Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 32 (10.8.1923)
- Date
- 1923-08-10
- Page
- Seite 383 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 32 Das Jüdische Eefto 383 BERNHARD BAUCH Briennerstr. 8 Telephon 21541 Schäfflerstr. 3/5 Telephon 21540 ELEGANTE PELZE &• Sitzung* Ohne weiteres Zeremoniell trat der t3. Zioiusfeü^ kongreß unter dem Vorsitze. Spkölows um 10 Ühf 30 Min. vormittags in die Erledigüh£ seiner Tagesordnung ein. Oberrabbiner Df. Chajes (Wien) erstattete In hebräischer Sprache die Vorschläge für die Wahl des Präsidiums. Es wurden mit Akklamation gewählt: Zu Vizepräsidenten: Ben Zwi; Rabbi Meir Berlin;• Dr. Schmarjahu Lewin; Louis Lipsky; Leo MotzkiVi? Abg. Farbstein und Eliezer Kaplan; zu Beisitzern: Öberrabbiner Jakob Meir, Jerusalem; Dr. Daiches; Dr. Gelber, Wien; Rosenbaum; Temkin; Dr. Kohän-Bernstein; Raw Dajan und Dr. Joseph Löwenherz, Wien. Sodann hielt Präsident Sokölow dem verstorbenen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Harding, einen Nachruf, in welchem er sagte: Wir nehmen Anteil an der allgemeinen Trauer — denn er war unser treuer Freund. Am meisten sind unsere amerikanischen Freunde dazu berufen, den Gefühlen Ausdruck zu geben, von denen der Zionistenkongreß durchdrungen ist. Infolgedessen erteile ich dem amerikanischen Delegierten Rottenberg das Wort. Del. Rottenberg: Präsident Harding war ein aufrichtiger Freund der zionistischen Sache. Es war hauptsächlich ihm zu verdanken, daß beide Häuser des Kongresses der Vereinigten Staaten einstimmig Resolutionen für die jüdischnationale Heimstätte in Palästina annahmen. Kurz nachdem er Präsident geworden war, empfing er Abordnungen der Zionistischen Organisation, der er seine volle Übereinstimmung mit unseren Zielen, aussprach. Wir teilen die Trauer, in die unser Land so grausam und so unerwartet versetzt worden ist, wir haben einen edlen Präsidenten, die Menschheit hat einen wahren Freund verloren. Hierauf hält Präsident Sokolow (hebräisch) dem verstorbenen Schriftsteller Ben Jehuda einen Nachruf und gedenkt sodann der Toten der Organisation seit der letzten Jahreskonferenz, in besonders feierlicher Weise gedenkt er des verstorbenen Dichters Morris Rosenfeld. M. Ussischkin, referiert über die Tätigkeit in Palästina: In den letzten zwei Jahren war unsere Arbeit aus politischen und finanziellen Gründen sehr erschwert. Die Verwirklichung der Verpflichtungen der englischen Regierung, die sich aus dem Mandat ergeben, war nicht immer deutlich zu sehen, im Gegenteil, es gab oft Störungen, die wir überwinden mußten. Was die finanzielle Frage betrifft, so haben wir von der Zionistischen Organisation das nicht bekommen, was uns auf dem zwölften Kongreß und auf der Jahreskonferenz zugesagt worden war. Und das, was wir erhielten, ging uns verspätet zu. Wir haben eine Armeleutewirtschaft geführt, was immer sehr teuer ist. Trotzdem kann ich mit Genugtuung sagen, daß wir einen guten Schritt nach vorwärts getan haben. Mit nns zusammen hat der große Jude Baron Edmond Rothschild, der auch mit der Ica arbeitet, ferner der Joint und die Brandeis-Gruppe gewirkt. Redner erwähnt weiter den Economical Board in London, die Alliance, die Anglo Jewish Association, Aber auch die Privatinitiative hat sich gezeigt. In der Landwirtschaft arbeiten ei^elne Gruppen äüö Amerika, England und Rumänien. Bezüglich der Industrie und des Handels ist das große Syndikafsunfernehmen in Jaffa zu bemerken, das seine Krisis hoffntlich überwunden hat. Ferner die große Mühte in Haifa, die von Rothschild gegründet wurde, sowie eine Reihe kleinerer Industrien. Es ist zu konstatieren, daß die Zionistische Organisation trotz ihrer Schwäche' so viel Mittel ins Land eingeführt hat, als alle anderen Organisationen zusammen. Sie ist ebenso mächtig, wie alle anderen. Besonders hat sie das Meuschenmaterial gegeben. Redner bespricht nur die Tätigkeit der sechs zionistischen Institutionen, und zwar des Jüdischen Nationalfonds, der Anglo- Palestine-Company, der Palestine Land Development Company, des Keren Hajessold, der Hypothekarbank und der Arbeiterbank, und fährt sodann fort: Von der Regierung haben wir nichts bekommen und wir sind überzeugt, daß wir nichts bekommen werden. Die Hauptlast für den Bodenkauf ruht auf der Zionistischen Organisation und auf dem Jüdischen Nationalfonds, dessen jetziger Besitz 100 000 Dunam beträgt. Damit ist das Eigentum des jüdischen Volkes verfünffacht. Der Referent legt eingehendes Material über die Bodenkäufe vor, die er im einzelnen bespricht. Auf die Heranziehung des Menschenmaterials übergehend, bemerkt Redner: Trotz aller Schwierigkeiten sind in den letzten zwei Jahren über 20 000 jüdische Menschen ins Land gebracht worden, der größte Teil von ihnen hat festen Fuß gefaßt. Die Zahl der Rückwanderer betrug in den letz ten drei bis vier Monaten 10 bis 15 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen stieg niemals über 3000. Die Rückwanderung ist nur unter psychologischen Gesichtspunkten zu betrachten. Die große politische Enttäuschung hat zu einer inneren Reaktion geführt, die nur eine vorübergehende Krankheit ist. Der Geist der gesunden und starken Elemente wird das überwinden. Dabei konstatieren wir, daß jetzt mehr Familien kommen als früher, das hat die gute Seite, daß sie rascher an das Land gebunden werden, das hat aber auch die schlechte Seite, daß die Arbeitsbedingungen für die jungen, ledigen Leute erschwert werden. Die Chaluz-Bewegung hat sich überall kräftig entwickelt, nur nicht in Amerika. Die orthodoxe Jugend ist in Palästina sehr wenig vertreten. Wenn unsere Position politisch und finanziell nicht schwierig werden soll, müssen immer neue Menschen herein. Das Wort Begrenzung der Einwanderung muß aus dem zionistischen Lexikon gestrichen werden. Bezüglich der kulturellen Arbeit müssen wir leider Rückschritte verzeichnen. Wir mußten Einschränkungen und Schmälerungen vornehmen, ja sogar Schulen schließen oder eine Überfüllung der Schulen zulassen. Es fehlt vielfach an Lehrmitteln. In der letzten Zeit konnte aber \yi§iier viel geleistet werden. Wir haben