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Das jüdische Echo · 1923-08-03 · 31 (3.8.1923) · p. Seite 371

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
31 (3.8.1923)
Date
1923-08-03
Page
Seite 371 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 371 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Abertausende von Juden gibt, die trotz aller Gegensätze sich eins wissen in dem Gedanken: Im eschkachech Jeruscholaim. tischkach jemini! Li-r. Wir haben einen Berichterstatter zum Zionisten-Kongreß nach Karlsbad entsandt und werden in der Lage sein, unseren Lesern Originalberichte vorzulegen. Mußte es soweit kommen? Kürzlich ging eine kleine Notiz durch die jüdische Presse: Der Mitteldeutsche Rabbinerverband hat auf seiner letzten Tagung vor einigen Wochen beschlossen, seinen Mitgliedern zu empfehlen, sie sollten sich zwecks Erhaltung des Rabbinats Nebenbeschäftigung suchen.... Die Notiz blieb ziemlich unbeachtet; jedenfalls haben wir — abgesehen von einer einzigen Stimme in der letzten Nummer des Israel. Familienblattes — von keiner Seite dazu Stellung nehmen sehen. Und doch erscheint diese Notiz wie ein Fanal, das die Lage der jüdischen Gemeinden Deutschlands und in weiterem Sinne der deutschen Judenheit überhaupt grell beleuchtet.... Seit der beginnenden Entwertung unseres Geldes beschäftigt die Frage der Honorierung der Kultusbeamten die jüdische Öffentlichkeit, d. h. diejenigen, die sich etwa von Amtswegen mit diesen Fragen zu befassen haben und den kleinen Prozentsatz der Leser der jüdischen Zeitungen. Man kann beim besten Willen nicht gerade behaupten, daß diese Jahre ein Ruhmesblatt in der Geschichte der jüdischen Gemeinden darstellen; bei aller berechtigten Einschätzung der Schwierigkeiten, die dem Budget der Gemeinden aus der Geldentwertung und anderen Momenten erwachsen, wird man doch sagen müssen, daß die Judenheit Deutschlands bei der Fülle ihrer Intelligenz und der Organisationsfähigkeit, deren sie sich in früheren Jahren so gerne zu rühmen pflegte, es so weit, wie es gekommen ist, nicht hätte kommen lassen dürfen; es hätte tatsächlich keineswegs so weit zu kommen brauchen. Tatsache ist heute dies: der Lehrerstand ist in der Auflösung begriffen — daran wird die sonst sehr segensreiche Tätigkeit des Verbandes Israel. Gemeinden Bayerns nicht mehr viel ändern können —; es ist zweifellos, daß binnen kurzem unsere Gemeinden einen fühlbaren Mangel an Lehrkräften zu verspüren haben werden und im Rabbinerstande werden sich ebenfalls früher oder später Lücken bemerkbar machen.... Wir sind im Laufe der Jahre sehr pessimistisch geworden; wir gehen soweit auch auf diesem Gebiete von einem drohenden Untergange der deutschen Juden zu sprechen; — aber wir sind immer noch optimistisch genug, um zu glauben, daß die breite Masse der deutschen Juden diese Zustände zu ändern gewillt wäre, wenn sie nur von ihnen wüßte. Aber eben daran, an der mehr oder weniger großen Unaufgeklärtheit der breiten jüdischen Masse, liegts. Die Politik und Arbeit unserer Gemeindestuben spielt sich, zumal in dieser schweren Zeit, viel zu sehr hinter den Kulissen ab, als daß die Öffentlichkeit richtig orientiert wäre. Erste und wichtigste Forderung müßte deshalb sein, daß unsere Gemeindevertretungen sich endlich entschließen, diese Fragen der Not der Gemeinden vor breitester jüdischer Öffentlichkeit in regelmäßig einzuberufenden Gemeindeversammlungen, in Zuschriften oder Flugblättern zu behandeln; — in letzterer Hinsicht hätten auch Rabbiner- und Lehrervereine viel mehr leisten müssen, als sie getan haben. Wir sind der Überzeugung, daß der Wille da ist und daß diesem Willen nur ein Weg gezeigt werden muß. Es geht doch wahrlich nicht mehr an, daß die Beamten die Gemeinden erhalten und die berühmten Dreiviertel- oder Einhalb-Honorierungen, die sich allmählich einzubürgern pflegen, wachsen sich doch wirklich allmählich zu einem öffentlichen Skandal aus. Die Forderung der Eingruppierung in die Beamtenbesoldungsordnung des Staates werden die besten Vertreter des jüdischen Beamtenstandes und gerade sie nicht mehr fallen lassen. Darüber gebe man sich keiner Täuschung hin. Die Zeiten, in denen jeweils bei der Forderung irgend eines Beamten in den Kultusstuben je nach Wohl- oder Übelwollen seine persönlichen Verhältnisse durchberaten, man kann auch sagen, durchgeklatscht wurden, sind für die heutige Generation endgültig vorbei. Ob noch schwierigere wirtschaftliche Verhältnisse eine Wandlung in der berechtigten Forderung der Beamtenschaft herbeiführen werden, ist zum mindesten zweifelhaft; zum Segen der Judenheit würde sie keinesfalls gereichen. Das Eine ist indes heute unzweifelhafte Tatsache: aus den Kreisen der heutigen Beamtenschaft, die sich nun seit Jahren herumschlagen muß, teils mit dem Übelwollen, teils mit der Schwerfälligkeit der Gemeinden, die vor entscheidenden Schritten zur Ordnung ihrer Finanzen zurückschrecken, wird kein jüdischer Kultusbeamter mehr erwachsen, oder aber er müßte absolut unfähig oder so viel wie ein weltenfremder Überidealist sein. Aber hier liegt denn nun das Problem in seiner Ganzheit. Man hat seit Jahrzehnten in allen Kreisen — orthodoxen wie liberalen — den Stand des Kultusbeamten als ein „Rachmonus“ betrachtet. Man hatte für ihn viele schöne Worte übrig, aber im innersten Winkel des Herzens hat man ihn selten sehr geschätzt, nie in Wahrheit sich selbst gleich geschätzt. Jedenfalls ist für die Wertung, die man dem Beamtenstande zuteil werden ließ, die Tatsache charakteristisch, daß er sich fast ausschließlich immer wieder aus einer bestimmten Schicht rekrutieren mußte und die oberen Schichten unserer Kaufleute und Akademiker ihre Kinder selten haben Rabbiner oder Lehrer werden lassen. So stirbt denn — wenn die Verhältnisse sich nicht bald und grundsätzlich ändern — der Beamtenstand sehr bald aus. Zu dieser Erkenntnis muß man logisch folgerichtig kommen, wenn man sie auch noch so sehr bedauern mag. Was dann aus unseren jüdischen Gemeinden werden mag? Nun, das Chaos — dasselbe Chaos, das wir heute schon in unseren kleineren Gemeinden sehen, in denen das Lehrergehalt den Mitgliedern zu groß erscheint, als daß man es dem vielfach sehr reichlichen Einkommen entziehen möchte. Sie sinken immer weiter in den verderblichen Geist der Zeit, in Unwissen und absolute Gleichgiltigkeit auf dem Gebiete des Judentums und aller religiösen Werte herab.Die letzte Stunde ist

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