Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 33 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- Seite 396 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Das Jüdische Echo Nr. 33 haben Ihnen die Geschicke der Partei anvertraut, — nennen uns, die bekannt geben: „Wir haben Verhandlungen geführt, es gibt Kreise, die unter diesen und diesen Bedingungen mitarbeiten werden und den Keren Hajessod verdoppeln und verdreifachen können“, Verräter, Fascisten, Diktatoren. Und morgen wird das Budget festgestellt werden müssen, nach einem Donat werden wir es bezahlen müssen und dann wird Depesche nach Depesche kommen, es wird nicht das ganze Geld da sein, die Arbeit wird stocken, die Arbeiter werden entmutigt sein, die Alijah wird steckenbleiben. Wo hier die Logik ist, verstehe ich nicht. Ich will Ihnen ein Beispiel dafür geben, daß ich nicht mit Illusionen operiere. Ich war in Chicago; dort haben wir einen großen Erfolg erzielt; wir haben in einer Stadt von 300 000 Juden sage und schreibe 250 000 Dollar für den Keren Hajessod bekommen; für arme Schlucker, wie wir es sind, war das vielleicht viel, denn voriges Jahr hatten wir nur 100 000 Dollar bekommen. Und zur selben Zeit, als ich mich verzehnfachte, um diese 250 000 Dollar zu bekommen, machte die Gemeinde Chicago ejnen Drive für irgend etwas, ein Spital oder eine Synagoge, und sammelte zweieinhalb Millionen in einem Tage. Und ich fragte mich: Wenn es mir gelänge, diese Gemeinde zu gewinnen und sie nur die Hälfte dieser zweieinhalb Millionen für Palästina hergäbe, habe ich doch auf einen Schlag das, wofür ich vier Monate lang meine ganze Seele und Lebenskraft hingegeben habe. Und so ist es in New York, Philadelphia und jeder Stadt gewesen. Wenn wir aber einen Fonds von 1 oder 2 Millionen sichern können — und es ist möglich — dann hebt sich unsere politische Situation, dann ist unser Rücken gedeckt, dann atmen wir auf, dann können wir vielleicht auch eine Offensive unternehmen. Das hat mich geleitet und nicht ein Wille zur Macht. Ich habe, Herr Mereminsky, in meinem Leben nie die Knie gebeugt, nicht vor einem jüdischen Magnaten und nicht vor einem christlichen Machthaber. Ich habe Sie in Ehren vertreten. Aber ich bleibe dabei, daß die Konzession zu machen ist, unter Wahrung unserer fundamentalen Grundsätze, unter Herstellung einer Verantwortung — um die Möglichkeit für eine dreifache und vierfache Einwanderung nach Palästina zu schaffen. Ich glaube nicht, daß es noch notwendig ist, Worte zu verlieren über „vulgäre Kolonisation“ oder über die „versteckten Tendenzen“, die hinter diesem kristallklar einfachen — wenn auch vielleicht nach Ihrer Meinung irrtümlichen — Plane stecken. Ich lasse auch die Argumente über nationale Politik aus dem Spiel, aus dem Grunde, weil ich mich nicht für kompetent halte, über diesen Punkt zu sprechen. Nur noch einige Worte über die politische Lage. Herr Farbstein war derjenige, der heute nochmals das „White Paper“ und das ganze Sündenregister der palästinensischen und englischen Regierung und natürlich auch der Exekutive vor uns. auftischte. Er weinte bittere Tränen üb_er den Rücktritt Jabotinskys und über die Zurückdrängung Nordaus. Die Tränen rührten mich nicht und ich begreife überhaupt nicht, warum sich bei uns die Idee eingewurzelt hat, daß ein Mensch, der aus der Exekutive ausgeschieden ist, weil er mit ihrem System nicht einverstanden war, aus der Exekutive „verjagt“ wurde. Zugegeben — die politische Lage ist ernst. Zugegeben, daß wir mit der derzeitigen Immigration nicht zufrieden, sind. Sie haben eine politische Kommission gewählt, der alle Dokumente, Briefe und .Beweise vorgelegt werden. Es wird sich zeigen, daß wir unter den bestehenden Umständen alles getan haben, um die Position zu halten. Noch eines will ich sagen und das ist mein politisches Vermächtnis an die nächste Exekutive: Sie haben eine Mandatarmacht gewählt, nach langen Beratungen und Überlegungen. Sie werden mit dieser Mandatarmacht noch jahrelang zu arbeiten haben. Diese Macht ist England. Es gibt ein England der „Morning Post“ und ein England Balfours. Es gibt ein England der Diehards und ein England der Labour Party. Es wird das größte Unglück sein, wenn Sie voraussetzen, daß man nicht im guten Glauben mit Ihnen verhandelt, denn dann sind keine Verhandlungen möglich. Mit wem Sie immer auch verhandeln, Sie müssen voraussetzen, daß man es genau so ehrlich meint, wie Sie oder ich. Ich behaupte, trotz der Schwierigkeiten, die wir genau so bekämpft haben, wie Sie es wünschen, daß wir bei der britischen Regierung den guten Glauben, den treuen und ehrlichen Willen gefunden haben. Und ich werde es nicht erlauben, den guten Glauben der Regierung unserer Mandatarmacht zu verdächtigen. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Ich habe Sie vielleicht länger aufgehalten, als ich es wünsche und als Sie es wünschen. Ich habe das Meine gesagt. Es gibt hier zwei Systeme, die gegeneinander stehen. Das eine besteht in einem vagen Kampf gegen die Mandatarmacht und in einem gewissen Chauvinismus gegen unsere eigenen Juden; das andere ist T3nuThallmcuer München ThsaänßvÜr. 13. fioiniQ S7>*