Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 38 (21.9.1923)
- Date
- 1923-09-21
- Page
- Seite 453 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 453 und das Joint Foreign Committee haben dem Völkerbund über Polen Beschwerde eingereicht. Diese wurden der polnischen Regierung zugeschickt und die polnische Regierung hätte ihre Verteidigung innerhalb von zwei Monaten vorzubringen gehabt. Sie hat es aber abgelehnt, irgendwelche Verteidigung geltend zu machen mit der Begründung, daß ihrer Meinung nach Petitionen von ausländischen Organisationen nicht akzeptiert werden dürfen. Das Resultat wird sein, daß die ganze Angelegenheit schon in einigen Tagen vor dem Völkerbundsrat gelangen wird, anstatt erst in zwei Monaten. Schließlich erklärte Mr. Wolf, er habe auch die Frage des ungarischen Numerus clausus sowie die Haltung der österreichischen Behörden zu dieser Angelegenheit mit dem Referenten des Völkerbunsdrates diskutiert und wolle auch mit den ungarischen und den österreichischen Delegierten in dieser Frage verhandeln. Sollte es zu keiner befriedigenden Lösung kommen, so werde man andere Schritte unternehmen müssen. Die Arbeit werde sicherlich längere Zeit erfordern, aber er hoffe, daß man schließlich einen Erfolg zu verzeichnen haben werde. lll IIP I! 111 im i: riiii 11 Feuilleton |||| |||| Ui i| 1111 III Ml Zwanzigtausend glückliche Menschen Von Artur Rundt Inf Verlage von E. P. Tal & Co., Leipzig, Wien und Zürich, ist soeben ein Reisebuch „Palästina“ erschienen,, in dem die bestbekannten Journalisten Artur Rundt und Richard Bermann (Arnold Höllriegel) in 23 Aufsätzen das Leben in Palästina, das sie kürzlich bereist haben, schildern. Obwohl beide Nichtzionisten sind, haben das Land und das jüdische Aufbauwerk den größten Eindruck auf sie gemacht, wovon dieses geradezu prächtig und mit viel Liebe geschriebene Büchlein das beste Zeugnis ablegt. Wir entnehmen diesem auch mit zahlreichen Photographien geschmückten, sehr empfehlenswerten Werke nachstehende Schilderung der jüdischen Arbeiter in Palästina. Das große Erlebnis dieser Reise heißt: der jüdische Arbeiter. Mag die herbe Schönheit der palästinensischen Berglandschaft, die Heiligkeit der biblischen Stätten, die Kuppelpracht der großen Moschee stark zum Augenblick sprechen; stärker bleibt der Erinnerung eingehämmert das Unerwartete, der gewandelte Mensch. Den Fremden, der aus der. Verzweiflung des wegelosen Europa kommt, durchschüttelt befreiend das Erkennen: hier ist ein Weg, hier ist ein Vorwärts. Diese zwanzigtausend Menschen leben ohne Besitz, ohne den Willen, zu besitzen, ohne den Wunsch, Erworbenes anzusammeln. Sie kämpfen, arbeiten hart, leiden und sind sehr glücklich. Sie benennen die Form ihres Lebens mit dem Notwort „Kommunismus“, weil die Rechte des einzelnen zugunsten der Gemeinschaft zurückgedrängt sind, verschwinden. Aber, wer irgendwo europäischen Kommunismus erlebt hat und frühzeitig noch im heroischen Stadium, durch die sozial-ethische Verbrämung hindurch, klar erkannte, wohin es gehen mußte und ging: zur Korruption und Haß und Blut — der sieht, daß hier das gleiche Wort ein ganz und gar anderes, deckt. Hier ist nicht Heldisches, hier ist stille Selbstverständlichkeit. Hier ist, was sonst überall fehlt, innige, weihevolle Hingabe an eine Idee, hier ist — mögen sie sich immer vom Ritus befreit haben — hier ist: Religion! Hier ist jene seltene, krampflose Balance eines tatgewordenen, tiefen Glaubens: Leiden und glücklich sein. Und dieses in sich ruhende Glück kann sich bisweilen in laute Heiterkeit lösen. Während in Jerusalem die Hausväter im bettgepolsterten Lehnstuhl den Seder zelebrieren, mit dem Ei aus der Asche und geröstetem Fleisch, mit Apfelbrei und Bitterkraut und dem versteckten Stück des ungesäuerten Brotes gibt es draußen im Land auf den Höfen der Farmen Tanz und Gesang der jungen Siedler, dann spät in der Nacht Einspannen der Heuwagen und Besuch bei den Kameraden der Nachbarfarm, hier wiederum Tanz, dann Weiterfahrt — ein langes, lautes Fest bis in den nächsten Tag hinein. Ich stehe auf dem Schlafdach des neuen Wohnhauses in der Farm Dagania. Zu unseren Füßen liegt auf der einen Seite der viereckige Wirtschaftshof mit dem Taubenhaus in der Mitte, einem deutschen Bauerngut ähnlich, auf der anderen Seite der Garten der Farm; er ist fünfzehn Jahre alt, aber doch fast ein Park mit Palmen, Zypressen und Johannisbrotbäumen. Ringsum Plantagen und Felder, drüben der See Genezareth, am jenseitigen Ufer die Schneegipfel des Hermon. Ich habe eine Stunde lang mit dem Kolonisten David Schmetterling gesprochen, der nicht einer der Führer unter den Leuten von Dagania ist, sondern ganz einfach der erste, der mir beim Betreten des Hofes entgegenkam. Er hat von der Geschichte der Siedlung erzählt, von ihren Krisen und Nöten und vom Leben der Gefährten untereinander. porzellaiv-ni®i»]gb:la<}B MÜNC1EN THE ATINER STR AS SS Ctgtnübtr dir F&ldhermfudU «BftSSTI AUSWAHL IS ««B»AH5FORÄEUUAÄ ’rÄföU.ICHB &Afi»BRJBBeÄHZf H«