Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 40 (5.10.1923)
- Date
- 1923-10-05
- Page
- Seite 472 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Das jüdische Echo Nr.4o Litauen Die Legalisierung des Jüdischen Nationalrates Kowno. Der Präsident des Jüdischen Nationalrates und Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Rosenbaum, hatte eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Galwanowski, in der er ihm den letzten Beschluß des Jüd. Nationalrates, betreffend seiner Legalisierung, vorlegte. Minister Rosenbaum erklärte, daß er demnächst ein Gesetz über die Durchführung der Legalisierung im Einklang mit der Verfassung und den Deklarationen des Kabinetts über die Minoritätenfrage einzubringen gedenke. Der Ministerpräsident erklärte sich damit einverstanden und ersuchte, dieses Gesetz sobald als möglich dem Sejm vorzulegen. Das Gesetzesprojekt wird bereits im jüdischen Ministerium ausgearbeitet. Polen Der neue Schapira-Prozeß Warschau. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) In Plock hat bereits der Rehabilitierungsprozeß des seinerzeit durch die polnischen Militärbehörden erschossenen Rabbiners Schapira begonnen. Die Verteidigung führt Abg. Hartglas. Der Prozeß, zu dem sich 400 Personen als Zeugen gemeldet haben, dürfte sechs Tage in Anspruch nehmen. Ungarn Rakovszky gegen die Rassenschützler Budapest. Minister des Innern Rakovszky hielt gestern in Bimontornya eine Rede, worin er in einer Polemik gegen die jüngsten Auslassungen der Führer der „Rassenschutzgruppe“ sich gegen das Schlagwort vom sogenannten aktiven Antisemitismus wandte. Der Minister erklärte, das Land sei der Revolutionen überdrüssig und wolle Ordnung. Zu deren Schutz genügen jedoch die Staatspolizei und die Gendarmerie vollauf und es sei daher überflüssig, ja sogar gefährlich, wenn Organisationen unter Berufung auf noch so sympathisch klingende Schlagworte Waffen sammeln und militärische Formationen bilden wollen. Derartige Gebilde werde die Regierung nicht weiter dulden und werde sie wieder auflösen. Der Minister schloß, er könne dem Lande die Versicherung geben, daß auf diesem Gebiete die Konsolidierung vollzogen sei. — In Bayern, wo Kahr mit diktatorischen Vollmachten für Ordnung sorgt, bestehen die exzedierenden rechtsbolschewistischen Sturmtrupps nach wie vor. literarisches Echo Aus Graf Wittes Memoiren Vor kurzem sind im Verlag Ullstein die Memoiren des Grafen Witte in deutscher Übersetzung erschienen, die über das Rußland aus den Jahrzehnten vor dem.Kriege sehr interessante Aufschlüsse geben. Für uns sind von besonderem Interesse die Stellen, die sich mit der Judenfrage in Rußland befassen. Wir geben hier den Absatz wieder, der Wittes Berührungen mit den Juden bei einem Besuch in Amerika schildert: Während der Überfahrt nach Amerika nahm sich Witte, wie er schreibt, ein ganzes Programm für sein Verhalten vor, und als fünften Punkt dieses Programms fühte er an: „In Anbetracht des Einflusses, den die Juden, besonders in New York, hatten, nahm ich mir vor, mich ihnen gegenüber nicht feindselig zu halten, was übrigens meinen Anschauungen in der Judenfrage vollkommen entsprach“. An dieses Programm hielt sich Witte streng während seines Aufenthaltes in Amerika. Wie er es tat, darüber gibt er selbst ein paar Seiten später Aufschluß: „Bei meiner Ankunft in New York warnte man mich, ich solle mich nicht in die jüdischen Stadtviertel begeben. In New York lebten damals gegen 500 000 Juden. Der größte Teil von ihnen hatte Rußland verlassen, zum Teil wegen Erwerbsschwierigkeiten, zum Teil wegen der Pogrome. Wahrscheinlich befürchtete man daher ein Attentat. Ich nahm gleich nach meiner Ankunft ein Automobil und fuhr zusammen mit einem Beamten der Botschaft durch sämtliche jüdische Stadtgegenden. Die Juden hatten mich bald erkannt. Zuerst blickten sie scheel, dann gleichgültig. Als ich mich aber mit einigen von ihnen begrüßt und russisch mit ihnen gesprochen hatte, kamen sie mir größtenteils freundlich und wohlwollend entgegen. Auch in Portsmouth selbst beachtete ich das gleiche Verhalten, trachtete auch dort möglichst viel mit den aus Rußland zugewanderten Juden in Berührung zu kommen.“ Die in Amerika ansässigen Juden sandten zu Witte Abordnungen, um bei ihm über die Lage der Juden vorstellig zu werden. Führer dieser Deputationen waren Jakob Schiff und Roosevelts Freund, der kurz nachher zum Botschafter in Konstantinopel ernannte Oskar Strauß. Gemeindenu.Vereins-icho Zion. Ortsgruppe München. Unser Büro ist nunmehr nur jeden Vormittag von 9 — 1 Uhr geöffnet. Der Verein Talmud Thora gibt bekannt, daß ab Sonntag, den 7. Oktober, in den Lokalitäten des Vereins Talmud Thora, Klenzestraße 34, allabendlich von 8—10 Uhr für Erwachsene Schier gelernt wird. Die Vorstandschaft bittet um zahlreiche Beteiligung. Bar Kochba München. Die Mädchen und Damen turnen wieder jeden Donnerstag von 6—7.30 Uhr, bezw. von 7.30—9 Uhr. Verband jüd. Jugendorganisationen Münchens. Samstag, den 6. Oktober, 7.30 Uhr im Bibliotheksaal. Sprechabend: Jüdische Jugend und Sozialismus. Referenten aller Richtungen haben das Wort. Diskussion. Die Jugend aller jüd. Gruppen ist eingeladen. Fußballabteilung des jüd. Turn- und Sportvereins Bar Kochba. Zu der am Montag, den 8. Okt., stattfindenden Monatsversammlung hat jedes Mitglied die Pflicht zu erscheinen, da wichtige Besprechungen stattfinden. Am Sonntag, den 30. Sept., spielte unsere erste Mannschaft gegen die kombinierte Mannschaft des Sp.-Cl. Allemania und gewann 5:2. Am Sonntag, den 7. Okt., vorm. 10 Uhr tritt unsere 1. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft der Beamtenschaft des Stadtrates am Sportplatz an der Säbenerstraße an. Am Sonntag, den 14. Okt., trägt unsere 1. Mannschaft gegen die Privatmannschaft des Vereins Turnerschaft ein Wettspiel aus. Unsere 1. Jugend spielt am Sonntag, den 7. Okt. vorm. 8.45 Uhr am Sportplatz an der Säbenerstraße gegen den Jugendverein Giesing. Am Sonntag, den 14. Okt., tritt die Jugend gegen den Jugendverein Heidhausen an. Am Sonntag, den 7. Okt. vormittags findet eine photographische Aufnahme unserer sämtlichen Senioren- und Juniorenmannschaften von unserem Sportfreund Leo Mamma-Mannhart am Sportplatz statt. Nürnberg, 28. Sept. 1923. Wie in den weitesten Kreisen bekannt sein dürfte, hat der B1 a u - W e i ß die Finanzierung der Ansiedlung seiner Mitglieder in Palästina selbst in die Hand genommen. Zu diesem Zwecke hat er unter anderem ein Ver-