Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1923-08-10 · 32 (10.8.1923) · p. Seite 382

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
32 (10.8.1923)
Date
1923-08-10
Page
Seite 382 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103029-9148083--05784-9078469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

382 Das Jüdische Echo Nr. 32 Leistung auf der anderen Seite gegenüberstehen. Es ist eine Vereinigung um des Schicksals eines Volkes willen. Die Übergabe von Rechten an die Nichtzionisten muß mit der Übernahme von Verantwortungen für sie verbunden sein. Zu berufen sein werden nicht Einzelpersonen, sondern Vertreter repräsentativer Körperschaften der Judenheit aller Länder. Damit wird die Verantwortlichkeit auf eine allgemein jüdische Grundlage gestellt. Oberstes Grundgesetz jedes Bündnisverhältnisses ist, daß die nationale Bestimmung unseres Siedlungswerkes in Palästina gewahrt wird für ewige Zeiten. Nichts ist dabei, das nicht würdig wäre des Geistes der jüdischen Demokratie, der Selbstbestimmung des Volkes, der Reinheit und des nationalen Ideals, der Ehre der Zionistischen Organisation. In diesem Sinne müssen wir an das große Problem herangehen. Indessen müssen wir unsere zionistische Arbeit fortsetzen, unsere Energien verdoppeln, um unsere zionistische Organisation noch stärker, noch fruchtbarer zu machen. Ich erwarte, daß wir diesen Kongreß, auf den die Augen der Welt, unserer Freunde und Widersacher, unserer besten Söhne und Töchter in Erez Israel gerichtet sind, in verständisvoller Brüderlichkeit zu einem schönen und fruchtbringenden gestalten werden. Es lebe der Zionismus! Es lebe Erez Israel! Die Rede Sokolows Nach Präsident Weizmann ergreift Nahum S o - k o 1 o w das Wort. In nahezu einstündiger Rede gibt er in formvollendetstem Hebräisch, mehrfach von lautem Beifall unterbrochen, eine Schilderung der erfolgreichen Arbeiten der Chaluzim und der Fortschritte der Arbeit in Palästina. Ohne dem zu erstattenden genauen Bericht über den Keren Hajessod vorzugreifen, weist Sokolow auf die Entwicklung des Keren Hajessod und die ihm innewohnende Massenidee hin. Er erwähnt die Arbeit in Amerika wie auch den Beschluß des Board of Deputies und der Angle Jewish Association, am Wiederaufbau Palästinas mitzuarbeiten. Ohne auf irgend eine Landespolitik eingehen zu wollen, erwähnt er den Ausgang der Parlamentswahlen in Polen als Beweis für die große sammelnde Kraft des Zionismus. Er erwähnt die Erziehungsarbeit in Palästina, weist auf die kulturellen Zusammenhänge zwischen Palästina und der Diaspora hin. Sodann zählt Sokolow eine Reihe von Fortschritten, die im Verlaufe der letzten zwei Jahre in Palästina erzielt worden sind, auf. Er bemerkt, daß trotz der Bestätigung des Palästinamandates gerade die abgelaufene Kongreßperiode die politischen Sorgen vermehrt habe. Vier Ursachen seien es, die die antizionistischen Pressekampagne zur Folge hatman&m Me uh aus ers/r. /5, gegenüber der alten Akademie \eine ZHerrenfc/meiderei drsfkl Stoffe.' .jpT^ | ten: die Raktion, der Antisemitismus, die Konkretisierung der zionistischen Ziele und die Tagespolitik. Aber trotz vorübergehender Irrungen und Wirrungen zweifelten wir auch nicht einen Augenblick an dem Gerechtigkeitssinn des englischen Volkes und der englischen Presse. Mit großer Beruhigung, führt Sokolow u. a. aus, haben wir aus dem Munde der englischen Regierung vernommen, daß all die Versuche, die gegen das Mandat und die im Mandat gewährleisteten Rechte gemacht wurden, gescheitert sind. Von der Überzeugung durchdrungen, daß nur jene Lösung wirtschaftlicher Fragen das Wohl eines Landes zu begründen vermag, welche das Gedeihen der ganzen Bevölkerung sichert, werden wir all die Unternehmungen fördern, im Geiste einträchtigen Zusammenwirkens, im Geiste der Gerechtigkeit, aber auch stets eingedenk der verantwortungsvollen Pflicht, die uns die Interessen des nationalen Heims für das jüdische Volk auferlegt. Sokolow weist sodann auf das große Arbeitspensum hin, das diesmal zu erledigen ist. Der Ausbau der Jewish Agency und das Problem der Heranziehung nichtzionistischer Vertreter werde die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Selbstverständlich ist das Bestehen und die Kontinuität unserer Organisation, die Erhaltung ihrer Stoßkraft unumgängliche Bedingung unseres Erfolges. Gewiß ist der jüdische Kongreß die idealste Form eines Zusammenschließens aller Teile unseres Volkes für den Aufbau Palästinas, aber die Voraussetzungen müssen erst geschaffen werden. Möge der Segen Gottes über diesem 13. Kongreß, dem Barmizwah-Kongreß ruhen. Begrüßungsschreiben und Ansprachen Nach der Rede Sokolows verlas Präsident Weizmann Begrüßungsschreiben des Präsidenten und des Außenministers der tschecho-slowakischen Republik, Masaryk und Benesch, wie auch folgende Botschaft des High Commissioner in Palästina Sir Herbert Samuel: „Ich sende Ihnen meine Grüße und besten Wünsche. Die Unterstützung, die der Entwicklung Palästinas während des letzten Jahres, vor allem vonseiten Amerikas, aber in nicht geringerem Masse auch von woandersher zuteil geworden ist, hat den Ausbau der jüdischnationalen Heimstätte und die Entwicklung des Landes im allgemeinen äußerst gefördert. Aber weitere Anstrengungen sind noch unbedingt erforderlich. Mit Vertrauen in die von Ihnen verfolgten Ziele, mit Energie in deren Durchführung und mit Mäßigung und Verbindlichkeiten in Ihren Methoden dürfen Sie des Erfolges sicher sein für den dauernden Nutzen des gesamten jüdischen Volkes und aller Einwohner Palästinas.“ Sodann begrüßten der Chef der politischen Bezirksverwaltung wie auch ein Vertreter der Stadtgemeinde Karlsbad den Kongreß. Chachambaschi. Rabbi Meir sprach namens des Oberrabbinats von Palästina, Rabbiner Selzer namens der Agudam Harabbanim in Amerika, Dr. Jacob Thon namens des Waad Leumi, Dr. Rufeisen namens der tschecho-slowakischen und Dr. Kohner namens der Karlsbader Zionisten. Die Gedächtnisrede auf Max Nordau hielt Joseph Cowen (London). Er schilderte in bewegten Worten die Größe und Bedeutung Nordaus für die zionistische Bewegung. Jedem Teilnehmer der ersten Kongresse werden die machtvollen Kongreßreden Nordau’s, seine tiefen und eindrucksvollen Schilderungen der Lage des jüdischen Volkes unvergeßlich bleiben. Der Kongreß ehrte das Andenken Nordau’s und des vor wenigen Wochen verstorbenen Prof. Marmorek.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.