Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 33 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jttdische Echo Nummer 33 17. August 1923 10. Jahrgang Äus der General-Debatte Aus der Generaldebatte können wir diesmal außer dem Schlußwort Weizmanns nur die Rede des Sprechers der Opposition J. Grünbaum (Polen) bringen, auf den die spätere Debatte vielfach eingeht: Die gegenwärtige Lage im Zionismus ist dadurch charakterisiert, daß sich der Präsident mit der Exekutive in einem konstitutionellen Konflikt befindet. Eine ähnliche Lage hat schon bestanden. Sie wurde auf dem 12. Kongreß liquidiert. Der Präsident hat auf die Zusammenstellung des Kabinetts einen entscheidenden Einfluß gehabt, und zwar auf jener Plattform, auf der das frühere Kabinett gestürzt wurde. Der jetzige Konflikt ist dadurch entstanden, daß viele Mitglieder der Exekutive jener Plattform treu geblieben sind, auf welcher man gestanden hat, als das frühere Kabinett gestürzt wurde. Es ist fraglich, ob wir wirklich eine amerikanische Konstitution haben, die es -dem Präsidenten gestattet, seine Kabinette zu wechseln, als wenn es Sekretariate wären. Wie schafft man eine konstitutionelle Ordnung so, daß von einem Kongreß zum anderen das Kabinett gewechselt werden kann? Es besteht die unmögliche Lage, daß, wenn ein Konflikt kommt, man ihn verdecken und verheimlichen muß. Daraus kann nichts Gutes entstehen und so sind wir in den gegenwärtigen Zustand hineingeraten. Außer dem konstitutionellen Moment gibt es noch eines, ein Stimmungsmoment. Wir schaffen Götter und stürzen sie und schaffen neue und stürzen sie wieder. Wir haben keine Garantie, daß die Götter, die wir heute schaffen, Götter bleiben werden. Wir kehren zu dem zurück, was wir auf dem XII. Kongreß aufgegeben haben. So geht es nicht weiter. Wir brauchen eine große Initiative, Ausdauer, Hartnäckigkeit und nicht eine stimmungsvolle expressionistische Politik. Man hat uns in eine Art defätistischer Stimmung hineingetrieben. Wenn die Führer sagen, wir seien schwach und könnten allein die große Aufgabe nicht erfüllen, dann kommen die Massen und sagen, wir seien bankrott. Die Anhänger der Führer gehen zu den Massen und sagen, man müsse alles aufgeben, um nur Helfer zu finden (Zwischenruf: Nicht richtig). Der Kongreß sei eine abgelebte Form der Bewegung. (Zwischenrufe.) In Palästina könne nur ein Komitee Aufbauarbeit leisten, welches nichts zu tun hat mit unserer Massenbewegung, welches nicht unter dem Einfluß gewählter Vertreter steht. Das Prinzip der Verantwortung, auf welchem die Bewegung basiert, wird verworfen und geopfert für Illusionen, für Blendwerk. Präsident Weizmann hat uns bis jetzt nicht gesagt, was er hat, auf wen er rechnet, mit wem er gehen wird, wer mit uns gehen wird. Wir müssen doch wissen, wofür wir unsere Souveränität auf geben (Zwischenrufe: Wir geben sie nicht auf!), zu wessen Gunsten wir kapitulieren, welche Körperschaften, welche Organisationen mit uns gehen und auf Grund welcher Bedingungen eine solidarische Verantwortung vorhanden sein wird. Wird man einer einheitlichen Körperschaft verantwortlich sein oder nicht? Was will der Präsident? Wohin führt er uns? Wenn keine einheitliche Körperschaft, keine einheitliche Verantwortung bestehen wird, dann heißt das die Zionistische Organisation liquidieren. Stellen Sie sich eine Jewisli Agency vor, in welcher ein Teil der Zionistischen Organisation, der andere einer anderen, der dritte einer dritten verantwortlich sein wird, was wird daraus entstehen? Ein Chaos. (Unruhe.) Eine solche Körperschaft kann unter keinen Umständen arbeiten. Kolonisationsarbeit ist nur möglich, wenn eine gemeinsame solidarische Verantwortung gegenüber einer Körperschaft besteht. Diese Verantwortung müssen Sie postulieren und feststellen, sonst geht die Verantwortlichkeit unserer Führer vor dem Kongreß verloren. Wenn wir, um die Jewisli Agency zu schaffen, Teilhaber zuziehen, so heißt das vor der Öffentlichkeit, vor der englischen Regierung, vor der ganzen Welt, daß wir allein der Arbeit nicht gewachsen sind; und gehen diese Teilhaber dann weg, so wird man sagen: Ihr seid der Arbeit nicht gewachsen. Dann werden wir viel schwächer sein. Es ist lächerlich zu sagen, daß sie nicht Weggehen werden. Wir müssen die schwersten Konflikte voraussehen mit Menschen, die sich nicht im Zentrum unserer Bewegung befinden, sondern an ihrer Peripherie. Wir müssen uns selbst treu bleiben, dann werden wir das Volk gewinnen. Das tragischste Wort, das Weizmann gesagt hat, ist: „Jüdisches Volk, was hast Du getan, wo bist Du?“ Und nun will er dieses jüdische Volk in den Salons der Großjuden und der Geldjuden finden; er, der einmal der Führer der demokratischen Fraktion war. Wir dürfen nicht untreu werden den Prinzipien der Massenbewegung, nicht verzichten auf die Veranwortung unserer Führer und auf die übrigen Prinzipien der Demokratie; sonst werden die zionistischen Organe zu einer Art Komitee und die zionistische Bewegung zu einer bloßen kolonisatorischen Unternehmung. Wir gehen den Weg der Liquidierung der Volksbewegung. Der Aufbau Palästinas und das Aufleben des jüdischen Volkes ist eines vom anderen untrennbar. Jetzt will man den einen Prozeß vom anderen losreißen. Man will den Aufbauprozeß gesondert hinstellen, um andere Elemente herbeizuziehen, die das Wiederaufleben des Volkes gar nicht wollen. Das ist dasselbe, was Rothschild gemacht hat und was in Argentinien geschehen ist. Wie werden wir die jüdischen Massen wecken können, wenn wir ihnen nicht sagen, daß sie allein verantwortlich sind für alles, was geschieht? Wir erklären, daß wir weiter .gehen werden auf dem Wege, den wir bisher gegangen sind. Wir werden das jüdische Volk wecken und organisieren. Selbsthilfe und Selbstorganisation: damit steht und fällt der Zionismus. Ein Zionismus ohne' das Prinzip der Selbstbefreiimg ist keiner. Die gegnerischen Parteien meinen, eigentlich sei zwischen uns kein Unterschied. Sie wollen, daß gewisse einflußreiche Personen in die Jewish