Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 34 (24.8.1923)
- Date
- 1923-08-24
- Page
- Seite 397 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 409 können zwei Arten von solchen unterscheiden: die vorbereitenden Kwuzoth (Okkupationsgenossenschaften) und die dauernden Kwuzoth (Siedlungsgenossenschaften). Die Kwuzah zum Zwecke der Okkupation bereitet den Boden für die künftige Ansiedlung vor und schafft durch Ausscheidung der unpassenden Mitglieder eine homogene Gruppe, die, wenn sie dann als Siedlungsgruppe arbeitet, eine größere Gewähr für Erfolg bietet. Die Vorwürfe, die man von mancher Seite gegen unsere Kwuzoth hört, sind unberechtigt, denn man muß bedenken, daß neue Formen für unsere Kolonisation gesucht werden müssen. Wir können nicht einfach den russischen Muschik oder den Landwirt irgend eines anderen Landes kopieren. Dazu ist unser Menschenmaterial zu eigenartig. Es läßt sich nicht einfach in soziale Formen hineindrängen, die für andere Völker und andere Länder bestehen; es muß sich die ihm adäquaten Formen sozialen Zusammenlebens schaffen. Ich möchte nur einige Worte sagen über unsere landwirtschaftlichen Arbeiter überhaupt. Ich bin nicht blind gegen ihre Fehler. Es fehlt den meisten von ihnen eine gründliche berufliche Ausbildung, es fehlt ihnen vielfach der Sinn für Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit, ich habe häufig mit Bedauern Mangel an Ordnungsliebe und an ästhetischem Sinn bemerkt. Aber diese Fehler sind nicht spezifisch für sie; es sind die Fehler des ganzen jüdischen Volkes in den Ländern, aus denen unsere Einwanderer kommen. Und es ist mir klar, daß sie durch die Reise von Osteuropa nicht mit einem Male alle diese Fehler verlieren, sondern daß dies Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Wir sollen zwar nicht müde werden, eine Änderung und Besserung zu fordern, sollen aber nicht verzweifeln, wenn der Fortschritt nur langsam ist. Den Fehlern stehen große Vorzüge gegenüber und im ganzen haben wir alle Ursache, auf diese Jugend stolz zu sein. Aber sie ist nicht ein leicht formbarer Ton; sie ist vielmehr ein sprödes Material, das leicht zerbricht, wenn es nicht vorsichtig angefaßt wird. De Lieme bekämpft in seiner Broschüre, daß wir dem landwirtschaftlichen Ansiedler das „full equipment“ geben, so wie er es schon in dem Bericht der Reorganisationskommission vor zwei Jahren getan hat. Wenn geeignete Ansiedler mit einigen Mitteln vorhanden sind, ziehen wir sie sehr gerne Unbemittelten vor. Aber leider gibt es nur sehr wenige Bemittelte und bei diesen wenigen ist es gewöhnlich so, daß, je mehr Mittel sie haben, um so weniger landwirtschaftliche Vorbildung und Eignung und Neigung zu schwerer körperlicher Arbeit vorhanden ist. Das ist für den schließlichen Erfolg der Kolonisation ein größeres Minus als das eigene Kapital an Plus bedeutet. Der Unterschied zwischen jenem, der ein Programm für die Arbeit in Palästina aufstellt, und dem, der die Arbeit in Palästina führt, ist der zwischen Zeichner und Erbauer. Die Arbeit am Zeichenbrett ist leichter als die Arbeit beim Bau. Aber dafür ist das Resultat im ersten Fall eine Zeichnung, im zweiten ein Haus. Ich kann also in diesem Fall wie in manchem andern das Programm von De Lieme nicht akzeptieren. Aber ich würde der Zionistischen Organisation vorschlagen Herrn De Lieme mit seinem Programm zu akzeptieren, weil ich überzeugt bin, daß er, wenn er in Palästina ist, sich von der Wirklichkeit korrigieren läßt und sie nicht in das Prokrustesbett seiner Theorie zwängen wird. Nachtsitzung Karlsbad, nachts 11 Uhr. Der große Saal des Hotels „Schützenhof“, das als Kongreßgebäude nun schon anfängt, historische Bedeutung zu bekommen, ist bis auf den letzten nur irgendwie verfügbaren Platz gedrängt voll mit Delegierten und Gästen aus allen möglichen Ländern der Welt. Kopf an Kopf drängen sich in den Logen und Tribünen die Menschen, die ungachtet der enormen Kosten aus Amerika, aus Australien, kurz von überall her gekommen sind, mit dem einzigen Ziele teilzunehmen an der großen, von Herzl geschaffenen Institution, an dem jüdischen Volksparlament, am Kongreß. Glücklich die, die mit einer Einlaßkarte bewaffnet den fünffachen Kordon der mit der blau-weißen Binde versehenen Ordner passieren können; denn draußen auf der Straße stehen, ach so viele, die sich in ihrer sehnsüchtigen Erwartung getäuscht sehen, die so kurz vor dem Ziele ihrer Wünsche wieder umkehren müssen und noch garnicht begreifen können, daß alle von ihnen gebrachten Opfer an Zeit und Geld vergebens sein sollen, weil es ihnen nicht möglich war, dieses banale Stückchen Papier, die Eintrittskarte zu beschaffen. Drinnen im Saale ist die Erregung von Minute zu Minute gestiegen. Noch sprechen die letzten Redner der Generaldebatte und obwohl man die Redezeit schon auf das äußerste erträgliche Maß herabgesetzt hat, findet man doch nicht mehr die Geduld, den Sprechenden die nötige sachliche Aufmerksamkeit zu widmen. Kleinste Anlässe genügen um stürmische Ausbrüche des Beifalls oder des Unwillens hervorzurufen. Scharf platzen die Gegensätze zwischen der von den Arbeitervertretern gebildeten Linken und dem konserva- PORZELLM-NIEBEBU«B MÜNCHEN THEATINERSTRASSE »» gegenübtr der FtldhermhmHs «•ASRTI AH8WAB1 IN 8EBBIUCISP9BZEKLAH TifiLICHE BA8BBBB6ÄBBVX«