zum Präsidenten der Organisation gewählt wurde. Diese Wahl wurde auch auf dem XII. und XIII. Kongreß erneuert. Inzwischen ist die Politik in ein weiteres Stadium getreten. Das Palästina-Amt wurde bestätigt, und üie* Hauptaufgabe der Zionistischen Organisation hat sich dem praktischen Aufbau Palästninas zugewandt. Dr. Weizmann steht auch in der Erfüllung dieser Aufgabe in der vordersten Linie. Er hat in den letzten Jahren seine besten Kräfte der Aufbringung der Gelder für den Keren Hajessod gewidmet. Im vorigen Jahre hat er durch seine Tätigkeit in Amerika das jüdische Palästina aus einer schweren Krise gerettet. Das jüdische Volk weiß es besonders zu würdigen, daß der Führer der Bewegung es für selbstverständlich hält, auch diese scheinbar geringer zu bewertende Arbeit auf seine eigenen Schultern zu nehmen. Allerdings sind gerade die persönlichen Qualitäten Dr. Weizmanns, seine Fähigkeit, Menschen zu überzeugen und hinzureißen, das stärkste Aktivum dieser Tätigkeit. Auch am Tage seines 50. Geburtstages weilt Dr. Weizmann nicht im Kreise seiner Familie, sondern er befindet sich eben an Bord des Schiffes, das ihn zu neuer anstrengender Arbeit nach Amerika bringen soll. Die Wünsche, die an seinem Jubeltag dem Menschen Weizmann gelten, sind Wünsche zugleich für das jüdische Volk. Möge die Person Dr. Weizmanns uns noch lange in ungebrochener Kraft erhalten bleiben! (Ziko) Wien als Relaisstation Äußerungen des Polizeipräsidenten Schober. Ein Sonderbericht des „Pester Lloyd“ hia't den Wiener Polizeipräsidenten Dr. Schober über die Verbindungen zwischen den Buidapester Rassenschützlern und den Münchener Mord Organisationen befragt. Präsident Schober nahm Anlaß, sich in ausführlicher Weise über den Gegenstand zu äußern. Er führte aus: „Als die ersten Nachrichten über die Putschpläne in Ungarn und die Verhaftung des Abgeordneten Ulain in den hiesigen Zeitungen erschienen und Andeutungen über Verbindungen ENGELSMANN & Co., Bankgeschäft, München TheatincrstraQe 46 (Franxiskaner-Haua) ✓ Farnruf 22366—67, 22372—73, 28321—22 / Telegramm-Adresse: Engelsbank Ausführung aller Bank-Geschäfte

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