Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 33 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- Seite 399 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 33 Das JGdiscbe Echo 399 Berl Kaznelsohn (Palästina) von den Hitachduth wendet sich mit Entschiedenheit gegen die Erweiterung, betont, daß der Zionismus im Augenblick noch von dem mächtigen Fluidum jüdischer Volkskraft beseelt sei und in der Urkraft des jüdischen Proletariats Wurzeln geschlagen habe. Die Leute der neuen Jewish Agency aber, die Leute mit der klimpernden Unterlage, werden Zusehen, während andere intensiv und mit Einsetzung der ganzen Persönlichkeit arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Dr. Schwarzbarth (Westgalizien) erklärt, die westgalizische Landsmannschaft bekämpfe den Standpunkt Grünbaums. Nichtsdestoweniger sei es Aufgabe des Kongresses, eine Formel zu finden für die Schaffung einer einheitlichen Front. Er glaube, es seien Anzeichen vorhanden, daß eine solche Formel gefunden werden wird. Was die Frage der Zusammensetzung betrifft, so muß eine Formel gefunden werden, welche die Einberufung des jüdischen Kongresses in späterer Zeit ermöglicht. Es müßte bei Heranziehung der verschiedenen Vertreter der jüdischen Organisationen die Bedingung aufgestellt werden, daß sich diese Delegierten prinzipiell mit der Idee eines Weltkongresses einverstanden erklären. Dies könnte auch für die Gruppe Grünbaum als Garantie genügen und es würde auch den Beschlüssen der meisten Landeskonferenzen entsprechen. Was die Frage der Verantwortlichkeit betrifft, so glaube ich, daß auch die Amerikaner bereits eine solche Verantwortlichkeit verlangen. Es gibt keine provisorische Jewish Agency, die nicht durch eine Verantwortlichkeit gebunden wäre. Benderski (Dror, hebräisch): Wir stehen auf dem demokratischen Prinzip; aber da keine Zeit zum Warten ist, so stimmen wir *dem Gedanken der Konferenz auf demokratischer Basis zu. Wir verlangen, daß man ohne Kompromisse und ohne Provisorium sich entscheide. Schächter (Rumänien): Die rumänische Landsmannschaft ist für die vor geschlagene Erweiterung der Jewish Agency. Unsere Erfahrungen bei der Durchwanderung haben uns gelehrt, daß die Heranziehung einflußreicher Kreise nützlich sein kann. Suchowicky (Misrachi): Der Misrachi steht auf dem Standpunkt, daß nur der jüdische Weltkongreß eine Erweiterung bringen kann. Wir müssen aber, da die Zeit drängt, den Weltkongreß durch eine Erweiterung der Jewish Agency vorbereiten. Wir haben heute keine Wahl mehr, denn die Parole ist einmal ins Volk geworfen worden. Daher schlage ich eine Resolution vor, die ausspricht, daß wir die möglichst rasche Verbreiterung der Jewish Agency wünschen. Die Beteiligten müssen der Balfour- Deklaration zustimmen. Die Agency muß vor dem Weltkongreß verantwortlich sein, welcher innerhalb zwei Jahren zusammentreten soll. Der Kongreß soll eine Kommission wählen, die unabhängig von der Exekutive im Einvernehmen mit der Jewish Agency den Weltkongreß vorbereitet und einberuft. Dr. Alfred Klee (Deutschland): Als Vertreter einer Richtung, welche die Heranziehung von Nichtzionisten zum Programmpunkte hat, müßte ich die Stimmung des Kongresses begrüßen. Es ist allerdings höchst zweifelhaft, ob der Weg zur Jewish Agency der richtige ist. Wir machen einen Sprung ins Dunkle. (Rufe: Sehr richtig!) Dadurch, daß wir in gemeinsamer Arbeit in verschiedenen Ländern uns die Achtung errungen haben, dadurch, daß wir nationale Politik geführt haben, haben wir die Vorbedingungen für die Macht geschaffen, die wir heute besitzen. Wenn wir die Erweiterung der Jewish Agencv durchführen, werden wir gerade mit jenen Leuten zusammensitzen, welche diese Arbeit nicht gewollt haben. Es kann geschehen, daß sie uns Bedingungen stellen, die nationale Arbeit in dem einen oder anderen Lande zu unterlassen. (Lebhafter Beifall.) In dem Kongreß ist eine Stimmung entstanden, als ob durch Erledigung der Frage der Jewish Agency eine Lösung unserer Probleme gefunden wäre. Vor dieser Stimmung warne ich Sie. Wenn Sie nicht begreifen werden, daß unsere organisatorische Arbeit auch in Palästina einsetzen muß, wird auch die Erweiterung der Jewish Agency nichts nützen. Der Keren Hajessod muß bleiben, aber als Organ des Aufbaues ist er untauglich. Die Montags-Sitzung. Rabbiner Dr. Nacht (Braila): Ich teile nicht die Ansicht, daß die Heranziehung neuer Kräfte uns schaden wird. Wir müssen zu Weizmann Vertrauen haben und ihm glauben, daß er den zionistischen Gedanken nicht untergraben wird, und wir können überzeugt sein, daß Weizmann, der kein Anhänger großer Theorien ist, den richtigen Weg geht. Neue Kreise müssen herangezogen werden, und wir haben die Garantie, daß diese Heranziehung nur in zionistischem Sinne geschehen kann, durch Artikel 4 des Mandats. Der Moment ist zu wichtig, als daß wir hier Opposition treiben dürften. (Beifall.) Ussischkin, mit lebhaftem Beifall empfangen, spricht hebräisch: Seit einem halben Jahre beschäftigt sich die jüdische Welt nicht mit der Arbeit in Palästina, sondern mit der Jewish Agency. Vier Jahre streben wir dahin, unsere Kräfte aufzufrischen. In diesem Bestreben hat man vergessen, zu überlegen, ob die Erweiterung dieser Kräfte Erneuerung herbeiführen kann. Ich meide die Abmachungen hinter den Kulissen und ich spreche mich hier aus. Jeder faßt das Wort Jewish Agency anders auf und gibt ihm einen anderen Inhalt. Wir haben zwei Aufgaben. Wir müssen unsere politische und ökonomische Position stärken; diese beiden Arbeiten sind gesondert, aber sie wirken aufeinander ein. Weizmann hat seinerzeit selbst erklärt, daß die Jewish Agency nur mit der politischen Arbeit etwas zu tun hat, nichts aber mit dem ökonomischen Aufbau des Landes. Die besten Elemente unter den Palästinaarbeitern, vor allem Edmond Rothschild oder die „Ica“, wollen nicht in die Jewish Agency gehen, auch die Alliance Israelite nicht. Ich frage mich, wer sind die Kräfte, die die Arbeit in Palästina von der Aufnahme in die Jewish Agency abhängig machen. Auch die Brandeis-Gruppe will nicht eintreten. (Zwischenruf des Delegierten Dr. Halpern: Das ist nicht richtig!) Sind aber solche Organisationen da, die für Palästina arbeiten, dann soll man sie nehmen; es besteht aber bereits eine Institution, welche nichtzionistische Palästinafreunde mit uns vereinigt: Das ist der Keren Hajessod. Den Mut, den die Chowewe-Zion vor 20 Jahren gegenüber Rothschild aufbrachten, als sie sagten: „Das Geld ist dein, aber Erez Israel ist unser“ — diesen Mut wird man nach allem, was man hören mußte, nicht aufbringen. Für die Arbeiten in Palästina selbst sind andere als zionistische Elemente unmöglich. Ussischkin erinnert