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Das jüdische Echo · 1923-08-03 · 31 (3.8.1923) · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
31 (3.8.1923)
Date
1923-08-03
Page
Seite 374 (sequence 8)
Language
German
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374 Das Jüdische Echo Nr. 31 langjährigen Anstaltsleiter die letzte Ehre erwiesen und ihm ehrende Nachrufe gewidmet. Der Entschlafene, aus Düsseldorf stammend, ist nicht ganz 63 Jahre alt geworden, lange nicht so alt wie sein seliger Vater, der berühmte Dr. Wolf Feilchenfeld, der hochbetagt als Oberrabbiner von Posen das Zeitliche segnete. Aber der Inhalt von Alfred Feilchenfelds Leben, das er hautpsächlich dem Schulfache widmete, war gleichwohl reich an ersprießlicher Arbeit und schönen Erfolgen. Nachdem der nunmehr Verewigte viereinhalb Jahre an der Realschule und Höh. Töchterschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. und 11 Jahre als Lehrer der Talmud-Tora- Schule zu Hamburg gewirkt hatte, trat er, durch umfassende Studien und Erfahrungen wohl vorbereitet, am 6. September 1900 die Direktorstelle an der Israelitischen Realschule zu Fürth i. B. an, als würdiger Nachfolger eines Dr. Dessau und eines Dr. Auerbach s. A. Dreiundzwanzig Jahre hat der nun Heimgegangene die Israelitische Realschule mit Kraft, unermüdlichem Fleiß, großer Geschicklichkeit und feinem Takt geleitet und den guten Ruf der Anstalt erhalten und vermehrt. Die höchste Absolventenzahl (18) erreichte die Schule unter ihm kurz nach Beginn des Krieges. Einen Höhepunkt erlebte der Selige, als im Jahre 1912 die Schule das Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens feiern konnte, bei welcher Gelegenheit auch eine wertvolle Festschrift des Direktors Feilchenfeld über die Geschichte der Anstalt erschien. Überall, wo es galt, die Rechte und die Ehre der Juden zu wahren, stand er mit in vorderster Reihe und übte auch im „Zentralverein“ eine wichtige Tätigkeit aus. Ehre seinem Andenken! Feuilleton Der Libanon Von Schalom Asch Das Meer liegt versunken in dunklem, geheimnisvollem Schlaf und die Nacht lagert über ihm wie ein schwarzes Ungeheuer, das sich hinabsenkt auf die unendliche Fläche und sie ganz bedeckt hat mit ihrem schwärzlichen Gefieder. Und das Meer hat sich wie ein Kind an die Brust des Riesentieres geschmiegt und schlummert still. Nur manchmal scheint es, als sollte jetzt und jetzt das Riesenkind aus seinem Schlummer emporfahren und ungebärdig alles Dunkel von sich abschütteln. Doch dann wird es wieder ruhig und still. Dann und wann glitzert ein wässeriger Lichtstreif auf seiner unendlichen Weite oder ein glänzender Himmelsstern spiegelt sich schelmisch auf seinem mächtigen Rücken; von fernher hört man das ernste, tiefe Brausen der Brandung, als wäre es der schwere Atem des schlummernden Meeres, und schreckhaft klingen die geheimnisvollen Töne. Doch furchtlos und sicher, als baute es auf Gottes Gnade, zieht unser Schiff seinen Weg, über sich den sternenbesäten Himmel, unter sich die dunklen Wasserweiten; es zieht dahin wie ein stiller, geheimnisvoller Sendbote, der die ganze Welt durchwandert, um irgendwo seine ungekannte Sendung durchzuführen. So sucht unser Schifflein langsam tastend seinen Weg durch des Meeres weite Unendlichkeit. Wenig Menschen sind auf unserem Schiffe in dieser Nacht. Die letzte Nacht ist’s für das Schiff, das von den griechischen Gestaden gezogen kommt, um im syrischen Port seine Anker zu werfen. Da und dort sieht man einzelne Gestalten auf Deck umherwandeln oder nachdenklich auf den Bänken sitzen; sie erwarten die Morgensonne, die emporstrahlen soll über dem Libanon. Unruhevolles Sehnen hat alles ergriffen, die auf dem Schiffe weilen; denn sie sollen das heilige Land sehen. Dort im Winkel kauern die alten Juden, welche nach Erez Israel fahren, um den Tempelberg und alle die geheiligten Stätten zu sehen und bei ihnen zu sterben. Beim Scheine ärmlicher Lichtlein beten sie Psalmen; und ihre Weiber stehen beiseite — ach, arme sündige Judenweiber, die an dem frommen Chor nicht teilnehmen können — und sie reiben sich verlegen die Hände an den nassen Schiffsplanken, die vollgesogen sind mit Meeresfeuchte. Sie beten, was sie gerade noch können; die eine murmelt etwas aus einem Weibergebetbuch, eine zweite hat sich mühsam an ein paar längst vergessene Gebetbrocken erinnert, eine dritte sagt ohne Zusammenhang Segenssprüche vor sich hin... eine gar, ein uraltes, verschrumpftes Mütterchen, kennt gar nichts, was sie beten sollte, und aus ihrem welken Munde dringen in inbrünstigem Tone immer wieder dieselben paar Worte hervor: „Die heiligen Erzväter“ und „das verheißene Land“ und „Mutter Rachel“ und wieder „Mutter Rachel“. Und alle diese alten Jüdinnen blicken ernst auf ihre Männer, die Psalmen singen. In einem anderen Winkel des Schiffes hat der Pope alle Christen und ihre Weiber um sich geschart, die zum Heiligen Grab pilgern. Sie singen einen frommen Kirchenchor; der Wind trägt die Stimmen in den anderen Winkel und dort mischen sie sich mit dem Gesang der Juden, die Psalmen beten. So mengen sich die Gebete und schwimmen vereint über die Meeresfläche dahin. Mitten auf dem Verdeck stehen junge Burschen und Mädchen; sie kommen aus Plonsk, einem Städtchen in Polen. Voll froher Hoffnung fahren die jungen Leute nach Erez Israel, um die heißgeliebte Erde des Landes zu beackern; hebräische Lieder singen sie. Die jungen Mädchen, die auf dem Schiffe sind, haben sich zu jenen gesellt und begleiten den Gesang mit ihren sammetweichen Stimmen, den Stimmen jüdischer Mädchen. Auf dem Deck spaziert ein „Gelehrter“; er kennt Palästina, kommt nicht zum ersten Male hin. Die Gruppe der Juden blickt er liebevoll an, als wären sie seine Schützlinge: „Ja, die Kinder da, die freuen sich, nach Erez Israel zu kommen.“ Dann bleibt er in einer Ecke stehen und lauscht bewegt ihren Liedern. Weithin leuchtet zitternd das Licht aus dem Zelt, das der Pascha von Damaskus für seinen Harem hat aufstellen lassen... Alles ist in unruhiger Erwartung, nur der Kapitän steht ruhig auf seinem Posten und beobachtet den Kurs des Schiffes, und der hohe, schwarze Mastbaum wirft einen gespenstisch langen Schatten auf das dunkle Meer. Ich und alle anderen, wir haben das Gefühl, als wären wir verirrte Kinder, die irgendwo in fremdem Lande gefangen waren und nach langem Fernsein wieder in Mutters Stube zurückkehren sollen... und ich kenne meine Mutter noch gar nicht... Und so harren wir alle, jedes Volk und jeder Glaube in einem anderen Winkel, auf die Sonne, die uns aufgehen soll über den Bergen unseres Heimatlandes ... Schon merkt man, wie der nahe Tag den Himmel bleicht und des blassen Himmels Widerschein bleicht auch das Meer. Doch im Hintergrund ragt etwas wie der schwarze Schatten eines Riesen schreckhaft empor und zitternd spiegelt das Meer dies dunkle Bild ab. Doch der Tag wird heller und des Riesen Bild tritt scharf aus dem Schatten

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