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Das jüdische Echo · 1923-10-12 · 41 (12.10.1923) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
41 (12.10.1923)
Date
1923-10-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 41 12. Oktober 1923 10. Jahrgang Fortschritt und Triumph des Zionismus Von George G. Seymour (NewYork) Der „New Palestine“ veröffentlicht drei Artikel, die der bekannte Journalist George G. Seymour in der „New York Evening Post“, die ihn als Sonderkorrespondent nach Palästina entsandt hatte, erscheinen ließ. Diese Artikel geben, ebenso wie die Rede, die Mr. Seymour auf der Konvention zu Baltimore gehalten hat und von der wir seinerzeit berichtet haben, den besten Beweis dafür, wie sehr das Aufbauwerk in Palästina auf vorurteilslose nichtjüdische — Seymour ist Nichtjude — Beobachter wirkt. Für seine Rede in Baltimore wurde Mr. Seymour ganz besonders von Nathan Straus bedankt, der sie als geeignet erklärte, diejenigen, die noch immer an der Rechtlichkeit unserer Sache zweifeln, zu bekehren. Wir veröffentlichen nachstehend den ersten Artikel Seymours, den dieser am 5. März aus Jerusalem abgesandt hat, während die beiden anderen Artikel, die von Tel Awiw und den Siedlungen im Emek handeln, nächste Woche folgen sollen. Ich kam nach Palästina mit dem Gedanken, daß der Traum von der Schaffung einer jüdischen Heimstätte dem Untergang geweiht wäre, und ich mußte gewahr werden, nicht nur, daß er auf dem Wege zur Wirklichkeit ist, sondern daß er sogar ganz verwirklicht wird. Eine Reise durch die 55 Kolonien in Judäa, Samaria, Unter- und Ober- Galiläa hat mich davon überzeugt, daß sich hier eine jüdische Nation sicher, wenn auch langsam aufrichtet, und zwar auf einem festen Untergrund aufrichtet. Nahe Tiberias gehen prachtvoll angelegte Straßen durch und über wunderschön geformte Hügel hin. Da sah ich auch ihre Erbauer, und zu meinem Erstaunen fand ich auch viele Frauen darunter. Den Männern gleich schleppten sie Lasten, hoben und trugen Steine mit den Händen und waren stundenlang mit Steineklopfen beschäftigt. Und diese mühselige, mit gekrümmtem Rücken zu leistende Arbeit verrichteten sie anscheinend mit weniger Anstrengung und Anzeichen der Ermüdung als die Männer. Die meisten arbeiteten schon drei oder noch mehr Jahre. Ich war ziemlich überrascht, als ich eine der Frauen, die mit ganz besonderer Freude ihre Arbeit tat, englisch sprechen hörte. Sie war russische Jüdin, graduierte Studentin; sie hatte einen Khaki-Rock an mit einem Kapuzenmantel darüber und war fast athletisch gebaut und von kerniger Gesundheit; ihr Gesicht war tief bronzen von der Sonnenglut, und sie hatte sanfte blaue Augen darin, die bei jedem Hammerschlag, den sie gegen die zu zerbröckelnden Steine ausführte, lachten. „In Palästina sind wir den Männern gleich“, sagte sie, „wir arbeiten alle für das gleiche Ziel: eine Nation zu schaffen. Wir haben alle die gleichen Rechte und Pflichten. Daß wir die Verwirklichung unserer nationalen Bestrebungen nicht mehr erleben, dessen sind wir ja sicher, aber wir wissen, daß einst kommende Generationen sie erleben werden. Bezahlung? Sie ist gering, ja, aber sie reicht aus für Nahrung und Kleidung. Wir sind glücklich, im Freien und für Gesundheit und für einen künftigen nationalen Geist leben zu können. Ist das nicht viel wert?“ Der große Stahlhammer schlug krachend auf den riesigen Stein, der in tausend Stücke zerfiel. Eine der ersten jüdischen Siedlungen, die ich besuchte, war Tel Awiw bei Jaffa, eine Sandwüste vor fast 15 Jahren, wo nichts gedieh, nicht ein Grashalm. Heute ist es eine der lieblichsten Städte in Asien. Überall sind wohlgebaute Häuser, von Gärten umgeben, schöne Straßen und Boulevards und moderne Schulen. Obgleich die bevölkertste der zionistischen Siedlungen, ist nicht ein einziger Fall von Trunksucht oder einem anderen Laster oder Verbrechen seit ihrer Gründung zu verzeichnen. Es war dies das erste konkrete Beispiel der Leistungen der 30 000 jüdischen Pioniere. Ein großer Prozentsatz davon sind Doktoren, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure, Universitätsprofessoren und -Studenten, die alle ihre Karriere aufgegeben haben, um sich der härtesten Handwerksarbeit zuzuwenden und ihr Leben ihrem Ideal zu widmen; sie unterwarfen sich der strengsten Disziplin, nahmen jegliches Elend und jegliche Selbstaufopferung auf sich. Es sind dies gebildete Männer und Frauen, die nicht nur mit Straßen- und Brückenbau oder anderen öffentlichen Arbeiten beschäftigt werden, sondern sich auch lange Stunden des Tages als Zimmerleute, Dachdecker, Maurer, Pflasterer u. dgl. quälen, oder auch draußen auf dem Felde mit Steineschleppen, Landkultivieren, Terrassieren von Hügeln, mit Hütten- Zelte- und Barackenbau oder mit Aufforstungsarbeiten. Eine Million Bäume sind von den Chaluzim gepflanzt worden und mehrere Millionen Schößlinge bereitgestellt, um Meilen dürftigen Wüstenlandes zu bedecken. Sie haben fix Palästina 150 Erziehungsinstitute erbaut, darunter Kindergärten, Internate, Elementar- und höhere Schulen, Lehrerseminare, Lehrlingsinstitute, technische Schulen und Lehranstalten. Gegenwärtig sind sie mit der Errichtung einer Universität beschäftigt, an deren Spitze Prof. Einstein stehen soll. Als ich Hulda, Petach-Tikwah, Nachlat-Jehuda und andere Ortschaften in Judäa besuchte, wo die jüdischen Kolonisten aus dem Boden wundervolle Resultate erzielen, beobachtete ich eine Anzahl Frauen, die an einem Brückenbau und einem Steinhaus für eine siebenköpfige Familie arbeiteten. Dann kam ich in das Dorf Dagania, das mit seinen neuen und frischen grauen Steinhäusern den See von Galiläa überschaut. In diesem Dorf bringt jede Mutter ihr Kind, sobald es 3 Monate alt geworden ist, in die Tageskindergärten, um in ihrer Arbeit wieder fortfahren zu können. Sie verrichtet dann ihre Arbeit nacheinander in allen Abteilungen der kooperativen Arbeit auf folgende Weise: einen Monat in der Bäckerei, den nächsten auf dem Felde, den nächsten im Waschhaus, den nächsten im Gewächshaus, in der Molkerei oder in der Küche. So hat sie angenehme Abwechslung in sämtlichen Arbeiten und erhält zugleich eine gute Ausbildung auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit. Da das Leben in diesen Gemein-

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