Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1923-08-10 · 32 (10.8.1923) · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
32 (10.8.1923)
Date
1923-08-10
Page
Seite 384 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103029-9148083--05786-9078471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

384 Das Jüdische Echo Nr. 32 geographische Karten, historische Bilder, naturwissenschaftliche Karten und Lehrmittel für Mathematik und Geometrie erworben, es ist ein hebräischer Globus hergestellt worden, ferner konnte eine zentrale pädagogische Bibliothek für Lehrer eingerichtet werden. Redner schließt: Wir sind hier zusammengekommen, um uns zu verständigen und die besten Wege für die Weiterarbeit zu finden, mit der Losung: Boden, Menschen, hebräische Kultur! Wir sind ein schönes und schweres Stück vorwärts gekommen. Wenn die Menschen zu uns kommen, die an unser Endziel glauben, dann werden wir die Aufgabe in kürzerer Zeit lösen können, als viele denken. Wir werden Palästina in Erez Israel verwandeln! (Stürmischer Beifall). 3. Sitzung Beginn nachmittags. Das Wort erhält Dr. Lichtheim über zionistische Bewegung und Organisation. Im vorletzten, kongreßlosen Jahre wurden nur 370 000 Schekalim abgesetzt. Im laufenden Kongreßjahre, dessen Ergebnisse noch nicht völlig zu übersehen sind, 500 000 Schekalim, die einem Gegenwerte von rund 14 000 Pfund entsprechen. Im letzten Kongreßjahre vor dem Kriege wurden 100 000 Schekel gezahlt mit einem Gegenwerte von 4000 Pfund. Es sind also gewiß ansehnliche Fortschritte zu verzeichnen. Leider erkennt Amerika das Schekelsystem nicht an. Dies führt dazu, daß die amerikanischen Zionisten auf disem Kongreße nicht in jener Zahl vertreten sind, die der Stärke ihrer Organisation und der Größe ihrer Leistungen für den Palästina-Aufbau entspricht. Da die Schekel für die Erhaltung der Zentralverwaltung nicht ausreichen, wurde der sogenannte goldene Schekel ins Leben gerufen, den aber die amerikanischen Gesinnungsgenossen ebenfalls ablehnen. Die Sammlung der goldenen Schekel hat bisnun die Höhe von 1800 Pfund erreicht. Lichtheim hält eine Reform in den Beziehungen zwischen Keren Hajessod und der Organisation für dringend geboten. Es müsse Klarheit geschaffen werden, ob die Gelder des Keren Hajessod der Jewish Agency zur Verfügung stehen sollen oder nicht. Lichtheim bejaht diese Frage und fordert eine entsprechende Änderung des gegenwärtigen Zustandes. Der Keren Hajessod in seiner heutigen Verfassung bedeute eine Aushöhlung der Zionistischen Organisation. Lichtheim erstattet dann bestimmte Vorschläge, die an den Organisationsausschuß gehen. Dr. H a 1 p e r n über die Tätigkeit der Wirtschaftsorganisationen : Die ungünstige Handelsbilanz müsse das wirtschaftliche Leben Palästinas schwer belasten; für fünfeinhalb Millionen ägyptische Pfund hat man importiert, während der Export nur 1,3 Millionen ausmacht. Unbedingtes Ziel sei, die Bilanz aktiv zu machen. Das Eisenbahnwesen hat sich günstig entwickelt. Das Hypothekenwesen in Palästina Wurzel fassen zu lassen war deshalb schwierig, weil die frühere Verwaltung kein Hypothekenrecht, ja nicht einmal den Begriff dafür gekannt hat. Wir haben also rechtsbelehrend und schöpferisch gewirkt. Es sei eine komplizierte und mühevolle Aufgabe gewesen, da die englische Staatsverwaltung mit dem Hypothekenwesen vollkommen unvertraut gewesen sei. Die gesunde Kreditbildung im Lande wieder einzuführen, ist unsere Aufgabe, denn es geht um das Land und um die Wirtschaft. Es geht nicht an, daß finanzielle Institute gewissermaßen in der Luft hängen bleiben. Der Redner skizziert die heutige wirtschaftliche Lage in Palästina und betont, daß die zahlreichen Methoden des Kreditwesens sich nicht als richtig und aufbauend gezeigt hätten. Man kann auch mit dem größten heroischen Idealismus nicht die gegebenen Realitäten und -die tatsächliche Basis für eine geschäftliche Entwicklung aufheben. Nach einer kurzen kritischen Beleuchtung der Tätigkeit des Wirtschaftsrates formulierte der Referent das Wesen und die Aufgabe der Privatinitiative folgendermaßen: Es ist das Wesen der Privatinitiative, daß sie ebenso wie der Chaluz das Gut und Leben für das Palästinaziel einsetzt, ihr Vermögen nicht sicher anlegen und vervielfachen will, sondern um der Sache willen riskiert. Die Industrialisierung Palästinas ist das unbedingteste und elementarste Ziel unserer Palästinapolitik. Es gibt keine gesündere Politik als die, die Industrien in Palästina systematisch aufzubauen. Wenn es uns nicht gelänge, die genügende Zahl von Chaluzim nach Palästina zu schaffen, so sei die industrielle Intensität, die Möglichkeit und einzige Bedingung unserer kolonisatorischen und Aufbaustabilität gefährdet. Eines aber gilt es zu bedenken: Gefühlsmomente dürfen bei der gigantischen Aufgabe, die wir uns, dem jüdischen Volke, gesteckt haben, nicht mitsprechen, sondern nur die Tatsachen, es dürfen bankmäßig nicht Kredite gegeben werden, die nicht bankmäßig sind. Der Redner streift zum Schluß das Araberproblem und meint, daß die Araber aus ureigensten Gründen sich mit den Juden zusammenfinden werden, nämlich um den Aufbau des Landes nicht zu schädigen und zu bekämpfen. Referat Feiwel über den Keren Hajessod. Die weitere Entwicklung des Keren Hajessod hängt auf das innigste zusammen mit der Lösung, welche die Organisationsform der Jewish Agency finden wird. Mit dem Monat Juni haben die Eingänge des Keren Hajessod bei seiner etwas über zwei Jahre dauernden Arbeit die Höhe von 955 000 Pfund Sterling erreicht. Mit den Pfunden des letzten Monats hat der Keren Hajessod die Grenze der ersten Million passiert und mit 1,3 Millionen steht er vor dem Kongreß. (Stürmischer Beifall.) Durch den Keren Hajessod ist zum ersten Male der Ring, der sich um die Zionistische Organisation gelegt hatte, gesprengt worden und es haben sich in aller Welt in größerer oder geringerer Anzahl Nichtzionisten gefunden, die in diesem Fonds mit der Zionistischen Organisation am Aufbau Palästinas mitgearbeitet haben. Es ist ein großes Ereignis. Viel mehr als in dem quantitativen Ergebnis liegt darin die Bedeutung und die Kraft des Keren Hajessod. Weil wir keine Gesetze haben, um die allgemeine Judenheit heranzuziehen, ist der Keren Hajessod ein großer Erfolg und von einem von uns nicht hoch genug einzuschätzendem Werte. In dieser Art des Keren Hajessod liegt zugleich die Möglichkeit, die durch die Pläne der zu erweiternden Jewish Agency, wie immei sie auch ausgehen mögen, zu verwirklichen sein wird. Es ist wahr, daß die Menschen Finanzen machen, aber wir haben erlebt, daß wir auf der Suche nach Finanzen Menschen gefunden haben, die uns wieder Finanzen brachten. So kamen wir von Finanzen und durch Finanzen zu neuen Menschen. Das ist die Brücke des Keren Hajessod, die von den Zionisten hinüberführt zu den Nichtzionisten, und beide zusammen nach Erez Jsrael. (Lebhafter Beifall.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.