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Das jüdische Echo · 1923-09-07 · 36 (7.9.1923) · p. Seite 432

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
36 (7.9.1923)
Date
1923-09-07
Page
Seite 432 (sequence 8)
Language
German
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432 Das Jüdische Echo Nr. 36 sation möglich ist, die bisher unorganisierten Teile der Orthodoxie zusammenzufassen und zu gemeinsamer Arbeit zu erziehen. Wenn ihr diese sicherlich nicht leichte Arbeit gelingt und sie es versteht, gegen die Intransigenten im eigenen Lager Verständnis für das in anderen Organisationen Geleistete aufzubringen, wird sie gute Arbeit für das historische Judentum leisten können. Die Tabakkultur Palästinas Kurz nach der Übernahme der Verwaltung Palästinas durch den High Commissioner Herbert Samuel wurden die Privilegien der Türkischen Tabakregie aufgehoben und damit die Bahn zur Entwicklung einer ausgedehnten Tabakindustrie freigegeben. Bereits im Jahre 1921 wurden in einzelnen Kolonien Versuche in dieser Hinsicht unternommen, deren Resultat jedoch mit Rücksicht auf die Neuheit des Unternehmens und das Fehlen fachmännischen Rates ganz geringfügig blieben. Die Ernte ergab nur einen Ertrag von 500 kg. Im darauffolgenden Jahre nahm die Entwicklung indes in größerem Maßstab ihren Fortgang, da sich die Pflanzer nicht entmutiget ließen und auch eine Anzahl weiterer Landwirte sich dem neuen Kulturzweige zuwandte. Demgemäß erbrachte die Ernte des Jahres 1922 bereits eine Steigerung des Ertrages auf 25—30 000 kg. Hieran sind folgende jüdische Kolonien beteiligt: Metulla, Yessod-Hamala, Rosh-Pinah, Ain-Zeitim, Jlania, Beth-Gan, Yawniel, Mesha, Ain-Harod, Caesaria, Hedera, Petach-Tikwah, Jr-Ganim, Mikweh-Jsrael, Ben-Shemen, Nachlat-Yehuda, Rishon- Le-Zion, Ekron, Gedera und Ruhama. Über die mutmaßlichen Ergebnisse im laufenden Jahre liegen noch keine vollständigen Ziffern vor. Auf Grund zuverlässiger Mitteilungen seitens mehrerer der oben genannten Kolonien darf man mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit annehmen, daß sich die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahre um das Dreifache vergrößert hat und man wird daher mit einer Ernte von wenigstens 75 000 kg rechnen können. Dabei ist noch nicht in Betracht gezogen, daß sich aus einer Reihe von Gründen der Durchschnittsertrag pro Dunam ebenfalls erhöht haben dürfte. In erster Linie ist anzunehmen, daß die Steuerpolitik der Regierung in dieser Hinsicht wirkt, da die Regierung die Angaben nicht nach der Gewichtseinheit, sondern nach der angebauten Bodenfläche erhebt. Außerdem sind eine Anzahl lokaler Organisationen entstanden, die eine bessere Behandlung der Pflanzen und eine Reduktion der Spesen ermöglichen. Außerdem kommt noch hinzu, daß eine Reihe weiterer Dörfer sich der Tabakkultur zugewendet hat, so daß man alles in allem mit einem diesjährigen Gesamtertrag von 100 000 kg rechnen kann. Die Selbstkosten in den jüdischen Kolonien belaufen sich nach den Angaben des Trade u. Industry Departements der Zionistischen Palästina- Exekutive auf mindestens 11 bis zu höchstens 22 Piaster pro kg. Zweifellos dürften aber im laufenden Jahre diese Ziffern eine Ermäßigung erfahren haben. Die Einfuhrzölle der Tabakblätter betragen 43 Piaster und sind damit bedeutend höher als die Preise für inländische Ware, die in diesem Jahre schon zu dem dritten Teil dieser Summe zu haben sein dürfte. Der Tabakkonsum Palästinas ist verhältnismäßig sehr groß. Es dürften jährlich mehr als 300 000 Pfd. St. für die Einfuhr von Tabak außer Landes geschickt werden. Über die Organisation der tabakverarbeitenden Industrien ist zu sagen, daß es im Lande kleinere Zigarettenfabriken gibt, die jedoch aus Kapitalmangel, wie so viele andere rentable Betriebe Palästinas, ihre Produktion nicht so ausdehnen können, wie es der große Markt an sich gestatten würde. Während dieses Unternehmen mit einem Kapital von nur 4000 Pfd. St. gegründet wurde, müßte zu der Errichtung eines wirklich großen Unternehmens, das den Verhältnissen des Landes gerecht wird und alle Möglichkeiten ausschöpfen wollte, nach der Ansicht des Trade u. Industry Departements ein Kapital von 20 000 Pfd. St. aufgewendet werden. Ein solches Unternehmen könnte leicht mit den Pflanzern Lieferungsverträge schließen, wonach sie ihm ihre gesamte Ernte, sobald sie genügend getrocknet ist, überlassen. In der Praxis hat das bereits der ägyptische Zigarettenfabrikant Maspero mit der Palestine Tobacco Growers Association zugunsten seiner Fabrik in Jaffa gemacht. Nötig wäre es ferner, daß dem Betrieb ein eigenes Lagerhaus an einem Hauptplatz, nahe an einer Eisenbahnlinie, und einer Abteilung zur Herstellung der Zigarettenschachteln angegliedert würde. Des weiteren müßte er über eigene Beförderungsmittel verfügen, um die Ware schnell im ganzen Lande absetzen zu können. Indes ist die Verwirklichung dieses Projekts von den verfügbaren Geldmitteln abhängig, und diese gestatten seine Durchführung noch nicht. Feuilleton Die Versöhnung Von Martha Nothmann Das ging so jahraus, jahrein. Stets gab es Zank und Streit in dieser elenden kleinen Judengemeinde. Not und Elend sind nun einmal schlechte Brillen, um die Mitwelt zu betrachten. Gerade am ersten Tag Sliches war es wieder zu einem so heftigen Streit gekommen, daß die ganze Gemeinde in zwei Teile gespalten wurde. Die ganze Sache war natürlich gar nicht der Rede wert gewesen. Der Rabbiner hatte dem alten Nathan die erste Sliche zugesagt, der Chammes hatte aber zuerst den langen Moses aufgerufen. Nathan war tot gekränkt, und seine Freunde hetzten ihn noch mehr auf. Andere aber hielten zum Rabbiner und als sich dann die Frauen erst einmischten, wollten die Bosheiten hinüber und herüber kein Ende nehmen. Nathans Frau lief gleich zur Rebbezin und holte sich den Mörser wieder, den sie ihr geborgt. Die Frau des Melamed riß die Wäsche herunter, die Moses Frau bei ihr aufgehängt hatte. Dann kam die Geschichte mit dem Polizisten, der schwer betrunken Haussuchungen abhielt, — eine Partei beschuldigte die andere, sie hätte ihn aufgehetzt, und als einmal der Schlüssel zur Betschule verloren gegangen war, da glaubte jede Partei, die andere wolle ihr einen Streich spielen. Man machte sich das Leben zur Hölle. Als nun die großen Feiertage kamen, weigerte sich Nathan mit seinen Freunden, an dem Gottesdienst in der Synagoge teilzunehmen. Sie hielten ihre eigene Andacht in Reb Nathans steinernem Haus am Markt ab. Und sie feierten das Neujahrfest, das Fest, das die Tore aufschließt zum neuen Jahre. Und sie gingen durch die Pforte des Rosch-Haschanah, und sie betraten das neue Jahr, das so weiß und unberührt und so geheimnisvoll wie eine Schneedecke daliegt. Und sie hörten das heilige Schofarhorn, das bis zum Himmel dringt, und sogar in Gottes Ohr wieder klingt. Aber an unversöhnten Gemütern sind die Tage der Erhebung vorübergegangen. Gleich nach dem Fest haben die Zänkereien wieder angefangen, und das Leben wird immer unerträglicher. Und nun

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