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Das jüdische Echo · 1923-10-19 · 42 (19.10.1923) · p. Seite 487

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
42 (19.10.1923)
Date
1923-10-19
Page
Seite 487 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42 Das jüdische Echo 487 der Kolonialminister hohes Lob. Im einzelnen führte der Herzog von Devonshire aus: „Seit den Ausführungen von Mr. Churchill auf der Reichskonferenz im Juni 1921 hat sich die Lage in einer Beziehung bedeutend gebessert. Die Garnison wurde erheblich herabgesetzt, und dementsprechend haben sich auch die Ausgaben vermindert. Sie betrugen im Budget-Jahre 1922/23 2 024 000 Pfd.; für das Jahr 1923/24 werden diese Ausgaben mit 1 500 000 Pfd. angenommen und man hofft, sie für das Budget-Jahr 1924/25 auf 1 000 000 Pfd. ermäßigen zu können. Wie hoch sie nach 1925 sein werden, läßt sich noch nicht voraussehen, man hofft, sie auch noch weiter verkleinern zu können. Unser Erfolg in dieser Hinsicht hängt von der ökonomischen Entwicklung des Landes ab, und diese wiederum von der politischen Stabilität im Lande. Ich hätte gewünscht, von einer Besserung der politischen Lage in den letzten zwei Jahren berichten zu können. Tatsache ist, daß in einer Hinsicht diese Besserung zu konstatieren ist. Seit den Unruhen in Jaffa im Frühjahr 1921, über die Mr. Churchill in seiner damaligen Rede berichtet hat, sind weitere ernste Störungen der öffentlichen Ruhe im Lande nicht mehr vorgekommen. Wir haben jetzt in Palästina eine sehr leistungsfähige Gendarmerie, die es verstehen wird, rasch und wirksam zu handeln, falls dies nötig werden sollte. Aber immerhin ist die politische Unruhe keinesfalls bloß eine Sache der Vergangenheit. xJie Lösung des jüdisch-arabischen Gegensatzes muß noch gefunden werden. Es sei mir erlaubt, in Kürze wiederzugeben, was in den letzten zwei Jahren vorgefallen ist. Sie wissen, daß unsere Politik in Palästina auf der Balfour-Deklaration von 1917 basiert, durch die wir uns unterzogen haben, bei der Schaffung eines nationalen Heims für die Juden mitzuhelfen unter der Bedingung, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte der übrigen Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden. Wir haben unser Bestes getan, um beiden Teilen der Deklaration ehrlich gerecht zu werden. Unser High Commissioner, Sir Herbert Samuel, zeichnet sich nicht nur durch administrative Fähigkeiten höchsten Grades aus, sondern auch durch strengste Objektivität, wo es sich um die gegensätzlichen Interessen der Einwohner Palästinas handelt. Obwohl er selbst Jude ist, wurde gegen ihn doch niemals die Beschuldigung erhoben, daß er die Juden ungerechtfertigt irgendwie begünstigt habe. Im Gegenteil, seinem hohen Begriff von Gerechtigkeit wurde von allen Kreisen Anerkennung gezollt. Nichtsdestoweniger wird die Opposition gegen die sogenannte zionistische Politik fortgesetzt; sie erreichte ihren gefährlichsten Aluminationspunkt im Mai 1921, als sich die Unruhen in Jaffa ereigneten. Im Juni erwähnten Jahres veröffentlichte die frühere Regierung eine Erklärung darüber, was sie unter dem Begriff „Nationales Heim“ verstehe. Man glaubte, damit die arabische Gegnerschaft zu beschwichtigen, aber die arabischen Führer gaben sich damit nicht zufrieden und entsandten eine Delegation nach London, um ihre Forderungen der Regierung zu unterbreiten. Diese Delegation weilte in London fast ein Jahr, aber trotz langwieriger Unterhandlungen war es nicht möglich, mit ihr zu einer Verständigung zu gelangen. Im Juni 1922 veröffentlichte man eine neue Regierungserklärung, in der wiederum den Arabern Konzessionen gemacht wurden. Diese Erklärung wurde von den Zionisten offiziell akzeptiert, aber nicht von der arabischen Delegation, die gleich nach ihrer Veröffentlichung sich nach Palästina zurückbegab. Diese neue Politik sah auch die Schaffung eines Legislative Council vor, der zum Teil aus Wahlen hervorgehen sollte. Die Wahlen waren für Anfang dieses Jahres ausgeschrieben gewesen. Infolge Abstinenz der Araber wurde nur eine geringe Zahl von Stimmen abgegeben, sodaß die Schaffung des Legislative Council verschoben werden mußte. Die arabischen Politiker haben de facto eine Politik des Nichtzusammenarbeitens mit der Regierung geführt. Sie erhielten dabei rege Unterstützung von verschiedenen Kreisen in England und anderswo. Wir werden selbstverständlich die Durchführung unserer Politik fortsetzen; darüber kann es keinen Zweifel geben. Immerhin bringt das jetzige Unbehagen zweifellos Schaden, und wir würden zufrieden sein, wenn wir dieser Unruhe ohne Verzögerung ein Ende machen könnten. Wir wenden dieser Angelegenheit unsere aktive Aufmerksamkeit zu. Ich will noch ein Wort über Transjordanien anfügen. In diesem Gebiet wird, obwohl es im Palästinamandat erwähnt wird, die zionistische Politik nicht angewendet. Wir haben dort eine Verwaltung unter einem arabischen Herrscher, dem ein britischer Ratgeber zur Seite steht. Der Herrscher ist Emir Abdullah, der Bruder des Königs Feisul von Mesopotamien und der Sohn des Königs von Hedschas. Im allgemeinen hat sich das Experiment bewährt, obwohl die Lage noch nicht ganz frei von Bedenken ist.“ (Ziko.) Nachrichten aus Palästina Zur Gründung der großen Zementfabrik in Palästina Der „Najer Hajnt“ meldet: Organisator dieser Fabrik ist der frühere Petersburger Fabrikant Schneerson, der bereits in Palästina weilt. An der Finanzierung dieses großen Unternehmens in Form einer Aktiengesellschaft beteiligten sich folgende Personen und Institutionen: der frühere Moskauer Großkaufmann Pollak mit 50%, Baron Edmond de Rothschild mit 25%, der aus Rußland stammende und in Berlin wohnende Herr Nassatissin mit 15% und der Londoner Economie Board mit 5%. Die Errichtung der Fabrik wird gegen 200 000 Pfund beanspruchen. Außerdem wird das nötige Betriebskapital mit 50—100 000 Pfund angenommen. Als technischer Leiter ist der Direktor einer großen Budapester Zementfabrik, der zugleich auch der Leiter des Budapester Zementsyndikats ist, vorgesehen. Der betreffende Herr hat sich entschlossen, seinen Posten in Ungarn aufzugeben und nach Palästina zu übersiedeln. Die Erbauung der Zementfabrik wird für ein ganzes Jahr 300—400 Arbeitern Beschäftigung geben. Im Fabrikbetrieb selbst werden nachher ebenfalls 300—400, eventuell auch noch mehr Arbeiter zu tun haben. Die Fabrik wird ungefähr 10 km von Haifa auf dem Wege nach Emek Jesreel errichtet. Herr Nassatissin begibt sich dieser Tage mit Ing. Rutenberg nach Palästina, um sich über die Einrichtung der für die Zementfabrik nötigen elektrischen Installationen schlüssig zu werden. Es liegen zwei Alternativen vor: entweder eine besondere elektrische Anlage für die Fabrik oder eine Anlage, die gemeinsam für die Elektrizitätsbelieferung der Stadt Haifa wie auch der Fabrik sorgt. (Ziko.) Eine Großgerberei In Palästina geplant Der oben erwähnte Herr Nassatissin errichtet auch eine Großgerberei in Palästina. Die hierfür nötigen Maschinen hat er bereits nach Palästina überführen lassen. (Ziko.)

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