Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 30 (27.7.1923)
- Date
- 1923-07-27
- Page
- Seite 358 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Das Jüdische Echo Nr. 30 Herr Weiß, wie wir annehmen, ein Jude ist, und wenn er nur bei den Ägyptern, nicht bei den jüdischen Chaluzim etwas gespürt hat von der schmerzlichen Begeisterung, sich dem Sinn der eigenen Kraft genähert zu haben“, dann beweist das nur, daß ein moderner Literaturjude die „Fremdheit der ganzen Welt berühren und erfassen kann“, ohne doch „seine eigenen, persönlichen vergessenen Wirklichkeiten zu erwecken.“ Und nun noch die Araberfrage. Die zionistische Politik ist „krankhaft“, „unmoralisch“, der arabische Nationalismus dagegen „ein einfaches Krafterwachen, und darum auch nie reaktionär und immer freiheitlich.“ Wer kann da zu einem anderen Schluß kommen, als daß bei dem jüdischarabischen Gegensatz alles Recht auf Seiten der Araber liegt, alles Unrecht bei den Juden ist. Wie verhält es sich wirklich? Als die Juden nach der Tempelzerstörung Erez Israel verließen, war es ein Land, wo Milch und Honig fließt, die Araber haben es zu einer halben Wüste werden lassen. Palästina braucht zu seinem Aufbau die Juden. Erst kürzlich hörten wir eine zu den deutschen Templern gehörigen Persönlichkeit, die Jahrzehnte lang im Lande gelebt hat, daß nur die Juden das Land aufbauen können, und das Gleiche hat kürzlich Lloyd George in einem Artikel ausgesprochen. Und die Juden brauchen Palästina als Heimstätte. Das arabische Volk, das riesige Länder besitzt, ist nicht auf Palästina angewiesen, es kann billigerweise nur beanspruchen, daß die dort lebenden Araber nicht vergewaltigt werden. Das aber will niemand, jedenfalls nicht die zionistische Leitung. Ihre Politik ist durchaus auf Verständigung mit den Arabern gerichtet. Jüdischen Literaten im Verein mit englischen Antisemiten kann es wohl gelingen, diese Verständigung zu verzögern, nicht aber sie gänzlich zu verhindern. Und die Frankfurter Zeitung? Sie erklärt, daß sie für den politischen Teil der Ausführungen des Herrn Weiß keine Verantwortung übernimmt, seine Berichte lediglich als Eindrücke eines Reisenden aufgefaßt haben will, und nicht als grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Zionismus, in die sie nicht eintreten wolle. Auf diese einfache Weise kann sich die Frankfurter Zeitung ihrer Verantwortung nicht entledigen. Sie hat durchaus subjektive politische Angriffe gegen den Zionismus gebracht — einerlei ob über oder unter dem Strich — und ist nun verpflichtet, auch einmal objektiv Stellung zu nehmen. Da sie ja mit Recht ablehnt, als Judenblatt zu gelten, kann sie dabei nicht vom Standpunkt eines jüdischen Assimilanten ausgehen, richtunggebend kann für sie nur die Menschlichkeit und das Interesse Meuhcrusers/r. 15, gegenüber der alten Mademie der deutschen Politik sein. Wir zweifeln nicht, daß sie mit einer derartigen Richtschnur zu einer besseren Würdigung des Zionismus und des jüdischen Palästinas gelangen wird, als Herr Leopold Weiß. Dr. N. Aus der jüdischen Welt Aus der jüdischen Welt Palästina Das Viertel Romema bei Jerusalem Das in Jerusalem am Ende der Jaffaer Straße entstehende Viertel Romema macht rege Fortschritte. Auf diesem Platze, einem der höchsten Jerusalems (830 m über dem Meeresspiegel), gibt es 25 Bauparzellen. 10 Häuser sind bereits jetzt im Bau. Vom Viertel Romema führt unter anderem ein gerader Weg nach dem ölberg. Die Wegebauarbeiten werden von dem Misrad laawodoth ziburioth ausgeführt. In der Nähe der Siedlung befindet sich die größte Wasserzisterne Jerusalems, von der aus das Wasser durch Rohrleitungen der Stadt zugeführt wird. Inmitten der Siedlung ist ein Gedenkstein errichtet mit der Inschrift, daß an dieser Stelle die Stadt Jerusalem den britischen Truppen am 9. Dezember 1917 übergeben worden ist. Die bauliche Entwicklung von Kirjath Samuel Trotz der Krise macht die bauliche Entwicklung des neuen Viertels in Tiberias, Kirjath Samuel, schöne Fortschritte. Auch die Regierung hat dort eine größere Bauparzelle erworben und ein schönes Wohnhaus für den Regierungsvertreter Krischewsky errichtet, das dieser Tage vollendet wurde. Die Regierung dürfte doch auch bald ein großes, alle Verwaltungsdepartements umfassendes Regierungsgebäude erbauen. England Lloyd George und die Juden Ein aufsehenerregender Artikel im „Daily C h r o n i c l e“ Lloyd George veröffentlicht im „Daily Chronicle“ einen Artikel, worin er sich ausführlich mit der Judenfrage auseinandersetzt und bezüglich der Ansprüche der Juden zu sehr bemerkenswerten Schlüssen kommt, denen durch den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung (wenige Tage vorher hatte Lord Jslington im Oberhaus wegen Änderung der englischen Palästinapolitik interpelliert) besondere Bedeutung zukommt. Lloyd George schreibt: „Von allen blinden Vorurteilen, die das menschliche Gemüt aufreizen, ist der Antisemitismus das unsinnigste. Er hat keinen Boden in der Vernunft — er wurzelt nicht im Glauben — er strebt kein Ideal an — er gehört eben zu jenem feuchten und ungesunden Unkraut, das im Morast des Rassenhasses wächst. Wie vollkommen sinnlos er ist, kann aus der Tatsache beurteilt werden, "daß er sich fast ganz auf Völker beschränkt, die jüdische Propheten und Apostel anbeten, die nationale Literatur der Hebräer als die einzige Offenbarung der Gottheit an die Menschheit verehren und deren ganze Hoffnung auf Erlösung in den Verkündigungen und Versprechen der großen Lehrer von Juda seine Grundlage besitzt. Und doch können nach der Ansicht dieser Fanatiker die Juden von heute nichts recht machen. Wenn sie reich sind, sind sie Raubvögel. Wenn sie arm sind, sind sie Ungeziefer. Wenn sie einen Krieg begünstigen, wollen sie die blutigen Kämpfe der Christen zu ihrem eigenen Profit ausnützen. Wenn sie nach Frieden verlangen, sind sie entweder Feiglinge oder Ver-