Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 35 (31.8.1923)
- Date
- 1923-08-31
- Page
- Seite 420 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Das Jüdische Echo Nr. 35 i I ( Wer für den Nationalfonds wirbt, gewinnt uns Boden. Jeder sammle und spende zu Roschhaschanah für den Nationalfonds. Einzahlungen erbeten auf Postscheckkonto München 10121 Das Land Jadjur liegt nur 7—11 Kilometer von Haifa entfernt und ist mit dieser Stadt durch die gute Chaussee Haifa—Nazareth, die Eisenbahn Haifa—Damaskus und den freilich nicht schiffbaren Krukon verbunden; Straße, Bahn und Fluß durchqueren das Terrain etwa in der Mitte. Das Land wurde erst kürzlich von der Palestine Land Development Co. erworben, ein Teil wieder an eine Gesellschaft zum Bau einer großen Zementfabrik weiter verkauft, 3000 Dunam übernahm der Nationalfonds, um dort eine nach dem verstorbenen Dr. Tschlenow zu benennende Siedlung zu begründen. Hierfür den ersten Grundstein zu legen, ist eine ehrenvolle Aufgabe des deutschen Nationalfonds. Das .Hauptbüro des Nationalfonds in Jerusalem hat nämlich der deutschen Landesstelle des Jüdischen Nationalfonds den Vorschlag gemacht, 1000 Dunam zu übernehmen, und es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß die 8000 Pfund, die nötig sind, um die 1000 Dunam auszulösen, in Deutschland in zwei Jahren aufgebracht werden können. Der größte Teil des Landes besteht aus sehr fruchtbarem Schwemmland, dem Wasser behufs Bewässerung einerseits vom Rischonfluß durch ein Pumpwerk, andererseits durch gewöhnliche Pumpen aus dem Grundwasesr, das hier nur wenige Meter unter der Oberfläche in reicher Menge vorhanden ist, zugeführt werden kann. Der kleinere Teil des Landes hebt sich an den Hängen des Karmel hinauf und dürfte sich, wo der Abhang nicht zu steil ist, zur Anlegung von Pflanzungen eignen, besonders von Tafeltrauben, Oliven- und Johannisbrotbäumen, welch letztere ja am Karmel besonders gut gedeihen. Auch lasse sich wohl hier ein geeignetes Terrain für eine Gartensiedlung ausfindig machen, die für Leute, die auf dem Lande wohnen, aber in Haifa ihren Geschäften nachgehen wollen, eine große Ansiedlungskraft haben würde. Denn die Aussicht von dort ist wunderschön, über das große fruchtbare Tal der Emek Israel hinüber nach den galiläischen Gebirgen, die überkrönt werden von dem meist schneebedeckten Hermons, und links die große blaue Bucht, an den Flanken begrenzt von den Städten Haifa und Akka. Durch die Nähe der Stadt Haifa, die schon in den nächsten Jahren einen für große Seeschiffe geeigneten Hafen erhalten wird, ist der Absatz von Gemüse gesichert, und wenn es sich herausstellen sollte, daß ein größerer Gemüseexport sich lohnt, würde hier die Möglichkeit geboten sein, daß sich die vorläufig kleine Gärtnersiedlung zu einem großen Gemüsezentrum entwickelt. Auch die Hunderte von Arbeitern der Zementfabrik und die zukünftigen Bewohner der Gartensiedlung am Karmel bei Jadjar eröffnen den Gärtnern ein gewisses Absatzgebiet, so daß die wirtschaftlichen Aussichten als geradezu hervorragend bezeichnet werden können. Wenn jeder deutsche Jude sich nach Kräften an der Aufbringung der Mittel für den Nationalfonds beteiligt, und aus den in Deutschland gesammelten Geldern des Keren Hajessod das lebende und tote Inventar der Siedlung gedeckt wird, so wird schon in ein bis zwei Jahren ein neues Kulturzentrum in Palästina entstanden sein, das den deutschen Zionisten, die es aus eigenen Kräften trotz der schlechten Valuta geschaffen haben werden, zur Ehre gereicht. O. W a r b u r g. Freiwillige Leistung Freiwilligkeit ist das edelste Gut des Menschen. Was er ohne Zwang von außen tut, nur dem Gesetze seines eigenen Wesens folgend, was aus ihm tritt wie die Schriftzüge seiner Hand und die Geberde seines Ganges, unabhängig von seiner Beeinflussung und selbst seiner Kontrolle, ist das reinste Maß mit dem Menschen überhaupt gemessen werden können. Freiwilligkeit baut sich auf aus begeisterter Hingabe oder reifster Einsicht und aus welcher von beiden auch folgend, immer hat sie zum Mutterboden die besten Güter unserer zweispältig-einheitlichen Natur. Wir messen Zeitalter der Bedrängnis an der Heftigkeit und Breite, mit der Freiwilligkeit aus ihnen strömte, sie weist ihnen den Rang an unter den denkwürdigen Epochen der Völker, die Frauen Karthagos und die Männer der Kreuzzüge, die Gefolge der Makkabäer und die der französischen Revolutionsheere, die Anstrengung Preußens Anno Dreizehn und die aller Nationen zwischen 1914 und 1918 werden verbunden und verewigt durch die große und opfervolle Freiwilligkeit, mit der sie auf die Not der Zeiten antworteten, und vom Bau der Stiftshütte an sind die großen Heiligtümer der Völker, die durch ihre vollkommene Gestalt heute noch ausdrücken, daß sie aus erfüllter Seele, im durchfüllten Wissen um ihre erlösende und heiligende Sendung in die äußere Welt traten, Kinder der menschenverbindenden Freiwilligkeit. Freiwilligkeit des Selbsteinsatzes ist die adelnde Antwort auf große Not, wie Selbstaufgabe die knechtische darauf ist; ob einer in die Bresche springt, oder ob er sich im Keller verkriecht oder gar in Feindeskleid verkleidet, wenn Angriff hereinbricht, daran erkennt man wer einer ist. Die Leistung von Juden für Juden ist seit zwei Jahrtausenden auf Freiwilligkeit gegründet gewesen. Sie war der Ausdruck eines Verbundenheitsgefühls, das hoher Verantwortlichkeit des Einzelnen fürs Ganze glich. Und wenn es sich bei solcher Leistung auch meist nur um Geld handelte, war dies Geld doch nicht nur Geld. Geld war für den Juden als Erwerber der einzige Bürge halbwegs unbedrohter Existenz, der einzige Hebel, mit dem er Gefahren und Einengungen von außen her wegwälzen konnte; es war für den Juden als Geber die Mauerkelle mit Bezmedresch und Mikwe, Jenhiwe und Cheder, Talmud Thora und Chewra Kedischa aufgebaut, ausgebessert und erhalten wurden; es war nicht die Mizwa, aber das Werkzeug der Mizwoth war es in den meisten Fällen, und von der Schwere des Erwerbs und der Frömmigkeit des Zwecks erhielt es selbst, das vergängliche Geld, Würde und Dauer. Die Not dieser Zeit ist sehr groß und ihr Druck auf jeden von uns sehr schwer. Auf das Ganze aber, dies bröckeliche, nur schwach noch zusammenhängende Ganze der Judenheit, legt er sich mit gefährlichem Gewicht. Wir versuchen, im Erez Jsrael eine Stelle minderen Drucks und weit offener Zukunft zu schaffen, und wissen, daß es sehr schwer ist, Scharen Freiwilliger sind hinübergegangen, wahrhafte Soldaten der Zukunft und Krieger gegen die schwierigsten Umstände. Ich glaube, wir sollten sie nicht im Stich lassen;