Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 35 (31.8.1923)
- Date
- 1923-08-31
- Page
- Seite 419 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 419 Fruchtbarkeit und Leben durch das Mittel des Geldes zuzuleiten, ist nicht nur intakt, sondern beträchtlich erweitert und ausgebaut worden, die politische Situation ist dank den Anstrengungen der Leitung zwar ernst, jedoch keineswegs gefährlich. Dementsprechend kann auch nur ein durchaus befriedigendes Urteil als Fazit dieses ersten Abschnittes der Kongreßarbeit gefällt werden. Das Gefühl, in der abgelaufenen Epoche eine zuverlässige und mehr als das, eine vielleicht geniale Leitung im Dienste des jüdischen Volkes gehabt zu haben, einer Bewegung anzugehören, zu deren Führern uneingeschränktes Vertrauen möglich ist, dieses Gefühl allein konnte schon dem Kongreßbesucher das befriedigende Bewußtsein verleihen, einen Kongreß mitgemacht zu haben, bei dem „etwas herausgekommen“ ist. Selbstverständlich aber konzentrierte sich das Interesse mehr noch als auf die Beurteilung der Vergangenheit, auf den Wunsch, für die Zeit nach dem Kongresse eine möglichst noch günstigere Situation geschaffen zu sehen, auf die Bestrebungen, bisher begangene Fehler, wenn irgend möglich für die Zukunft zu vermeiden. Im Mittelpunkte der Diskussion mußte hier natürlich der von Weizmann aufgestellte Plan der Erweiterung der Jewish agency stehen, mit dem die Frage der zukünftigen Leitung naturnotwendig aufs Engste verbunden war. Von dem Ergebnisse der hierauf bezüglichen Beratungen hing also letzten Endes das weitere Schicksal des Aufbauwerkes ab und erst eine glückliche Lösung dieser schwierigen Probleme konnte den Kongreß als ganzes zu einem Guten machen. In einem weiteren Artikel sollen die Ergebnisse dieses zweiten Teiles der Kongreßberatungen in der nächsten Nummer dieses Blattes kurz kritisch gewürdigt werden. Li-r. Rosch-Haschanah und Jadjur Es ist ein Zeichen bester jüdischer Tradition, daß wir unsere Feste nicht nur zu Tagen der Freude und des Glanzes für uns und unsere nächsten Angehörigen, sondern eingedenk unserer Verpflichtungen gegenüber der Gesamtheit zu großzügigen Spendentagen für alle diejenigen gestalten, die nicht in der Lage sind, aus eigenen Kräften Feste wahrhaft festlich zu begehen. Der Keren Kajemeth Lejsrael, der nunmehr seit 22 Jahren das hohe Ziel verfolgt, Grund und Boden in Erez Israel zu erwerben und ihn mittellosen Ansiedlern in Erbpacht zu geben, gehört wohl in die erste Reihe der Institutionen, die ein guter Jude bei derartigen Anlässen einfach nicht übergehen darf, wenn er die Befriedigung haben will, jüdisch gehandelt zu haben. Wer die Entbehrungen und Leiden der Chaluzim aus eigener Anschauung kennt, der wird zu würdigen verstehen, was es für den Landwirt gewordenen Studenten oder Kaufmann bedeutet, nach jahrelanger Beschäftigung bei Notstandsarbeiten aller Art, beim Straßenbau, bei Austrocknung von Sümpfen in malariareichem Gelände usw. ein Stück Land zugewiesen zu erhalten, auf dem er endlich dem erstrebten Ziel, der Ansässigmachung auf eigener Scholle im eigenen, jüdischen Lande zugeführt wird. Der deutschen Abteilung des Keren Kajemath ist es nach schwierigen Verhandlungen gelungen, die Grundlage für eine neue Kolonie in Jadjur bei Haifa zu schaffen. Zu diesem Zwecke müssen bis Ende 1924 1000 Dunam Land ausgelöst werden, wofür der sehr erhebliche Betrag von 8000 Pfund erforderlich ist. Von den Rosch-Haschanahspenden, die die wesentlichste Einnahmequelle des Keren Kajemath bilden, erwarten unsere Brüder in Erez Israel die notwendigen Gelder zur Durchführung dieses großen und schönen Projektes. Der Keren Kajemath wird in den nächsten Tagen und Wochen auf die eine oder andere Weise an alle Juden in Deutschland mit der Bitte herantreten, ihn durch die Geldentwertung entsprechende Spenden bei seiner schweren und verantw ortungsvollen Aufgabe zu unterstützen. Wir vertrauen darauf, daß die Leser des „Jüdischen Echo“ sich in hervorragendem Maße daran beteiligen werden, den Grundstein zu einer neuen Kolonie in Palästina durch ihr Gedenken an Rosch- Haschanah zu legen. Über die Entwicklungsmöglichkeiten von Jadjur schreibt Prof. Warburg, der wohl als der beste Fachmann in dieser Beziehung angesehen werden darf, folgendes: Eine Gartensiedlung bei Haifa. Die Idee, nahe bei Haifa mit in Deutschland gärtnerisch ausgebildeten Chaluzim die Grundlage einer Gartensiedlung zu legen, kann überall mit Freude begrüßt werden. In der Tat eignet sich das karge in Aussicht genommene Nationalfondsland Jadjur ausgezeichnet für diesen Zweck, und ich glaube nicht, daß eine besser hierfür passende Lokalität in Palästina ausfindig gemacht werden kann, abgesehen davon, daß man sie erst kaufen müßte, was, da die Mittel des Nationalfonds gegenwärtig durch alte Verpflichtungen in Anspruch genommen sind, bedeuten würde, einige Jahre zu warten, um die Kaufgelder für das Land erst zusammenzubringen. In Jadjur kann man dagegen sofort mit einer von den Gärtnern geleiteten Kwuza beginnen, sobald man die geringen Betriebsmittel für die im Anfang etwa 15 jungen Leute zusammengebracht haben wird. POBZELL1N-NIEDEBMG1 MÜNCHEN THEATINERSTRASSE j» gegenüber der FeldhermhmUe «BÖSSTE AUSWAHL KM «EKBAOCHSrHBZELLAI TÄeLICHE l.A«BBElt6ÄIZVK«