Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 39 (28.9.1923)
- Date
- 1923-09-28
- Page
- Seite 462 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Das Jüdische Echo Nr. 39 kratische mohammedanisch-christliche Partei zu gründen, die der Politik der Anhänger Musa Kasim Paschas, des Führers des muselmanisch-christlichen Verbandes, entgegentreten soll. Es bestehe die Möglichkeit, daß die Mitglieder der kürzlich gegründeten mohammedanisch-arabischen Partei, die eine Politik der Kooperation mit der britischen Verwaltung verfolgt, sich dieser neuen Partei anschließen werden. Die Zeitung „Saut esch Schaab“ in Bethlehem veröffentlichte ein Interview mit Emir Abdullah, worin dieser erklärt, es wäre für die palästinensischen Araber besser, durch Gründung eines repräsentativen Verwaltungskörpers der eingeborenen Bevölkerung zu einer Verständigung mit der britischen Regierung zu gelangen. (Ziko.) Die Bahn Petach-Tikwah—Jaffa Bekanntlich wurde im vorigen Jahre von der palästinensischen Regierung die Lokalbahnstrecke Petach-Tikwah—Jaffa nur unter der Bedingung erbaut, daß Petach-Tikwah ein Baudarlehen von 20 000 Pfd. Sterling zur Verfügung stellt und auch für die eventuellen Defizite der Bahn aufkommt. Nunmehr, nachdem ein Jahr seit der Aufnahme des Verkehrs auf dieser Linie verflossen ist, hat sich ergeben, daß Petach-Tikwah nicht nur keine Defizite zu ersetzen hat, sondern daß auf seinen Teil sogar ein Reingewinn von über 2000 Pfd. Sterling entfällt. Infolgedessen konnte eine Ermäßigung der Fahrpreise vorgenommen werden. Die Bücher von Josef Popper-Lynkeus in der Jerusalemer Nationalbibliothek Die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem erhielt dieser Tage die gesamte etwa 2500 Bände umfassende Bibliothek, welche ihr Popper-Lynkeus hinterlassen hat. Josef Popper, der 1921 gestorben und in einem Ehrengrab der Wiener Kultusgemeinde beerdigt ist, hat auf einer ganzen Reihe von Gebieten der Wissenschaft Hervorragendes geleistet: Als Physiker und Techniker, als belletristischer Schriftsteller, als Philosoph und Soziologe. Der große Interessenkreis, die Belesenheit und mannigfache Tätigkeit Poppers spiegelt sich auch in seiner Bibliothek, die eine große Zahl von technischen und mathematischen Büchern, sehr viele Schriften zur Gesellschaftslehre und zum Sozialismus, philosophische Klassiker (darunter viele in ersten Ausgaben) und eine große Anzahl von Widmungsexemplaren österreichischer und deutscher Schriftsteller enthält. Unter anderem hatte Popper auch eine zahlreiche Sammlung von Büchern über den fernen Osten, für den er sich stets sehr interessiert hat und eine Kollektion von Schriften über Rousseau und Voltaire, die aus den Vorstudien Poppers zu seinem Buche über Voltaire stammen. Sehr viele Bücher enthalten handschriftliche Bemerkungen des Verfassers. Die Bibliothek wird jetzt katalogisiert und wird in wenigen Wochen dem Publikum zugänglich sein. Die Nationalbibliothek hat in sämtliche Exemplare ein entsprechendes Ex-Libris anbringen lassen, das die kurze Biographie von Popper-Lynkeus wiedergibt. Die Forderungen der Transjordanischen Stämme an Emir Abdullah Jerusalem. (J.C.B.) Die Häupter der arabischen Stämme Transjordaniens haben sich an den Emir Abdullah mit folgenden Forderungen gewandt: 1. Baldige Einberufung einer Volksvertretung, 2. Ausweisung aller Fremden, 3. Übergabe der wichtigsten Posten an Eingeborene, 4. Verkleinerung der Gehälter, 5. Einstellung der Zahlungen an die Scheichs, 6. Befreiung der Fellachen von der Vermögensabgabe rückwirkend bis zum Jahre 1918. Amerika Der Jude als Philanthrop Von Herbert Hoover Der bekannte amerikanische Ernährungskommissär für die europäischen Kriegsländer und hervorragende Staatsmann Herbert Hoover erließ im Wege der „Jewish Tribüne“ anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes die folgende Botschaft: „Während der neun Jahre, in denen ich an den großen amerikanischen Hilfsmaßnahmen für Europa aktiv teilnahm, stand ich in enger Verbindung mit verschiedenen jüdischen Organisationen, die an dieser Hilfsarbeit engagiert waren. Ich hatte häufig Anlaß, die außerordentliche Generosität und Freigebigkeit der amerikanischen Juden in ihrer Beteiligung an Wohltätigkeitsakten hervorzuheben und besonders zu betonen. In der Tat haben ihre freiwilligen Beitragsleistungen jene aller anderen amerikanischen Gruppen übertroffen und wiesen Beiträge von den kärglichsten Sparpfennigen des ärmsten Arbeiters bis zu den reichlichsten Zuwendungen der in glücklichen Verhältnissen lebenden Persönlichkeiten auf. Während der akutesten Zeit des Notstandes in Europa hatte es sich als notwendig erwiesen, behufs Sicherstellung der Höchstleistungen in der Rettung bedrohter Leben und der Vorbeugung künftigen Leides innerhalb der Leistungsfähigkeit unserer Hilfsquellen die engste Kooperation in der Verwaltung der amerikanischen Hilfsmaßnahmen herzustellen. Diese Zusammenarbeit wurde vom Joint Distribution Committee (Vereinigtes jüdisches Hilfskomitee) mit beispiellosem Weitblick und unerreichter Zweckdienlichkeit geleistet. Während die größeren freiwilligen jüdischen Fonds in der Hauptsache für die eigenen Religionsgenossen bedacht waren, haben die amerikanischen Juden in königlicher Weise zu den allgemeinen Hilfsfonds beigetragen, und selbst in der Verwaltung ihrer eigenen Spezialfonds die weitherzige Politik der Kooperation in der Hilfeleistung an alle Leidenden überhaupt befolgt. Und tatsächlich wurden HunderttausendevonNichtjuden von ihrer Fürsorge in gleicher Weise mit den Juden bedacht. Diese weitherzige Philanthropie hat in vielen Ländern Osteuropas einen so tiefen Eindruck gemacht, daß man sich dort der Judenverfolgungen schämte, die in der Zeit des größten Chaos in vielen Städten zum Ausdruck kamen. Aber nicht nur im Ausschütten von Geldmitteln haben sich die Juden so außerordentlich generös gezeigt, sondern auch in dem Ausmaße der persönlichen Hilfsdienste. Ich diente zusammen mit den Vertretern der jüdischen Gruppen in gemeinsamer Kraftanstrengung. In meinem eigenen Stab für dieses Werk hatte ich viele jüdische Männer und Frauen, denn wir linderten auch viel jüdisches Leid mit den Mitteln anderer allgemeiner Fonds. Die Dienste, die diese Männer und Frauen aus so vollem Herzen, so werktätig und mit solcher persönlicher Selbstaufopferung geleistet haben, können mit Worten nicht gewürdigt werden. Die wahre Würdigung und Dankbarkeit für alle jene, die ihre Mittel und ihre Dienstleistun-