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Das jüdische Echo · 1923-08-17 · 33 (17.8.1923) · p. Seite 395

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
33 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
Seite 395 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 395 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE mit einem Schlage sich die Welt geändert hat und wir diese Änderung nicht in gleicher Proportion mitgemacht haben, sondern es ist vielleicht so, daß die Änderungen, die mit uns vorgegangen sind, viel eher dazu beigetragen haben, unsere Kräfte zu schwächen, als sie zu stärken. Es genügt, daran zu erinnern, daß die Hälfte des Judentums ökonomisch und politisch lahmgelegt ist oder sich erst langsam wieder emporarbeitet. Die Probleme aber im Zionismus stehen nicht still, sondern wachsen immer fort, und infolgedessen sind wir, ohne uns etwas vergeben zu haben, zu dem Beschluß gekommen, daß wir allein diese großen Probleme nicht mit der Geschwindigkeit werden lösen können, mit der man sie lösen muß. Und wie Herr Sokolow bereits richtig gesagt hat: im Keren Hajessod-Prinzip war eigentlich bereits das neue Programm gegeben. Und ich glaube nicht, daß unter allen, die hier sitzen, sich nicht so viel Weisheit aufbringen lassen wird, um die banale Wahrheit einzusehen, daß man nicht Leute dazu zwingen kann, auf die Dauer nur Geldgeber oder -Sammler zu bleiben, ohne daß sie fragen, wie das Geld ausgegeben wird, selbst wenn diese Herren absolut überzeugt sind, daß das Geld richtig ausgegeben wird. Sie können z. B. nicht einen Direktor Wassermann aus Berlin bloß nach Leipzig oder Posen sammeln schicken. Sie können es ihm nicht verwehren, daß er einmal Einsicht nimmt, wie die Sachen verwaltet werden. Im Gegenteil, damit dieser Herr und die anderen Herren die Sache so betreiben, wie wir es wollen, müssen wir wollen, daß sie einen Teil der Verantwortung auf sich nehmen. Wir sind doch Demokraten und man wirft ja auch mit großer Generosität mit demokratischen Formeln herum. Es gibt ein demokratisches Prinzip und das lautet: Keine Vertretung ohne Verantwortung. Es gibt ein demokratisches Prinzip, daß der Steuerzahler auch überwachen soll, wie die Steuer verwaltet wird. Kommt man aber zu den logischen Folgerungen aus diesen Tatsachen, so entsteht ein Geheul im zionistischen Lager: Philister über dir. Und es entsteht eine Panik nicht vor den Arabern, sondern vor den Juden, die einen Anschlag machen werden auf die heiligen Güter, die Herr Grünbaum schützen muß gegen mich. Ich habe für den Keren Hajessod nicht nur in Amerika, sondern auch in einigen Städten Westeuropas gearbeitet und ich sah, wie man selbstverständlich dazu kommt, die Herren, die nicht in die Zionistische Organisation eingereiht sind, in die Verwaltung des Keren Hajessod hereinzunehmen. Auf demselben Wege wird es aber auch dazu kommen, daß sie eine Kontrolle des zionistischen Budgets erhalten müssen. Das ist nicht zu umgehen, nicht durch Sophismen und nicht durch Pilpulistik. Aus diesem Grunde müssen wir diesen Zustand legalisieren und ihm eine würdige Form geben. Es ist immer die Weisheit der Staatsmänner gewesen, vorauszusehen und Tatsachen zu schaffen, bevor man sie von außen verlangt. Abgesehen davon, daß noch andere und sehr triftige Gründe vorhanden sind, um diese Sache der Jewish Agency in der Form zu machen, die ich mir erlauben werde, in zwei Zügen darzulegen. Herr Sokolow wird mit mir voll und ganz übereinstimmen, daß diejenigen, die Sie mit einer schweren politischen Aufgabe betraut haben, eine Rückendeckung haben müssen, und, so stark die Rückendeckung auch gemacht werden wird, wird sie doch schwach bleiben für den Anprall, den unsere Position auszuhalten haben wird. Herr Dr. Ringel hat uns gesagt: Ihr habt die diplomatische Offensive aus der Hand gegeben. Herr Dr. Ringel, ich bitte Sie um Gottes willen, wir sind nicht imstande, eine Offensive zu machen. Die Terminologie, die Sie aus den Staatsbüchern der anderen nehmen, können Sie auf unsere Situation nicht anwenden. Es genügt, wenn wir die Position, die wir rechtlich erworben haben, auch halten können. Ich schäme mich nicht, zu sagen, ich habe keine Erfolge aufzuweisen. Nach dem Mandat werden jahrelang keine politischen Erfolge sein. Die politischen Erfolge, die Sie haben_wollen, werden Sie sich im Emek, in den Sümpfen und auf den Hügeln erarbeiten müssen, und nicht in den Kanzleien in Downing Street. Es genügt, wenn Ihre diplomatische Vertretung, wenn Sie schon den Namen haben wollen, die Position halten kann. Auf Offensiven werde ich mich nicht einlassen. Auch auf die^Gefahr hin, vielleicht von manchen von Ihnen als nicht mutig genug angesehen zu werden. Ich habe aufmerksam all die Allheilmittel vernommen, die Sie hier vorgeschlagen haben, wie man das britische Empire bewegen soll — lachen Sie nicht, ich meine es ernst — denn Sie operieren damit heute den ganzen Tag — indem man Versammlungen in Warschau oder vielleicht auch in New York veranstaltet. (Zwischenruf Klumel: Es waren Zeiten, wo Sie es selbst gefordert haben.) Ich weiß, und man kann es auch einmal machen oder zweimal oder dreimal, aber dann haben Sie Ihr Pulver verschossen. (Zwischeruf links: Die Araber machen es tausendmal!) Ja, wenn Sie in Jerusalem 200 000 Juden auf die Straße führen könnten, dann brauchten Sie mich nicht. Zur Erhaltung unserer Position brauchen wir, wie Ussischkin sehr richtig gesagt hat, Menschen und Geld. Aber bei allem Respekt vor der Zionistischen Organisation, zu der auch ich gehöre, wir haben nicht genug Menschen und wir haben nicht genug Geld. Und ich, ich werde alles tun, um die Menschen und um das Geld zu schaffen. (Lebhafter Beifall.) Es ist eine Legende, daß wir zu einzelnen Menschen gegangen sind und sie um Rettung gebeten haben. Wir haben mit denjenigen Organisationen verhandelt, die im Mittelpunkt des öffentlichen jüdischen Lebens — sagen wir in Amerika — stehen. Und ich stellte mir die Jewish Agency vor, zusammengesetzt aus Vertretern derjenigen Organisationen, denen es ernst ist mit dem Aufbau von Erez Israel, und die ihren Ernst dadurch beweisen wollen, daß sie die Last und die Verantwortung mit uns zu tragen sich bereit erklären. Ich glaube nicht, daß man alle Organisationen sofort gewinnen wird. Ich weiß aber, daß es in Amerika Kreise gibt, die heute zu gewinnen sind, und ich warne Sie davor, diese Leute vor den Kopf zu stoßen aus einem Hochmut, den ich mir einfach nicht erklären kann. Auf der einen Seite wollen Sie eine unbegrenzte Immigration, keine Arbeitslosigkeit, einen schnellen Aufbau, auf der anderen. Seite kommen Sie daher und nennen Leute, denen Sie bis heute abend doch ein gewisses Vertrauen geschenkt haben — denn Sie

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