Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 41 (12.10.1923)
- Date
- 1923-10-12
- Page
- Seite 478 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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47 8 Das Jüdische Echo Nr. 41 den ganz kooperativ ist, hat die Mutter nicht die gewöhnlichen Haushaltungssorgen, sondern nimmt an allen Tätigkeitsgebieten zusammen mit den Mädchen, Knaben und Männern teil. Die Zionisten gehen davon aus, daß der. nationale Geist im Boden wurzeln muß. Das ist das richtige. Aber der Boden ist Hunderte und Tausende von Jahren praktisch gänzlich unbebaut geblieben und dadurch steinig und unfruchtbar geworden. Die Araber und Armenier und die wenigen dort lebenden Juden haben selten, wenn überhaupt je den Boden gepflügt. Mit lächerlichen kleinen Instrumenten haben sie ihn geritzt und die Steine liegen gelassen, wohin sie fielen, so daß der Samen keine Wurzel faßte und nach kurzer Zeit abstarb. Eine Gruppe von zwanzig oder dreißig Knaben und Mädchen wird von einem Farmer geleitet, der die chemischen Werte des Bodens und dessen Produkte sowie die rechte Produktiosmethode kennt. Ein zweites ist die Herumschickung der Gruppen von einem Ort zum andern; z. B. wird eine Gruppe, die zwei bis drei Jahre in Judäa gearbeitet hat, wo der Boden besonders schlecht ist und die Ergebnisse armselig und die Arbeit sehr schwer, nach dem unteren oder oberen Galiläa gebracht, wo die Bedingungen besser sind und der Boden ganz anders. Da gibt es in Unter-Galiläa die kleine Stadt Nahalal, die einer Gruppe von Juden gehört, deren Losung ist: „Palästina unter allen Bedingungen“. Sie sagen es hebräisch und es klingt wie e i n Wort, während dies die freie Übersetzung ist. Es bedeutet, daß sie einzeln herübergekommen sind, um in Palästina sich ihr dauerndes Heim aufzuschlagen, und nichts als eine Sintflut könnte sie daraus vertreiben. Sie wollen ihr Leben außerhalb aller Politik leben; sie sind Gegner des Sozialismus und sind für Heim und Nation mit Herz und Seele. Mit Hilfe des Jüdischen Nationalfonds hat jeder zehn Aeros erhalten. Im Zentrum ist eine Schule, ein Kindergarten, ein Hospital, ein Kaufladen, wo man alles Nötige einkaufen kann und zwar gegen Scheine (Geld ist nicht gebräuchlich) und ein Haus mit den landwirtschaftlichen Maschinen, die von allen gemeinsam benützt werden. Um diesen inneren Tätigkeitskreis ist eine Straße gelegt und dahinter in einem größeren Kreis die Häuser. Hinter den Häusern liegen die Scheunen und die Ställe für das Vieh und die Pferde, dahinter wieder die Küchengärten und dahinter die Farmen. Ursprünglich mochte niemand diesen Ort und jeder Reisende passierte ihn sehr ungern, denn es gibt hier eine natürliche Quelle, die den Boden zu überschwemmen pflegte; bei heißem Wetter war der Ort mit Moskitos infiziert. Die Quelle wurde in die Häuser und Scheunen geleitet, und der Strom war so stark, daß die Pumpen unnötig wurden. Das, was einstmals ein wüstes Sumpfloch war, ist jetzt ein Gartenfleck geworden. Natürlich wird das Ganze vom Fonds finanziert, die Käufer leisten die Arbeit und bezahlen schnell ihre Schulden ab. Sie bauen ihre eigenen Straßen und wollen in kurzem ihre kleine Stadt mit einer Mauer umgeben, die noch die Häuser und Küchengärten umfassen soll, während nur das Farmland außerhalb der Mauer liegen soll. Gegenwärtig sind gegen 200 000 Acres Land in Palästina in Bebauung. Millionen Acres von Land warten noch der Erschließung und viele schöne Plätze der Siedler. Ein neuer Ruf nach jüdischen Einwanderern ist ergangen. Ich schließe mich den Worten einer jungen Jüdin aus Österreich an, die seit viereinhalb Jahren Straßen baut; „Die Juden, die ihr Leben mit aufreibenden Geschäften verbringen, in übervölkerten Städten zur Miete wohnen und sich gegenseitig in überfüllten Städten die Ellbogen abstoßen, sie täten wahrlich gut, auf den Heimruf nach Palästina zu hören, das ihnen ungeträumten Segen und Freiheit bietet.“ (Ziko) Nachrichten aus Palästina Das Palästinamandat in voller Rechtskraft Wie aus Genf berichtet wird, hat der Völkerbundsrat auf einer geschlossenen Sitzung, die Sonnabend, den 29. September stattfand, zur Kenntnis genommen, daß zwischen der italienischen und französischen Regierung ein Übereinkommen erzielt worden sei über gewisse das französische Mandat für Syrien betreffende Punkte. Als Folge dieses italienisch-französischen Übereinkommens tritt das syrische Mandat wie auch das britische Mandat für Palästina, das bisher nur faktisch, aber noch nicht de jure galt, sofort in Kraft. (Bekanntlich war bei der Ratifizierung des britischen Mandats über Palästina durch den Völkerbundsrat im Juli 1922 beschlossen worden, daß dieses Mandat zwar vorläufig von England ausgeübt werden, aber de jure erst dann, zugleich mit dem syrischen Mandat, in Kraft treten solle, sobald die Regierungen von Fankreich und Italien beteffs einiger unwesentlicher Punkte bezüglich des Mandats über Syrien zu einem Übereinkommen gelangt sein würden. Die Tatsache, daß das Palästinamandat wohl de facto, aber noch nicht pleno jure in Kraft getreten war, ist von der antizionistischen Agitation weidlich ausgenützt worden. (Ziko) Teilnahme der Hedschas-Regierung am Völkerbund Die arabische Regierung hat ihren Gesandten in Rom, den Prinzen Lotfallah, beauftragt, sie im Völkerbund zu vertreten. Der Völkerbund hat den Kommissionsbericht über die Bestätigung der Vertretung anerkannt. Der Hedschas, der auch den Versailler Vertrag mitunterzeichnet hat und eines der ersten Mitglieder des Völkerbundes war, hatte bisher als Zeichen des Protestes gegen die Anerkennung des Mandats durch den Völkerbund keine Vertretung zu den Völkerbundstagungen gesandt. Der jetzige Beschluß der Hedschasregierung dürfte daher wohl als Aufgabe ihres Widerstandes gegen das Mandatssystem in den arabischen Ländern aufgefaßt werden. (Ziko) Der Hafenbau in Haifa Wie der Jerusalemer J.C.B.-Vertreter von gut unterrichteter Seite erfahren haben will, wird mit dem Bau des palästinensischen Hafens in Haita im kommenden Frühling begonnen werden. Der Hafen soll das Anlegen von Schiffen von 10 bis 12 000 Tonnen Gehalt ermöglichen. Bei den Bauarbeiten werden etwa 3000 Arbeiter Beschäftigung finden können. (Ziko) Bessere Handelsbilanz Palästinas Mit großer Befriedigung ist festzustellen, daß sich die Handelsbilanz Palästinas für die ersten sieben Monate des Jahres 1923 um eine halbe Million Pfund gegen die entsprechende Zeit des Jahres 1922 gebessert hat. Die Investierungen in Bodenbesitz dagegen sind um 168 000 Pfund gefallen. Diese Ziffer ist eine scharfe Mahnung, den Bodenerwerb in Palästina stärker zu unterstützen. Eine hebräische Schachzeitung. Demnächst erscheint in Palästina die erste Nummer einer hebräischen Schachzeitung, die den Titel „Emanuel Lasker“ führt und von M. Japhet redigiert wird.