Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 37 (14.9.1923)
- Date
- 1923-09-14
- Page
- Seite 441 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 441 An dieser Aufgabe gemessen, erscheinen die Forderungen, weiche der Kongreß an die Organisation gestellt hat, indem er ein Budget von 531 000 engl. Pfund aufgestellt hat, in dem noch dazu 79 000 engl. Pfund an Nachzahlungen und Schulden enthalten sind, freilich gering. Aber diese Summe entspricht durchaus dem, was nach den bisherigen Erfahrungen der Keren Hajessod-Arbeit wahrscheinlich erreicht werden wird. Wenn man bedenkt, daß die Londoner Jahreskonferenz 1920 jährlich 5 Millionen £ erwartete, daß noch der XII. Kongreß ein Jahresbudget von Millionen £ aufgestellt hat, so erscheint dieses nicht viel mehr als 450 000 £ betragende Budget für 5684 wahrhaftig nicht als groß. Wohl hat Ruppin, gewiß einer der sachlichsten und am ernstesten zu nenrnenden Menschen in der Zionistischen Organisation, seinem Pessimismus sogar gegenüber diesem kleinen Budget offen Ausdruck gegeben. Doch muß festgestellt werden: diese Forderung des Kongresses ist durchaus erreichbar, und die Aufgabe der Zionistischen Organisation ist es nun, diese Summe aufzubringen und etwaige Kürzungen des Budgets unnötig zu machen. Wie sehr sich der Kongreß, oder wenigstens ein Teil des Kongresses in diesem Punkte von realpolitischen Gesichtspunkten leiten ließ, zeigt die vom finanzpolitischen Ausschüsse eingebrachte Resolution, in welcher gesagt wird, daß die unmittelbar produktiven Aufgaben im Palästina- Budget den Vorrang haben sollen. Tatsächlich weist das Budget eine Neuerung auf insofern, als es die Summe von 124000 £ für Kredite und Investitionen vorsieht, eine Neuerung auch insofern, als die Bildung eines landwirtschaflichen Kolonisationsfonds beschlossen ist. Dieser Kolonisationsfonds, der vom Keren Haje$sod zu schaffen ist, soll unabhängig vom Keren Hajessod verwaltet werden und soll auch seine Geschäfte nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen. Damit ist eine weitere Forderung erfüllt, welche seit Jahr und Tag in den Reihen der Zionistischen Organisation laut geworden ist und welche nach der Formulierung der Richtlinien, welche der finanzpolitische Ausschuß aufgestellt hat, verlangt, daß die aus dem Spendenfonds (daunter ist auch der Keren Hajessod gemeint) fließenden Geldmittel in ihrer Verwendung nicht den Charakter von Spenden tragen dürfen; sie sollen vielmehr in möglichst wirtschaftlicher Weise verwendet werden. Damit soll zweierlei erreicht werden. Einmal eine durchaus wirtschaftliche Verwendung der Gelder der Organisation, welche dem Siedler nicht mehr als Beiträge ä fonds perdu zur Verfügung gestellt werden, sondern als in längeren oder kürzeren Zeiträumen zurückzuzahlende Kredite, zum andern aber, das geht schon aus dem eben gesagten hervor, soll systematisch eine immer größere Selbständigkeit der Siedler erreicht werden, soll in ihnen das Bewußtsein wachgerufen werden, daß sie für ihre materielle Existenz vor allem selbst verantwortlich sind. Das mag vielleicht brüsk oder gar hart klingen, aber die Schaffung der nationalen Heimstätte ist, von realen Gesichtspunkten aus gesehen, nun einmal keine sentimentale Angelegenheit, und die Siedler werden sich daran gewöhnen müssen, daß die Beihilfen der Organisation sachlicher Art und darauf gerichtet sind, sie in das palästinensische Wirtschaftsleben organisch einzugliedern und ihnen die Möglichkeit zu geben, bleibende wirtschaftliche Werte zu schaffen. Das Verlangen nach größerer Selbständigkeit der Siedler kommt übrigens auch in der Resolution des Budgetausschusses zum Ausdruck, in welcher gesagt wird, daß der Waad Leumi die nötigen Maßnahmen ergreifen wolle, um den Jischuw in stärkerem Maße als bisher zur Deckung des Schulbudgets heranzuziehen. Wenn auch das Budget den Posten Erziehungswesen des ordentlichen Etats mit einer Summe von 76 000 £ für kulturelle Zwecke veranschlagt, wovon allein für die palästinensischen Schulen 67 000 £ bestimmt sind, so ist doch eine immer stärkere Heranziehung des Jischuw, eine immer stärkere Übernahme der Verantwortung für das palästinensische Schulwesen durch die palästinensische Judenschaft nicht allein wünschenswert, sondern auch notwendig. Trotzdem kann nicht gesagt werden, daß die Zionistische Organisation sich von der Bereitstellung von Geldern für kulturelle Zwecke, die durchaus nicht als unproduktiv angesehen werden dürfen, wird vollständig befreien können, oder daß sie die Erhaltung des hebräischen Kulturwerkes von den Kindergärten bis hinauf zur Universität und Bibliothek vollständig dem Jischuw auflasten darf; denn auch dieses Kulturwerk in Palästina ist ein nationaler Stützpunkt ersten Ranges, dessen Bedeutung für die Heimstätte und auch für die Eingliederung der Juden in den vorderen Orient nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Wichtigkeit rein wirtschaftlicher Anlagen hat der Kongreß anerkannt, indem er, wie erwähnt, T?auThallmaier München Thßatirier&r.tö. y&nzellane. iÄ immm