Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 40 (5.10.1923)
- Date
- 1923-10-05
- Page
- Seite 471 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 471 ständig handeln jene Juden, die mit auf der Liste der Bürgerlichen Arbeitspartei kandidieren. Der Kandidat der jüdischen Wahlgemeinschaft für den Nationalrat, Irxg. Robert Stricker, führte sodann aus: „Ein Zweck, der nicht minder wichtig ist als die Erreichung jüdischer Mandate, liegt darin, daß die jüdische Wahlgemeinschaft die Juden erziehen wird, als aufrechte Menschen herum zu gehen und nicht mehr als Menschen, die sich an die Wand drücken und jeden Tag Gott dafür danken, daß man sie nicht körperlich angegriffen hat. Das Hakenkreuzlertum hat die Juden eingeschüchtert, die antisemitische Hetze hat arge moralische Rückwirkungen auf die jüdische Bevölkerung gezeitigt. Solange der Jude vereinsamt ist, gibt es nur einen Schutz für ihn: Er drückt sich! Nicht bloß das Kokettieren mit den Christlich- Sozialen sei auf die Einschüchterung und Sorge zurückzuführen. Auch daß die jüdischen Wähler der Sozialdemokratie nachlaufen, habe in der gedankenlosen Angst seinen Grund. Aus der Jüdischen Welt Palästina Orthodoxe Kritik an der Aguda Wie „Kol Jakob“, das Organ der unabhängigen thoratreuen Juden in Jerusalem mitteilt, erregt es in den dortigen thoratreuen Kreisen Aufsehen, daß sämtliche Zuschriften, welche von seiten einiger thoratreuer Führer in Jerusalem an die Wiener Kenessio gedaulo der Agudas Jisroel gerichtet wurden, den Teilnehmern des Kongresses nicht bekannt gegeben wurden. Insbesondere wurde ein ausführliches Schreiben von Oberrabbiner Kook in Jerusalem, in welchem derselbe seine Mahnungen an die Wiener Tagung richtete, geheim gehalten. Auch Rabbi Chajim Oser von Wilna, welcher als Mitglied des Rabbinischen Rates sich entschieden gegen die Kampftendenzen der Agudas Jisroel aussprach, wurde von diesem Schreiben keine Kenntnis gegeben, ebensowenig den anderen litauischen und polnischen Rabbinern. Auch die palästinischen Delegierten, welche nach Wien gefahren waren, werden in Jerusalem stark angefochten. Wie weiter verlautet, ist Rabbi Meir Simcha Cahn, der bekannte Gaon in Dwinsk (Dünaburg) einer der bedeutendsten Thoragelehrten der Gegenwart, sowie einige andere litauische Rabbiner der Wiener Tagung fern geblieben, weil dieselben das Vorgehen der Vertreter der Aguda in Jerusalem scharf verurteilen. Anerkennung der jüdischen Gemeinden und des Waad Leumi Jerusalem. (JCB.) Wie der JCB.-Vertreter erfährt, hat Sir Herbert Samuel die Zustimmung des Kolonialamtes zur Anerkennung der jüdischen Gemeinden in Palästina und ihres Organs, des Waad Leumi, erhalten. Diese Körperschaften sollen jedoch kein Besteuerungsrecht haben. Eine Industrie-Ausstellung in Tel-Awiw Jerusalem. (JCB.) Zur Hebung des Warenabsatzes wurde in Tel-Awiw eine Ausstellung von palästinensischen Industrie-Erzugnissen veranstaltet. Es wurden ausgestellt: Möbel, Farben, Uhren, Stickereien, Schokoladen und Zuckerwerk, Kartonschachteln, Seife, Schirme, gestrickte Woll- und Seidenkleider, Schuhwaren, Zementziegel, Maschinen, Eis, Wein, Leder, Teppiche, Keramik, elektrische Bedarfsartikel, Eisenwaren, Bienenkörbe, polierte Marmorsteine u. v. a. Es wurden auch Produkte der landwirtschaftlichen Schule in Mickweh Israel, wie Tabak, Geflügel, Früchte ausgestellt. Die jüdischen Kolonien beteiligten sich an der Ausstellung mit Molkereiprodukten. Vom hebräischen Verlagswesen Infolge des Steigens der Papier- und Druckpreise in Deutschland sollen, wie verlautet, demnächst einige hebräische Verlage nach Palästina übersiedeln, wo laut Berechnungen von Sachverständigen die Druckkosten geringer sein sollen als in Deutschland. Im Anschluß daran dürften auch zahlreiche angesehene hebräische Schriftsteller ihren Wohnsitz von Deutschland nach Palästina verlegen. Österreich Dr. JOS. S. BLOCH Am Montag, den 1. Okt., ist in Wien Dr. Bloch im Alter von 73 Jahren gestorben. Eine Anzahl hebräisch-wissenschaftlicher Schriften haben seinen Namen in den 70iger und 80iger Jahren bekannt gemacht. Sein Hauptverdinst bestand aber in dem unerschrockenen und erfolgreichen öffentlichen Auftreten gegen die antisemitische Hetze, welche sich damals besonders der Ritualmordlüge bediente. Es war dies um die Zeit des Ritualmordprozesses von Tissa Eszlar. Der Prager Professor Rohling erklärte sich in einem Schreiben an den Gerichtshof bereit, zu beeiden, daß der Mord an christlichen Kindern zu rituellen Zwecken in jüdischen Schriften als religiöses Gebot gelte. Dr. Bloch beschuldigte daraufhin Rohling öffentlich des Meineids und Rohling war nach einer am 20. Nov. 1885 stattgefundenen Schwurgerichtsverhandlung nach den Blochschen Beweisen gezwungen, seine Klage zurückzuziehen und damit die Beschuldigung des Meineides als berechtigt zuzugeben. Dieser Prozeß hat damals in ganz Europa ungeheures Aufsehen erregt. — Das hindert natürlich die Judenhetzer von heute nicht, neben ihren anderen Lügen bei Bedarf auch ab und zu die Ritualmordlüge zu verwenden. POBMLLAN-NIEDEBLAfil BtXCHEN THEATINBRSTRASSR ») gejpmübtr d&r Ftldktrmh&H* «BAsSTB iüswm IN «CBBA«CNSI>»IZIiLi.S TieUCBE lii«BBEB6ÄlZ¥I8 »rawsuiff 1