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Das jüdische Echo · 1923-08-17 · 33 (17.8.1923) · p. Seite 394

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
33 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
Seite 394 (sequence 4)
Language
German
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394 Das Jüdische Echo Nr. 33 Agency hereinkommen, auf welchem Wege immer. Wenn sie auf dem Wege des jüdischen Weltkongresses kommen wollen, gut, wenn auf dem Wege der Landeskongresse, auch gut. Wenn sie aber so nicht wollen, dann auf jedem anderen Wege, auf dem sie kommen wollen. Wir aber wollen nicht auf jedem Wege die Menschen zu uns bringen, das ist der Unterschied. (Zwischenrufe: Wir wollen das auch nicht! Levite: Das ist ein Kampf mit Windmühlen.) Es geht darum, Klarheit in die Sache zu bringen. Das müssen die tun, die mit diesen Plänen zu uns gekommen sind. Wie groß ist der Preis, welchen wir für die Hilfe zahlen sollen? Nicht jeden Preis werden wir zahlen. Weitzmann soll seinen Freunden sagen: vor solchen Freunden behüte mich Gott. (Unruhe, Beifall.) Es muß die Grenze angegeben werden, bis zu der wir gehen sollen. Die Tendenzen müssen klar gelegt werden. Es geht um das Leben, um die Seele unserer Bewegung. Der XIII. Kongreß hat die Wahl: soll er um die Illusion eines schnelleren Aufbaues Palästinas willen auf das Prinzip der Massenbewegung, der Selbstbefreiung und Selbsthilfe, des Wiederauflebens im weitesten Umfange, auf unseren nationalen Kampf in den Golusländern verzichten? Es gibt kein Aufleben ohne nationalen Kampf in den Golusländern. Oder soll er weiter ins Volk gehen, die Herzen wecken und den Massen sagen: Euer Schicksal ist in eurer Hand; sammelt eure Kräfte und organisiert euch und schafft das Wunder des Wiedererwachens unseres Volkes in Palästina! Die Rede Weizmanns Es hat eigentlich nicht viel Berechtigung, Sie in dieser späten Stunde noch lange aufzuhalten, zumal die allerwichtigsten Punkte von meinem Vorredner und Kollegen, Herrn Sokolow, besprochen worden sind. Wenn ich aber doch noch vor Sie trete, so geschieht es deswegen, weil viele von den Rednern mir die Ehre erwiesen haben, sich mit mir besonders zu beschäftigen. Ich werde versuchen, Herrn Grünbaurn mit einigen Woiten sehr ernst — denn auch er meinte es sehr ernst — zu antworten. Herr Grünbaum basierte einen großen Teil seiner Rede darauf, daß ich defaitistische Stimmung verbreitet habe und auf Defaitismus folgt natürlich logischerweise immer Kapitulation und Abdankung. Und er hat diese Anschuldigung noch verstärkt durch die Behauptung, man kapituliere um einer Illusion willen. Ich weiß nicht, worauf Herr Grünbaum alle diese Behauptungen gründet; Herr Grünbaum hat nichts von den Verhandlungen gehört, die ich gefühlt habe, und weiß nicht, was in diesen Verhandlungen vorgegangen ist. Er hat also etwas voraus- Meuhcrusersfr. 15, gegenüber der alten Mademie gesagt, was nicht auf Tatsachen beruht, und seine etwas überhitzte Phantasie malte etwas aus, was in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Ebensowenig berechtigt waren die Vorwürfe in einem großen Teil der Presse mancher Länder, die mir vorschußweise zuteil geworden sind. Alles das ist überhitzte Phantasie, ohne den geringsten Funken von realem Gehalt. In meinen Verhandlungen mit den Juden, die Sie alle hier als Plutokraten oder weiß Gott was bezeichnet haben, ist nicht ein Jota von den fundamentalen Prinzipien des Zionismus verschachert oder verschleudert worden. Als Zionist, der vielleicht auch etwas in der Bewegung geleistet hat, schleudere ich diese unwürdigen Vorwürfe mit Entrüstung denen ins Gesicht zurück, die sie mir gemacht haben. Eure Führer sind dazu hier anwesend, um gerechte Kritik anzuhören für Sünden, die sie begangen haben, aber eure Führer sind nicht Stätten der Schuttablagerung für alle Leidenschaften von Politikern und Politikastern. Und wenn Ihr alle in eurer noblen Entrüstung glaubt, der Sache dadurch gedient zu haben, so irrt Ihr euch tief und bitter. Euer Führer ist bereit, der erste Diener der Organisation zu sein, aber nicht der letzte Hausknecht. Die defaitistische Stimmung ist nicht von mir hervorgerufen worden. (Zwischenruf: Und die Rede von Baltimore?) Was ich in der Rede von Baltimore gesagt habe, und das schärfen Sie sich ein, ist, daß wir eine solche Krise, wie die im Vorjahr, niemals wieder aushalten werden. Man kann nicht systematisch arbeiten und eine lange Front verteidigen, wenn man tagtäglich von hungernden Lehrern und hungernden Chaluzim mit Depeschen bombardiert wird. Ich war in Palästina und bin durch die Kolonien gegangen, sprach mit den Lehrern und mit den Arbeitern, und ich hatte das Gefühl — und Sie werden es bestätigen, wenn Sie ehrlich sind — daß dieser ungeheuere Idealismus, der dort aufgespeichert ist, nicht gehalten werden kann, wenn der Hunger noch drei Monate dauern und unsere Positionen brechen wird. Keine Partei der Welt, und sei sie noch so stark, kann das auf die Dauer aushalten. Was mich nach Amerika getrieben hat, war das, was mir Saslawsky nicht gesagt hat, sondern was ich in seinen Augen gelesen habe. Ich bin genug fühlender Mensch, um das zu verstehen. Und packen Sie mich nicht an einem Wort, das ich vielleicht aus meiner eigenen Bitterkeit heraus in Baltimore gesagt habe — das hält man nicht auf die Dauer, der Zustand muß aufhören, wenn wir überhaupt normal vorwärts kommen wollen. Natürlich, Herr Grünbaum kann warten; ich habe auch andere Juden gesehen, die warten können. Ich glaube, daß die Lage so ist, daß wir nicht warten können. Daß wir jeden Tag, den wir nicht vorwärts gehen, zurückschreiten — weil die anderen Kräfte vorwärts kommen. Das ist nicht Defaitismus oder Nichtdefaitismus, das ist eine Wertung der Lage, wie sie wirklich ist. Es ist lächerlich und kindisch, die Augen zu schließen und sich zu vertrösten auf etwas, was nicht eintreten kann. Vielleicht irre ich mich in meiner Auffassung. Aber ich glaube, daß die Verhältnisse im Zionismus sich nach dem Kriege so gestaltet haben, daß die Probleme, die uns gestellt worden sind, größer und stärker wurden als die Organisation. Das heißt mit anderen Worten: Während die Probleme von Tag zu Tag mit größter Intensität wachsen, wachsen nicht im gleichen Verhältnis unsere Kräfte in der zionistischen Bewegung. Das zu sagen ist kein Verbrechen, das ist kein Defaitismus, das ist meiner tiefen Überzeugung nach eine wissenschaftliche Konstatierung von Tatsachen. Es ist niemand daran schuld, daß

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