Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 42 (19.10.1923)
- Date
- 1923-10-19
- Page
- Seite 488 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 88 Das Jüdische Echo Nr. 42 Bericht der Jerusalemer Handelskammer Im unlängst erschienenen Bericht der Jerusalemer Handelskammer für die zweite Hälfte des vergangenen Jahres wird u. a. auf die Besserung der Lage der Eisenbahnen und die Erhöhung der Zolleinnahmen für Importwaren hingewiesen. Das Verbot der Steigerung der Mieten für Wohnungen und Läden wird begrüßt. Des weiteren wird u. a. auf die Preisbewegung in Jaffa und Haifa hingewiesen und von der Regierung Verminderung der Lasten verlangt. Bezüglich der geplanten Errichtung einer Börse in Jerusalem wird erklärt, daß die Zeit hierfür noch nicht gekommen sei. Die Einrichtung einer Börse würde gerade jetzt niemandem zum Segen gereichen und außerdem die Vermutung aufkommen lassen, daß man die Spekulationslust erwecken wolle, wo noch nicht einmal eine gesunde Basis für Kapitalinvestierungen geschaffen ist. (Ziko.) Neue Siedlungen in Palästina Der vom Nationalfonds seinerzeit gekaufte Boden wird in kurzer Zeit, jedenfalls noch in diesem Jahre, voll besiedelt sein. Die neuen Siedlungen, welche in diesem Jahre angelegt werden sollen, werden entweder noch jetzt im Herbst oder — falls der Keren Hajessod nicht zur richtigen Zeit die Mittel bereitstellen kann — erst zu Pessach in Angriff genommen werden. Das letztere bedeutet natürlich den Verlust eines vollen Wirtschaftsjahres. In Aussicht genommen sind in diesem Jahre drei neue Familiensiedlungen (Moschawe Owdim), wovon eine für gesetzestreue Juden bestimmt ist und vermutlich in der Nähe von Tiberias angelegt werden dürfte. Ein weiterer Moschaw soll in der Nähe von Balfouria und ein dritter in Unter-Galiläa geschaffen werden. Hand in Hand damit soll auch die kooperative Ansiedlung in Form der Kwuzoth fortgeführt werden. Die neuen Moschaws Owdim sollen heuer gegen 80 Familien aufnehmen, die Kwuzoth an 100 neue Siedler. (Ziko.) Vortrag von Prof. Patrick Geddes über die Jerusalemer Universität Prof. Patrick Geddes hielt am 1. Oktober im Büro der Zionistischen Organisation in London einen Vortrag über „Weitere Universitätspläne In Jerusalem seit dem Jahre 1919“. Er führte unter anderem aus, daß man an die Regierung herantreten solle wegen Erbauung eines Museums, aus dem dann die Universität hervorgehen würde. Es stehen jetzt für die Errichtung des Universitätsgebäudes 25 000 Acres zur Verfügung, seines Erachtens seien jedoch noch weitere 25 000 Acres nötig, da man ja auch an Wohngelegenheiten für die Professoren und Studenten denken müsse, ebenso an die Errichtung eines „Teleskop-Hauses“. Prof. Geddes sprach sodann über die Möglichkeit der Kombinierung der Universität mit beruflichen Tätigkeiten und erwähnte in diesem Zusammenhang die „Clarandon-Press“ in Oxford, wo nicht nur sehr wertvolle Bücher hergestellt werden, sondern die auch großen Reinertrag abwerfe. Ferner könnte man auch die Fabrikation von optischen Instrumenten, ebenso eine Apotheke mit der Universität in Jerusalem sehr gut verbinden. In Amerika verdienten sich sehr oft die Studenten ihren Unterhalt durch Ausübung einer Berufstätigkeit, die mit ihren Studien in Zusammenhang steht. Prof. Geddes forderte des weiteren, daß die Universität mit der Landwirtschaft in enge Verbindung gebracht werde. Dr. Eder, der den Vorsitz führte, erklärte, daß er mit Dr. Weizmann bereits über die eventuelle Errichtung einer Fabrik für optische Instrumente gesprochen habe. Man dürfe hoffen, zum nächsten Pessach die Chemische und Biologische Fakultät, sowie die Fakultät für Jüdische Wissenschaften eröffnen zu können. (Ziko.) Jüdischer Sport in Palästina Am 27. September veranstaltete der Makkabbi auf seinem Sportplatz in Nablus ein Sportfest, dem auch Sir Herbert Samuel, der Ehrenpräsident des Makkabbi ist, beiwohnte. Überaus zahlreiches Publikum, darunter auch viele Engländer und Araber, wohnten dem Sportfest bei. Die Preisverteilung — die meisten Preise und einen Silberpokal gewann der Hakkabbi (Tel Awiw) — nahm Sir Herbert Samuel persönlich vor. (Ziko.) Aus der Jüdischen Welt Deutschland Aus der jüdischen Turnbewegung Der Jüdische Turnverein Bar Kochba in Berlin begeht am 27. und 28. Oktober als erster Verein in Deutschland das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens. Der Verein sieht auf eine intensive mit großen Erfolgen gekrönte Arbeit für die jüdische Regenerationsbewegung zurück. Aus kleinen Anfängen mit einer kleinen Schar aufrechter Juden hat sich die Bar Kochba im Laufe der Zeit zu dem größten Verein in unserer jüdischen Turnbewegung entwickelt. Viele seiner früheren Mitglieder, die durch die Schule der turnerischen Vereinsdisziplin gegangen sind, stehen heute führend im Dienste des jüdischen Volkes oder sind als Pioniere des Aufbaus von Palästina ins Land der Väter gegangen. Das Jubiläumsfest dürfte den großen Kreis der alten Bar Kochbaner mit den jetzt aktiven Mitgliedern neu zusammenführen. (Da das Interesse für die Entwicklung des Sportes unter den Juden in stetem Zunehmen begriffen ist, werden wir von nun ab häufiger Nachrichten aus dem jüdischen Sportsleben bringen, und zwar hauptsächlich auf Grund der uns vom Präsidium des Makkabbi-Weltverbandes übermittelten und zur Weiterverbreitung in den einzelnen jüdischen Zeitungen bestimmten Berichte. (Ziko.) Litauen Faszistisch-antisemitisches Treiben Kowno. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) In den letzten Tagen fand in einigen kleinen Städtchen eine Reihe von Überfällen auf Juden statt. Die litauischen Faszisten verbreiteten in Kowno und Umgebung Aufrufe, in denen sie die Bevölkerung zur Veranstaltung von Pogromen auffordern. Unter dem Eindrücke dieser Aufrufe wurden von Mitgliedern der Faszistenorganisation jüdische Passanten am hellichten Tage überfallen und geschlagen. Es ist festgestellt, daß diese Bewegung von einer Zentrale aus geleitet wird. Der Jüdische Nationalrat hat in dieser Angelegenheit bei der Regierung interveniert. Die Regierung erklärt, daß kein Grund vorhanden sei, Exzesse zu befürchten, da die Behörden alle Maßnahmen getroffen haben, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Jeder neuerliche Versuch einer Veranstaltung von Judenexzessen wird aufs schärfste unterdrückt werden. Im Zusammenhang mit diesen Überfällen wurden in letzter Zeit die jüdischen Firmenschilder mit Farben beschmiert. Das jüdische Ministerium hat von der Regierung wirksame Gegenmaß-