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Das jüdische Echo · 1923-08-03 · 31 (3.8.1923) · p. Seite 375

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
31 (3.8.1923)
Date
1923-08-03
Page
Seite 375 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 Das jüdische Echo 375 hervor mit mächtigen spitzen Zacken — jetzt beleuchtet der Tag riesige Schneeberge, die hoch in die Wolken hinein ragen. Der junge Tag badet sich in dem Schnee des Berges und goldiger Glanz glitzert auf den Firnen. Ich weiß nicht, aus wessen Brust es sich zuerst entrang: Der Libanon! Und alle, groß und klein, Jude und Christ, stürzen hastig an den Schiffsrand; die einen breiten die Hände aus, andere lassen überwältigt das Haupt auf die Brust sinken, dort bekreuzen sich andächtig einige Christen und alles schweigt, versunken im Anblick des Libanon. Die Sonne badet sich in seinem Schnee, bevor sie ihre große Reise antritt, als wollte sie sich durch dieses Bad heiligen. Der Bergschnee erglitzert von ihren Strahlen und sein Licht vereinigt sich mit dem des Morgenhimmels in inbrünstigem Kusse zu hellem Schein, der sich über den ganzen Abhang ergießt. Wie eine einzige Wolkenmasse erscheint der weiße Berg; denn sein Gipfel taucht in die Wolken und sein Schneekleid ist so weiß wie der Wolken Gewand. Jetzt durchdringt die Sonne mit ihren Strahlen die Wolken und den Schnee des Bergabhanges und beide erscheinen wie ein flammender Teich, feurigwogend und goldigschimmernd. Die rosigen Bogen dieses Lichtes gießen sich über den Bergesrücken hinab und mengen sich mit den Meereswellen. Das Meer erwacht, geblendet vom Glanze des Lichts, und liegt jetzt leuchtend und freudig zu Füßen des Berges. Fort ist das schwarze Nachtungeheuer und frei atmen die Wellen im herrlichen Scheine des Tages, weithin bestrahlt sie die goldene Sonne. Wir alle stehen auf dem Deck und betrachten dich, Berg Libanon. Sei mir gegrüßt, Sonne meiner Heimat! Heimat, sei gegrüßt, sei gesegnet! Stolz bin ich auf dich, stolzer Libanon! Zu dir bin ich gekommen, meine Väter, meinen Stamm zu finden — woher kam ich? Wer bin ich? Du Winkel meiner Heimat, auf deinen Fluren haben meine Ahnen lustwandelt in ihrer glücklichen Brautzeit. Du hörtest die liebeerfüllten bräutlichen Lieder meiner Mutter, diese Lieder von künftiger, lebensvoller und lebenspendender Freude. Höre, Berg, erzähle mit etwas! Du weißt doch so vieles: Du hörtest doch das fröhliche Lachen meiner Eltern, den Freudenschrei ihres Schöpfungsglückes ... Warum schweigst du, Berg? Ein Einsamer, komme ich zu dir, verschlagen aus fremder Heimat, die mir zur Mutter ward, an deren Brust ich vertrauensselig mein Haupt gelehnt. Aus dieser fernen, fremden Heimat, nach langem Irren komme ich zu dir!... Warum schweigst du, Berg? Wen sucht dein stolzer Blick? Sieh auf mich! Erkennst du mich denn nicht? Ich entstamme doch jenem Brautpaar, das unter deinen Zedern selig geruht... Du kannst mir von ihnen Zeugnis geben; sieh her — ich beuge mein Haupt vor dir, ich wasche meinen Leib, auf daß er würdig sei, deinen Boden zu berühren. Erzähle mir doch, Berg, gib mir Zeugnis... Ciemeiitclen-u.Vereins-Kcho 'Jüdische Handwerker in München. Im Anschluß an unsere Notiz in Nr. 27 des Jüdischen Echo fordern wir wiederholt alle in München wohnenden jüdischen Handwerker auf, ihr Adresse, soweit dies noch nicht geschehen, zwecks Aufnahme in eine für die Gemeindemitglieder bestimmte Liste der Redaktion des Jüdischen Echo, Herzog Maxstraße 4, Tel. 53099 bekannt zu geben. Die Chaluzim-Fürsorgestelle, München teilt uns mit, daß im Monat Juli wöchentlich größere und Hinter mir steht ein altes Judenweiblein, eine von denen, die. nachts, so gut sie es konnten, den Psalmengesang der Männer begleitet haben. Erez Israel zu Ehren hat sie ihre neue Sabbatjacke angezogen, die mit den weißen Spitzen und den Sammetbändern. So steht sie hinter mir, ein großes Gebetbuch in der Hand: „Sagt mir doch, ist er das, der Berg aus der Bibel?“ „Ja, das ist er, Großmutter, der Berg aus der Bibel, der Libanon ...“ Oh, du Berg Libanon, du Berg der Bibel, auf, erhebe dich, auf, mühe dich vor Gottes Herrlichkeit für Jente, Leahs Tochter, und für ihre lieben Kinder, die sie zurückließ in der Fremde, und für alle, für das ganze Israel, Amen. Selah! Auch die alten Juden haben sich zu Ehren des Libanon sabbatlich gekleidet, haben Tallis und Tefilin angelegt und vom Morgenlicht umstrahlt, beten sie, zum wirklichen Erez Israel gewendet, andächtig ihr Morgengebet angesichts des Libanon. („Hinter diesem guten Berg“) sagt einer von ihnen, und zeigt mit dem Finger auf den so nahen Libanon... Das junge Volk, die Burschen aus Plonsk, einige Zionisten, Kaufleute, richten ihr Gepäck zurecht, um in Beirut, der größten Handelsstadt Syriens, zu landen und von dort nach den galiläischen Kolonien zu reisen. „Wollt ihr denn nicht zuerst nach Jerusalem, die Klagemauer, Rahels Grab sehen?“, fragen verwundert die Alten. „Wir gehen nicht nach Jerusalem, um dort zu sterben, um das Grab der Erzväter zu besuchen, wir gehen nach Erez Israel, um zu leben, um in den Kolonien zu arbeiten“, lautet die stolze Antwort der Jungen. „Wunderbar“, sagt versonnen die Alte hinter mir, „ein neues Erez Israel...“ Die kleinen Hafenboote sind schon da, um die Landenden aufzunehmen. „Wenn ihr nach Jerusalem kommt, grüßt mir den Bezalel, nicht die alten Gräber und die verwitterte Klagemauer“, ruft noch rasch ein junger Bursche den Alten zu, und springt, den Koffer auf der Schulter, ins Landungsboot. „Wer ist das, wen sollen wir grüßen?“ „Den Bezalel, und dann das Volkshaus, die grüßt“, verhallt die spöttisch-fröhliche Stimme des Scheidenden. „Wer ist der Bezalel?“ fragt der Alte. „Laß, laß... es ist was von den Zionisten“, antwortet ihm ein anderer. In dem Winkel des Schiffes, wo die Christen sich aufhalten, hat der Pope seine Gemeinde um sich versammelt, alle haben sich zu Ehren des Libanon festlich geputzt, die Stiefel geschmiert, die roten Halstücher umgelegt, ihre verdrückten Sonntagsröcke aus den Bündeln hervorgeholt. Der Priester deutet auf den Berg. Und alle Pilger beugen demütig das Haupt vor dem gewaltigen Libanon und bekreuzen sich andächtig. So begrüßt unser Schiff das heißersehnte Gestade von Erez Israel. kleinere Gruppen Palästina-Wanderer München passierten, tagsüber hier Aufenthalt nahmen und abends 7 Uhr 25 Min. mit den direkten Anschlußzug nach Triest fuhren. An dieser Stelle wird im Namen der Chaluzim und sonstigen Palästina- Fahrer den Münchener Freunden für die ihnen erwiesene Aufmerksamkeit bestens gedankt. Ebenso für nachstehend ausgewiesene Spenden: Verm. Mysliborski-Schmidt . . . M. 500 000.— durch Goldfarb .M. 2 000.— M. Neuß .M. 20 000.—

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