Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1923-07-27 · 30 (27.7.1923) · p. Seite 359

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
30 (27.7.1923)
Date
1923-07-27
Page
Seite 359 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103029-9148078--05759-9078440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 30 Das Jüdische Echo 359 räter. Wenn sie großmütig schenken — und es gibt keine freigebigeren Geber als die Juden — so tun sie es zu irgendeinem selbstsüchtigen Zweck. Wenn sie nichts geben — was will man denn von einem Juden erwarten? Wenn die Arbeiterschaft durch das Großkapital bedrückt wird, ist die Geldgier der Juden dafür verantwortlich. Wenn die Arbeiterschaft sich gegen das Kapital auflehnt — wie sie es in Rußland tat — werden die Juden auch dafür angeklagt. Wenn der Jude in einem fremden Lande lebt, muß er verfolgt und durch Pogroms daraus vertrieben werden. Wenn er in sein eigenes zurückkehren will, muß er daran gehindert werden. Was immer er tun oder beabsichtigen oder unterlassen mag, seit Jahrhunderten wurde er in jedem Lande mit dem brutalen Ruf des Pöbels von Jerusalem gegen den größten aller Juden verfolgt — Kreuziget ihn! Nichts Gutes ist je von den Völkern gekommen, die die Juden gekreuzigt haben. Es ist ein armseliger und feiger Sport, dem alle wahren Eigenschaften der Männlichkeit fehlen.“ Auch für den Zionismus findet Lloyd George warme Worte der Sympathie: „Was diese Verbannten aus Zion dem Völkerbund vorlegten, ist eine bescheidene Forderung. Es ist jedenfalls gerecht, ihr zuzustimmen und sie so durchzuführen, wie Männer von Ehre ihre Versprechungen durchzuführen pflegen. Es gibt 14 Millionen Juden in der Welt. Sie gehören einer Rasse an, die seit mindestens 1900 Jahren der Acht, der Plünderung, dem Massenmord und den Qualen einer endlosen Beschimpfung preisgegeben war — eine Rasse, die eine Verfolgung erlitten hat, die an physischen, materiellen und moralischen Torturen, an Leidenschaft und Bösartigkeit der Verfolger, an Länge der Zeit und mehr als alles das an Kraft und Geduld, mit der sie getragen wurde, ohne Beispiel dasteht in der Geschichte aller Völker. Ist es zu viel verlangt, daß jene unter ihnen, deren Leiden die ärgsten sind, imstande sein sollen, eine Zuflucht im Lande ihrer Väter zu finden, in dem Lande, das diese Väter durch den Glanz ihres Genius, durch die Erhabenheit ihrer Gedanken, durch das Opfer ihres Lebens und durch die Offenbarung ihrer Botschaft an die Menschheit geheiligt haben?“ Herbert Samuels Botschaft an die englischen Zionisten London. (JCB.) In einem an die englische zionistische Föderation gerichteten Antwortschreiben sagt Sir Herbert Samuel, die Bildung eines jüdischen Nationalheims in Palästina hänge zu einem großen Teile von der Größe der jüdischen Bevölkerung im Lande ab. Die Erhaltung dieser Bevölkerung sowie der Fortschritt der arabischen Bevölkerung, die wir, unserem Versprechen gemäß, fördern müssen, hänge von der ökonomischen Entwicklung des Landes ab. Diese müsse hauptsächlich durch Investierungen und Hilfeleistungen seitens der Juden der ganzen Welt herbeigeführt werden. Derartige Investierungen und Hilfen sind bedingt durch die von Körperschaften, wie die englische zionistische Föderation, geleistete Hilfe. Sir Herbert Samuel schließt, es freue ihn, zu wissen, daß er die Freundschaft und Sympathie der englischen zionistischen Föderation besitze, obwohl mehrere seiner Handlungen in Palästina sie gewiß enttäuscht haben. Am 4. Juli hat Sir Herbert Samuel eine Deputation der englischen zionistischen Föderation, bestehend aus Rabbiner J. F. Goldbloom, Mr. Paul Goodman und Mr. Ludlow, empfangen. Alfred Mond für den J. N.-F. London. (JCB.) Die Kommission des Jüdischen Nationalfonds für England teilt mit, daß sie von Sir Alfred Mond einen Scheck auf 5000 Pfund Sterling erhalten hat. Es ist das die dritte Rate der von Sir Alfred Mond dem J. N.-F. zugesagten 25 000 Pfund Sterling. Amerika. Das Begräbnis Morris Rosenfeld Aus New York wird berichtet: An dem Tage, an dem der allzu früh verstorbene Dichter des jüdischen Proletariats, Morris Rosenfeld hier zu Grabe getragen wurde, strömten die Menschen schon zeitlich früh aus allen Teilen New Yorks und aus den umliegenden Vorstädten und Städten der Vorwärts-Hall zu, wohin der Sarg mit der Leiche des verstorbenen Dichters vor der Bestattung gebracht worden war. Selbst aus entfernten Städten waren Abordnungen gekommen, um dem großen jüdischen Dichter, die viele Jahre hindurch so kraftvoll und herrlich die Leiden und Freuden der jüdischen Massen besungen hatte, die letzte Ehre zu erweisen. Es war das eine Trauerkundgebung, wie sie imposanter und größer selbst in New York nicht gesehen wurde. Die Zahl der Anwesenden wird auf über 25 000 geschätzt. Die Trauerkundgebung in der Vorwärts-Hall währte drei Stunden. Hier sprachen Hillel Rodow namens des Schriftstellervereins „J. L. Perez“, welcher das ganze Leichenbegängnis veranstaltete, ferner S. Janowski, Moritz Winczewski, Leon Kobrin, Rubin Brainin, a/nau ~rcn-Jti>dcn u./arif&jfcyyjcjmeidetei'. <S?5erurcif'Srcrfjre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.