Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 48 (30.11.1923)
- Date
- 1923-11-30
- Page
- Seite 497 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9072829-9103029-9148101--05910-9078601- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 48 Das jüdische Echo 497 Kardinal Faulhaber gegen die Judenhetze Kardinal Erzbischof Faulhaber nahm in einem durch die Presse bekannt gewordenen Antwortbrief an dien Reichskanzler auch gegen die Judenhetze Stellung. Er schrieb: Wie wollen wir über die ins riesenhafte gewachsene wirtschaftliche Not über das mit der Arbeitslosigkeit kommende Elend dieses Winters Herr werden, wenn nicht alle sittlichen Mächte ohne Unterschied der Konfession und Partei zusammenhelfen? Wie wollen wir sonst den Haß abbauen, der blindwütig über unsere israelitischen Mitbürger oder über andere Volksgruppen in Bausch und Bogen ohne Schuldnachweis von Kopf zu Kopf dem Stab bricht oder den Bürgerkrieg anrät, der unabsehbare neue Verwüstungen anstiften und die Verelendung unseres armen Volkes durch Selbstzerfleischung besiegeln würde. In der Allerseelenpredigt geißelte der Kardinal gleichfalls die Judenhetze: „Nicht der Haß kann die Not lindern, auch nicht der Haß gegen die Juden.“ Und wiederum: „Kein Mensch soll verhungern oder erfrieren in diesem Winter, kein Leben soll zerstört werden, auch nicht das Leben eines Juden, denn es ist etwas wertvolles, wie jedes menschliche Leben.“ Es erscheint uns so selbstverständlich, daß die Spitze der katholischen Kirche in Bayern geken die alle Menschlichkeit vergessende Hetze Stellung nimmt, daß wir diesen der Tradition der katholischen Kirche in Bayern entsprechenden Vorgang lediglich zu registrieren brauchen. Ebenso selbstverständlich erscheint uns, daß die Hetzpresse sich nun auch gegen den Kardinal wendet und die Ablehnung seines Eingreifens verschieden formuliert, aber sehr bestimmt ausspricht. Üb auch Staatsregierung und Generalstaatskommissar diese warnende Stimme überhören werden? Budapester und Münchner Pogromgemeinschaft Budapest. 22. November. In der Sitzung des Immunitätsausschusses, der sich mit der Affäre Ulain beschäftigte, wurden zunächst die Berichte über die von der Polizei einige! eiteten Untersuchungen und die Zeugenaussagen eines gewissen Emaunel Garay verlesen, wonach eine groß angelegte Bewegung, hinter der 30 000 bis 40 000 Mann stehen, geplant gewesen sei'. Mit Hilfe bayerischer Hakenkreuzler habe man als Reichsverweser Hejjas und als Ministerpräsildenten Gömbös einsetzen wollen. Als Stichtag sei der 27. Oktober angegeben worden, au dem ein großes Gemetzel stattfinden und auch alle Vertreter des jüdischen Großkapitals hätten hiingeriehtet wtardem sollen. Andere Zeugenaussagen widersprechen den Angaben Garays. Minister des Innern Rakovsky erklärte vor dem Ausschuß, er habe von der Angelegenheit durch den Abgeordneten Bazsonyi Kenntnis erhalten, da er aber die Sache für einen Klatsch gehalten habe, habe er Beweise verlangt. Der Ministerpräsident sei damals im Ausland gewesen, und so habe er mit dem Minister des Äußern vereinbart, den bayerischen Untertan Döhmel nach Bayern zu schicken, um dort mit der Umgebung Hitlers in Verbindung zu treten und in Erfahrung zu bringen, was man in Bayern gegen Ungarn vorhabe. Gleichzeitig habe er jedoch Döhmel durch die Polizei beobachten lassen. Anh fangs November sei dem Minister ein Bericht zugegangen, daß Ulain einen Staatsvertrag nach München bringen wolle. Nun habe er veranlaßt, daß die Polizei die nötigen Verfügungen treffe. Der Minister machte sodann Mitteilng von einem Schreiben, das Ulain aus der Haft an den Reichs Verweser richtete und das der Reichs Verweser der Regierung zur Verfügung gestellt habe. Ulain prophezeit darin den Putsch in München und erklärt, Hitler, Ludendorff und Kahr stünden im besten Ein vernehmen. In nächster Zukunft würden die Völkischen Berlin einnehmen. Schließlich beruft sich Ulain darauf, daß er bereits im Februar dem Reichsverweser über die ungarisch-bayerischen Beziehungen Bericht erstattet habe. Abgeordneter Eckhardt: War damals Ulain nicht in offiziellem Auftrag in München? Minister des Innern Rakovsky: Nein! Es war privates Diplomatenspiel Ulaiüs. Der hierauf eiuvernommene Abgeordnete Dr. Bazsonyi gibt zu Protokoll, daß Döhmel bei ihm erschienen sei1 und ihm mitgeteilt habe, daß er in Ungarn die Bildung einer revolutionären Regierung und einen Pogrom mit Hilfe bayerischer Terroristen vorbereitet habe. Bazsonyi habe darüber die Minister Daranyi und Rakovsky informiert. Dr. Weizmanns 50. Geburtstag Am 27. November feierte der Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Dr. Chaim Weizmann, seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wenden sich Dr. Weizmann nicht nur die Gefühle persönlicher Sympathie zu, die er sich bei allen Menschen, die mit ihm zu tun hatten, erworben hat, sondern auch die Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung seitens des jüdischen Volkes, um das er sich unvergängliche historische Verdienste POBZELLAN-IVIEDESUfiB MÜNCHEN THEATINERSTRASSE t) gegenüber dtr FtldfurmhmU* ••A99T1 AH SWAMI, IX «KIBAOeiBFIlZBliUI liSLICIB 1.AMBKEB6ÄXXVX«