Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 42 (19.10.1923)
- Date
- 1923-10-19
- Page
- Seite 489 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Das jüdische Echo 489 nahmen verlangt. Der Innenminister hat infolge dieser Intervention an sämtliche Behörden eine Verordnung erlassen, in der erklärt wird, daß solche Vorfälle geeignet sind, das junge litauische Staatswesen im Auslande zu diskreditieren. Die Behörden werden verpflichtet, gegen solche Vorfälle in schärfster Weise aufzutreten und sollen für weitere derartige Geschehnisse die Verantwortung tragen. Gegen die Behörden, in deren Amtsbereich sich solche Vorfälle ereignet haben, werden strenge Untersuchungen geführt. In Schaulen wurde ein höherer Beamter des dortigen Milizkommandos wegen Unterstützung dieser Vorfälle verhaftet. Die Jüdische Nationalversammlung K o w n o. Die Wahlbewegung zur Jüdischen Nationalversammlung ist bereits in vollem Gange. In den meisten jüdischen Gemeinden haben bereits die Wahlen stattgefunden. Aus den hier eingelangten Mitteilungen ist zu ersehen, daß bisher die zionistische Liste überall gesiegt hat. Der von der orthodoxen Partei Achduth proklamierte Boykott hat Schiffbruch erlitten. Sämtliche orthodoxen Kreise haben ein besonderes Interesse für die Wahlen zur Nationalversammlung bekundet und in allen Gemeinden bestanden die Wählermassen aus 70—80 Prozent orthodoxer Kreise. Die Wahlbeteiligung war ungemein stark. Eine sehr rege Agitation hat auch die „nationale Demokratie“ entfaltet, die nicht unbedeutende Erfolge erzielen wird. Die Agitation der Kommunistischen Partei hat gänzlich fehlgeschossen und die jüdischen arbeitenden Massen haben sich ungemein aktiv am Wahlgange beteiligt. Die genauen Mandatszahlen sind noch unbekannt. Polen Abg. Grünbaum und Podlischewski gegen nach Palästina Wie uns aus Warschau berichtet wird, wollte Abg. Grünbaum, der bekannte polnische Zionistenführer und Leader der Oppositionsgruppe, am letzten Kongreß, zwecks Studiums am 16. d. Mts. seine Reise nach Palästina antreten. Auf der Durchreise wollte Grünbaum noch in einer Reihe ostgalizischer Orte Vorträge über den 13. Zionistenkongreß halten. Auch Abraham Podlischewski, der bisherige Präsident der polnischen Keren Hajessod-Zentrale, reist dieser Tage nach Palästina, um dort ständigen Aufenthalt zu nehmen. (Ziko.) Ein jüdischer Dringlichkeitsantrag gegen den Numerus clausus Warschau. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) In der letzten Sejmsitzung brachten die jüdischen Abgeordneten Dr. Reich, Hartglas, Dr. Thon und Genossen einen Dringlichkeitsantrag in Angelegenheit der Verordnung des Unterrichtsministers Glombinski auf Einführung des Numerus clausus an den Hochschulen ein. In dem Antrag wird erklärt, daß Unterrichtsminister Glombinski sich eine Pflichtverletzung zuschulden kommen ließ; ferner wird eine Ergänzung der Verfassung beantragt, wonach Beschränkungen nicht nach nationalen oder konfessionellen Gesichtspunkten eingeführt werden dürfen. General Haller ln New York New York. (JCB.) Der polnische Generalstabschef General Haller ist in New York eingetroffen, um für polnische nationale Zwecke zu sammeln. In einem Gespräch mit dem JCB.- Vertreter erklärte General Haller, er hätte nie an der Organisierung der Pogrome auf Juden teil- -genommen. Überhaupt hätten die polnischen Soldaten keine Pogrome begangen, es sei denn, daß sie betrunken gewesen wären. Dann freilich seien sie für ihre Taten nicht verantwortlich zu machen. (!!) Rumänien Die jüdische Schulfrage Wie aus Kischinew gemeldet wird, gelang es den Deutschen Beßarabiens, die Beibehaltung ihrer Minderheitsschulen zu sichern, dagegen sind die jüdischen Minoritätsschulen, insbesondere die hebräischen Tarbuthschulen in Beßarabien, in einer schlimmen Lage. Die Schulen sind noch immer geschlossen und man sieht keine Hoffnung, daß die Regierung ihre Verordnung gegen die jüdischen Schulen zurückzieht. In einer vom Czernowitzer Verein Jüdische Schule einberufenen Massenversammlung Bukowinaer Juden wurde eine scharfe Protestresolution gegen die Romanisierung der jüdischen Schulen angenommen. Es wird erklärt, daß das Vorgegen der Regierung nicht allein gegen die nationalen Rechte, sondern auch gegen die primitivsten pädagogischen Gesetze verstößt. Ukraine Die jüdische Not in der Ukraine 30 000 Kinder in Hungersnot Aus New York meldet JCB.: Einige in Rußland weilende amerikanische Senatoren und Deputierte haben an den Vorsitzenden des amerikanischen Joint Distribution Committees ein aus Moskau datiertes Telegramm gerichtet, in dem es heißt, daß die Einstellung der amerikanischen Hilfsarbeit gegenwärtig so viel bedeuten würde, daß 30 000 Kinder dem Hunger ausgesetzt würden. Nachdem die amerikanische Hilfsorganisation „Ara“ ihre Arbeit in Rußland eingestellt hat, sei man dort um so mehr auf die Hilfe des Joint angewiesen. Die Kinderhilfe sei auch in Zukunft eine dringende Notwendigkeit. Gemeind en-u.Vereins-Echo Verband jüd. Jugendorganisationen Münchens. Samstag, den 27. ds., 7.30 Uhr im Bibliotheksaal der Gemeinde: Deutsche und Jüdische Jugendbewegung. Freie Aussprache. Die Jugend aller jüdischen Richtungen ist eingeladen. Bar Kochba und Blau-Weiß. Das Turnen der Knaben und Jugendlichen beginnt wieder Dienstag, den 23. Oktober. Turnzeit für Knaben unter 12 Jahren von 6—7 Uhr, über 12 Jahre von 7 bis 8.30 Uhr. Turnlokal: Schwindschule. Fußballabteilung des Bar Kochba. Das Sukkoth- und Stiftungsfest verlief vergangenen Sonntag, den 13. Okt., in harmonischer Weise. Die Festleitung ruhte in den Händen des Herrn Koronczyk, der sich seiner Aufgabe in gewohnt guter Weise entledigte. Außer dem Tanz trug zur Unterhaltung Bree Andrussen mit seinen Ausführungen viel bei. Von dem Reinertrag wurden für wohltätige Zwecke 20 Milliarden überwiesen. Ossy. Sonntag, den 21. Okt., spielt unsere I. Mannschaft gegen die A.-H. des F.-C. Rastlos am Sportplatz an der Max II-Kaserne. Treffpunkt der Mannschaft um 1 Uhr am Stachus, Trambahnhaus.