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Das jüdische Echo · 1923-10-12 · 41 (12.10.1923) · p. Seite 480

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
41 (12.10.1923)
Date
1923-10-12
Page
Seite 480 (sequence 6)
Language
German
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480 Das Jüdische Echo Nr. 41 p ui® sinm 11 EU Feuilleton | || | | Hii 1 l!I 11 i 1 IUI Der Chaluz*) Die bekannte Monatsschrift „Die Tat“ (Verlag Eugen Dietrichs, Jena) brachte vor einiger Zeit ein Sonderheft über die jüdische Jugendbewegung, das wir unseren Lesern wärmstens zur sorgfältigen Lektüre empfehlen. Es gibt in Beiträgen verschiedener Richtung einen sehr beachtenswerten Überblick über die in der jüdischen Jugendbewegung wirkenden Kräfte. Wir bringen als eine Probe aus diesem Heft den Aufsatz „Der Chaluz“. Chaluz sein ist ein Alltagsschicksal. Damit ist alles Große über diese Menschen gesagt wie auch die Unmöglichkeit ausgedrückt, ihr Schicksal verherrlichen zu wollen, zumindest in dem jetzigen Augenblick, der am allerwenigsten ein Augenblick der Besinnung ist. — Ein Alltagsschicksal in doppeltem Sinne: Alltäglich dem Volke, aus dem schon Tausende von Chaluzim hervorgegangen sind und immer noch hervorgehen, Alltag dem Einzelnen, der dieses Leben zäh und nüchtern lebt, der nicht einmal auszog, den Drachen zu schlagen, sondern der — einmal begeistert — unternahm, aus dieser Begeisterung seinen lebenslangen Alltag zu bauen. — Den Begriff „Chaluz“ machen zwei voneinander untrennbare Momente aus: die Arbeit und die spezifische „Chaluzgesinnung“. Junge jüdische Menschen aus allen Teilen der Erde, wo es jüdisches Volk gibt, und gleichmäßig aus allen Gesellschaftskreisen und -kästen haben sich wieder den einfachsten und natürlichsten Berufen körperlicher Arbeit zugewandt: der Landwirtschaft, der Gärtnerei, der Schlosserei, Tischlerei, dem Straßen- und Häuserbau usw., kurz allen Berufen, die als Grundlage eines normalen Volkslebens bestimmt sind, Kultur und Wirtschaft zu tragen. — Ihre wahrhaft ursprüngliche Resonanz findet die Ideologie des Zionismus und der Regeneration nicht in der Problematik des Verstandes, sondern einzig im gesunden Instinkt. So ist das Verhältnis des Chaluz zu seiner Arbeit nicht „sentimentalisch“, nicht von weicher Symbolik oder Opfermut getrübt, sondern durchaus „naiv“ und fröhlich-gesund. Die Fäuste dieser jungen Menschen packen ebenso ernst wie sicher zu, und von der Ausdauer ihrer Leistungen legt Palästina ein beredtes Zeugnis ab. Um zu illustrieren, wie schnell sich die Umstellung auf den neuen Beruf schon *) Die Chaluzim (Plural von Chaluz) sind die in einer Weltorganisation zusammengefaßten jungen Zionisten, die einen manuellen Beruf ausüben. Sie sind der ideelle und organisatorische Nachwuchs der palästinensischen Arbeiterschaft. während der Ausbildung im allgemeinen vollzieht, sei darauf hingewiesen, daß es in Deutschland z. B. zahlreiche Bauern gibt, die ihr schweres dreifaches Vorurteil gegen den Gebildeten, den Städter und den Juden rasch überwunden haben und immer wieder jüdische Jungens als Knechte anfordern.— Doch Chaluz sein heißt mehr, als bloß zur Arbeit in Palästina zurückkehren; es heißt in jeder Beziehung an der Spitze der zionistischen Bewegung marschieren. Als Vortrupp der neuen, großen Einwanderung in die alte Heimat sind die Chaluzim nicht nur dazu berufen, dem Volke eine Wohnstätte zu bereiten — das könnten vielleicht auch bis zu einem gewissen Grade gedungene Arbeiter —, sondern vor allem zu der edelsten Aufgabe, als die Elite einer, über die ganze Welt zerstreuten Generation zu dem Kern des Volkes zu verschmelzen. Darum fällt ihnen nicht ein Teil, sondern das ganze Maß an Verantwortung und Verpflichtung zu. Chaluz-sein ist in allem der erste sein; der erste in den stündlichen und der erste in den ewigen Forderungen seines Volkes. Darum ist das schönste nationale Kulturgut — die Sprache — von den Poalim (Arbeiter) und ihrem Nachwuchs, den Chaluzim als dem ersten großen Volkskreis gepflegt und erneuert worden. Und wie die Poalim und Chaluzim durch die Verwirklichung der Sprachenforderung kulturell an der Spitze der Entwicklung stehen, so tun sie es gesellschaftlich und wirtschaftlich durch die lebendige Verwirklichung eines ideellen und praktischen Sozialismus. — Was überall auf der Welt von den weitaus meisten als zwangsläufiger, geradezu polarer Gegensatz auf gefaßt und als solcher bejaht wird: Arbeit und Kultur, wird in Palästina zu einer ungeahnt schöpferischen Synthese vereinigt. In unverhältnismäßig kurzer Zeit und bei den schwersten äußeren Bedingungen schufen diese Menschen gänzlich neue Formen des Zusammenlebens und Arbeitens und erneuerten im Lied und im Fest den elementaren Ausdruck einer gesunden nationalen Kultur. — Die Poalim und Chaluzim sind unbezweifelt das Zentrum des jüdischen Palästina, die Gruppe, die der ganzen Siedlung ihr eigenes und neuartiges Gepräge gibt; sie sind der Kern, der an sich alle volksaufbauenden Elemente assimilieren wird. Aber.trotzalledem, als Schönstes soll den Chaluz auszeichnen die Liebe zu seiner Arbeit und zu seinem Werktag. Denn nur aus diesem kann die dauernde Erneuerung erwachsen. (Erhältlich in der „Ewer“-Buchhandlung, Wagmüllerstraße 19.) Gemeindenu. Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe München. Der monatliche Beitrag beträgt V2 Goldmark. Es wird gebeten, das Geld nach dem jeweiligen Tageskurs in den ersten acht Tagen jedes Monats auf unser Postscheckkonto (Karola Silber München 10121) einzuzahlen, andernfalls wird der Beitrag durch Nachnahme eingezogen, unter Anrechnung* der hiefür entstandenen Unkosten. Die bis 20. Oktober noch nicht einbezahlten Oktoberbeiträge werden durch Nachnahme eingezogen werden. Das Büro ist von nun an täglich von 3 — 6 Uhr geöffnet. Verband jüd. Jugendorganisationen. Der Jüdische Jugendverein teilt mit, daß am Montag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr Dr. Raphael Levi über „Talmud und Misr a c h“ spricht. Gäste willkommen. Der Verb. j. Jug.-Org. hält vor Jahresende folgende Veranstaltungen ab: Samstag, den 2 7. Okt.: „Deutsche u. jüdische Jugendbewegun g“. 7.30 Uhr im Bibliotheksaal. Freie Aussprache. S a m s t a g, d e n 1 7. N o v.: „Jüdische Jugend u. Beruf“. Referenten aller Berufe haben das Wort. Freie Aussprache. Die Eltern sind insbesondere eingeladen. Samstag, den 8. Dez.: „Chanukkafeie r“. Wir machen alle Organisationen heute schon darauf aufmerksam, damit sie sich diese Abende freihalten, ihre Mitglieder auf die Vor-

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