Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 33 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- Seite 397 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 397 ein Versuch, die schwer erworbene Position zu halten, durch einen Plan, der vielleicht lückenhaft ist. Sie haben zu wählen zwischen dem einen Plan und dem anderen. Sie haben aber auch zu wählen zwischen den Männern, die an diesen oder an jenen Plan glauben. Zwingen Sie nicht Ihren Führer, das durchzuführen, woran er nicht glaubt, und glauben Sie nicht, daß Sie einem das Leben verbittern können und zum Schlüsse an seine Loyalität und seinen Patriotismus appellieren können, daß er doch mittue. Das wird diesmal nicht gehen. C’est ä prendre ou ä laisser. You must choice the one way or the other. Sie haben zu wählen zwischen dem einen oder dem anderen System. Dann werden Sie sich Ihre Entscheidung in Ruhe überlegen, Sie werden in Ihrer Weisheit Ihre Beschlüsse fassen und ich werde mich Ihren Beschlüssen beugen. (Lang andauernder stürmischer Beifall, die Delegierten erheben sich von den Sitzen und bringen Hochrufe auf Weitzmann aus.) Samstag-Nachtsitzung. Beginn der Debatte über die Jewish Agency. Dr. Solowejtschik (jüdisch): Die Frage der Jewish Agency ist in der Generaldebatte vielfach behandelt worden, sie muß aber einer tieferen Betrachtung unterworfen werden. Wir wollen neue Menschen heranziehen, aber in jedem Lande sind die Voraussetzungen verschieden. Es muß eine Form gefunden werden, die für alle Länder paßt. Es ist ein Kampf gegen die Geographie. Leider ist diese Frage von der Presse zu -einer Streitfrage gemacht worden. Es wurde künstlich die Meinung gezüchtet, daß es in dieser Frage Ja- und Neinsager gibt. Die Frage lautet überhaupt nicht ob, sondern wie die Heranziehung erfolgen soll. Der Redner stellt fest, daß die Meinungen nicht nur in der Organisation, sondern auch in der Exekutive verschieden waren. Ich habe den Auftrag, einen objektiven Bericht über die Differenzen innerhalb der Exekutive zu geben. Daneben werde ich mir auch gestatten, meine persönliche Meinung zu sagen. Daß die Frage der Heranziehung überhaupt diskkutiert wird, ist die Frucht unserer politischen Erfolge. Früher arbeiteten wir sub specie aeternitatis, jetzt aber unter dem Zwange einer Frist. In unserem Kalkül ist das Element „Zeit“ beschränkt worden, dieses zwingt uns zur Heranziehung neuer Kreise. Die englische Regierung hat erklärt, daß sie an der Frage der Form der Jewish Agency desinteressiert ist und den Zionisten freie Hand gibt. Eines steht fest: daß durch die Erweiterung der Jewish Agency der Zionismus nicht den Charakter einer Volksbewegung verlieren darf, ebenso darf auch der soziale Charakter des Kolonisationswerkes nicht angetastet werden. Die Jewish Agency wird immer mehr der Träger der konzentrierten nationalen Energie des Judentums werden müssen, wenn sie ihre im Mandat vorgeschriebene Aufgabe erfüllen will, weshalb diese Frage ein Zentralproblem der Zionistischen Organisation ist. Unverantwortlich ist es, zu sagen, daß an der Zionistischen Organisation nichts gerührt wird, wenn die Jewish Agency erweitert wird. Das ist unmöglich, wir werden unbedingt verlieren. Die Zionistische Organisation muß Machtbefugnisse aufgeben. Es ist ferner zu bedenken, daß diese Institution einen internationalen Charakter hat und daß wir nicht mehr werden zurück können, wenn die neue erweiterte Form der Jewish Agency ins Leben getreten ist. Die letzte Zionistische Jahreskonferenz hat als die richtige Form für die Heranziehung der Nichtzionisten den jüdischen Weltkongreß erachtet. Wir hatten aber wahrlich kein Glück mit dem jüdischen Weltkongreß. Ich glaube an den jüdischen Weltkongreß, aber er muß sich eine Leitung wählen, welche in ihrer Gesamtheit an ihn glaubt und dann wird er zustande kommen. Bisher war diese wichtigste Bedingung in der Exekutive nicht gegeben. Meine Meinung ist: Wenn wir keinen Gegensatz schaffen wollen zwischen uns und den Chaluzim, zwischen uns und dem Jischub, so ist die Erweiterung der Jewish Agency nur auf dem einzigen Weg über den jüdischen Weltkongreß möglich. Betreten wir einen anderen Weg, so muß es zu einer Spaltung in unseren eigenen Reihen kommen. Die Jewish Agency darf nicht nach dem Prinzip gebaut werden, nach welchem das Komitee der jüdischen Delegationen beim Friedenskongreß gebildet wurde. Der nichtzionistische Teil der Jewish Agency muß sich so zusammensetzen, daß die einzelnen Mitglieder nicht die Repräsentanten einzelner Länder sind. Deshalb ist es notwendig, daß das Mittelglied einer Konferenz geschaffen wird. Diese hat den Rat zu bilden, welcher mit unserer Instanz, dem Zionistischen Aktionskomitee, zur Wahl der obersten gemeinsamen Instanz zusammenzutreten hat. Nur diese Form der Bildung der Jewish Agency hält der Referent für zweckmäßig und möglich. Zum Schlüsse behandelt Dr. Solowejtschik die Frage des Provisoriums. Er erinnert daran, daß das Aktionskomitee eine Studienkommission eingesetzt hat. Diese hat davor gewarnt, die Spitze zu schaffen, bevor der Unterbau gesichert ist. Hauptaufgabe dieses Kongresses ist: er muß der künftigen Leitung genau vorschreiben, wie die Jewish Agency zu bilden ist. Der Redner warnt davor, sich mit allgemeinen Anweisungen zu begnügen. Er sagt: Ich hoffe, daß der Kongreß sich einstimmig aussprechen wird gegen das System der Carte blanche. Kurt Blumenfeld (Deutschland): Die Überlegung über die Erweiterung der Jewish Agency muß davon ausgehen, daß die Zionistische Organisation auch in einem erweiterten Kreise notwendig ist. Es bedarf nämlich konzentrierter Kraft, niemals können alle Mitglieder des Volkes bewußt Träger einer nationalen Entwicklung sein, daher könnte auch nach einem Weltkongreß die Zionistische Organisation sich nicht auflösen. Haupteinwand gegen die Erweiterung ist die Behauptung, daß sie die Zionistische Organisation zerstören oder allmählich auflösen müßte, und Grünbaum hat gesagt, daß die Bündnispolitik der letzten Jahre sie bereits geschwächt hat. Diese Behauptung ist unrichtig. Die tatsächliche Verfallserscheinung, die sogenannte Krise im Zionismus, hat andere Gründe. Abgesehen von Gründen äußerer Natur — der Zusammenbruch Europas, die allgemeine Reaktion und Bankrottstimmung —, gibt es innere Gründe. Erstens die innere Unsicherheit innerhalb der Organisation; man fühlt, daß die Theorien nicht mehr ausreichen; zweitens das Ende der alten zionistischen Propagandamethode, die auf der Überzeugung basierte, daß man jeden Nichtzionisten einfach durch Erklärung des Gegenstandes zum Zionisten machen könnte. Der Zionismus ist keine Bewegung, die zwangsläufig Juden nach Palästina führt. Zionismus ist Verneinung des Galuth. Kolonisieren können nur Menschen, die nicht das Galuth als Normalzustand betrachten, sondern denken, daß sie sich gänzlich um-