Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 29 (20.7.1923)
- Date
- 1923-07-20
- Page
- Seite 349 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103029-9148077--05748-9078429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 29 Das Jüdische Echo 349 darüber, daß die einmütige Kundgebung der Judenschaft die Regierung veranlassen werde, die Verordnung rückgängig zu machen. Österreich Der Gang zum Grabe Herzl’s. Am Sonntag, den 8. Juli fand, wie alljährlich, der Zug der Wiener Zionisten zum Grabe des großen Volksführers statt. Der Zug war heuer besonders eindrucksvoll: Nahezu 20 000 Menschen, nämlich die im jüdisch-akademischen Landesverband organisierten Akademiker, die österreichische zionistische Leitung mit ihrem Präsidenten Dr. Friedmann, einige Züge des „Blau- Weiß“ des Bundes jüdischer Jugendwanderer, die jüdischen Sport- und Turnbunde, Vertreter der Bezirks- und vieler Provinzialorganisationen beteiligten sich daran. Dem Wunsche Herzls folgend, an seinem Grabe keine Reden zu halten, defilierte der Zug stumm an seinem Grabe. Der Vorbeimarsch, der sich in mustergültiger Ordnung vollzog, dauerte fünfviertel Stunden. Tschecho-Slowakei Erleichterungen für Kongreß-Teilnehmer. Wie das Büro des 13. Zionistenkongresses in Karlsbad mitteilt, hat sich die Regierung bereit erklärt, Kongreßteilnehmern erhebliche Erleichterungen zu gewähren. So haben minderbemittelte Teilnehmer bei Vorlegung entsprechender Nachweise für die Erteilung des Visums nur die Hälfte oder ein Viertel der normalen Gebühr zu entrichten. Bei gänzlich mittellosen, z. B. Jugendlichen, soll es unentgeltlich erteilt werden. Ferner wird allen aus dem Auslande kommenden offiziellen Kongreßteilnehmern auf den Strecken der tschechoslowakischen Staatsbahnen für direkte Fahrten, innerhalb der Zeit vom 1. bis 31. August zwischen einer Grenzstation und Karlsbad, beziehungsweise umgekehrt, eine 33prozentige Fahrpreisermäßigung für jede Wagenklasse gewährt. Bestellungen auf Unterkunft nimmt das Wohnungsamt des Kongreßbüros -aus allen Kreisen der Teilnehmer (Delegierte, Gäste, Journalisten, Beamte usw.) bis spätestens 20. Juli entgegen. Alle Besucher werden schließlich darauf aufmerksam gemacht, daß sie zweckmäßig ihre gesamte Post an das Zionistische Kongreß-Postamt in Karlsbad, Schützenhaus, adressieren lassen, sofern sie nicht bereits vor ihrer Abreise in der Lage sind, der Post ihr Karlsbader Logis anzugeben. Literarisches Scho Fritz Mauthner: Spinoza. Ein Umriß seines Lebens und Wirkens. Dresden 1921, Carl Reißner. Wenn der „Geschichtschreiber des Atheismus" nach fünfzehn Jahren das Bedürfnis fühlt, eine als „Bekenntnis zu dem Weltüberwinder Spinoza“ gedachte Schrift in neuer, erweiterter Bearbeitung wieder aufzulegen, so regt sich bei dem Leser trotz aller Freude der Wunsch, Mauthner in strengerer Befolgung des Untertitels als dankenswertem Mentor der Spinoza-Kunde folgen zu dürfen. Leider aber versagt das Büchelchen gerade in dem, was man nach der in den Worten: Sein Leben und Wirken gelegenen kurzen Inhaltsangabe füglich erwarten dürfte. Miszellen zu Spinoza bietet Mauthner natürlich, viele anregende Gedankengänge werden bloßgelegt — aber im Ganzen ist mit der dem heutigen Leser großenteils nicht mehr zeitgemäßen Polemik doch mehr den mit der Spinoza-Literatur eng und lange Vertrauten gedient, als dem, der vertrauensvoll einen kurzen Führer zu Spinoza mit dieser Schrift zu erwerben hofft. Um wie viel dankenswerter wäre dies gerade in unserer Zeit, wo die Suchenden im Judentum sich immer weniger an den hergebrachten Religionsformen und -begriffen genügen lassen und in dem großen Amsterdamer Juden einen Führer sub specie aeterni finden könnten. Selbst ein kurzer Hinweis auf die Zusammenhänge des Menschen und Denkers Spinoza mit der ihm angestammten Religion auch in positiver Hinsicht, auf die Entwicklung, die von der im Rabbinismus dokumentierten jüdischen Weltauffassung zu dem Einheitsbilde des „natura sive deus“ hinüberführt, hätte dem großen Kreise der Spinozafreunde und dem noch größeren derer, die es werden könnten, mehr gedient, als diese stark sub specie auctoris geschriebene Darstellung. Trotzdem ist auch von ihr zu sagen, daß ihr klarer Stil und ihre starken Anregungen zu weiterem Eindringen in den spinozistischen Gedankenkreis einlädt und die Schrift darum Empfehlung verdient. Theo Harburger. Der Jude. Eine Monatsschrift. Heft 5: Aus dem reichen Inhalt nennen wir die Beiträge von Achad Haam: „Wahrheit aus Palästina“, Abraham Schlesinger: „Die Frage nach dem Sinn des Judentums“, Samuel Rappaport: „Aus dem religiösen Leben der Ostjuden“, Eugen Hoeflich: „Zum Untergang der abendländischen Revolution“, Oskar Karbach: „Eine neue Phase zionistischer Erkenntnis“, Oskar Baum: „Der ewige Flagellant“, Josef Aschermann: „Der Sanitätsdienst beim Straßenbau Tiberias-Samach“, Chaim Tschernowitz: „Die Stellung der Frau in der jüdischen Tradition“, Abraham Hurwitz: „Die jüdische Literatur in schwedischer Sprache“, Heinrich Berl: „Zum Problem einer jüdischen Musik“. H e f t 6: Das 6. Heft des VII. Jahrgangs ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Hans Kohn: Zur Geschichte der zionistischen Ideologie. — Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden. — Eduard Strauß: Augustinus der Bekehrte. — Franz Rosenzweig: Übersetzung von fünf Gedichten des Jehuda Halovi. — Bemerkungen: Helene Hanna Cohn: Von der zweiten Generation in Palästina. — Umschau: Moritz Bileski: Anzeige staatswissenschaftlicher Schriften. — Abonnementspreise: Deutschland Grundzahl Mk. 2.50 (Schlüsselzahl z. Zt. 8000 bei Zahlungen bis 20. Juli fest, später die erhöhten Schlüsselzahlen), Tschechoslowakei Kc 10.—, Österreich K 18000.—, Polen Mp. 35000.—, Ungarn Ku. 2000.—, Rumänien Lei 50.—, Bulgarien Lewa 35.—, Jugoslavien Dinar 25.—, Schweiz Frk. 2.—, Holland Hfl. 1.—, Frankreich und die Länder mit frz. Val. Frk. 5.—, England und die Länder mit engl. Val. sh. 1.6, Amerika Dollar 1.—, Dänemark, Norwegen Kr. 2.—, Schweden Ks. 1.50, Italien Lire 6.—, Esthland u. Lettland, Grundzahl R. 5.— (Schlüsselzahl bis 20. Juli 8000, dann die erhöhten Schlüsselzahlen). „Ausgewählte Kongreßreden.“ Die Broschüre enthält die Eröffnungsrede Theodor Herzls zum 1. Zionistenkongreß, ferner Reden von Professor Mandelstamm, Gronemann, Ruppin und Weizmann über Judenfrage, zionistische Propaganda, Kolonisation und die hebräische Universität. Die Auswahl der Reden, die die wichtigsten Probleme zionistischer Arbeit behandeln, erscheint recht glücklich, da diese Reden, wie auch das Vorwort zeigt, noch über den Kongreß hinaus, auf dem sie gehalten wurden, praktische Bedeutung haben und ihre Aussprüche und Schlußfolgerungen noch heute ebenso gelten, wie vor 25 oder vor 10 Jahren. Gerade vor dem 13. Kongreß dürfte diese Sammlung besonderem, auch historischem Interesse begegnen, und wir glauben bestimmt, daß sie in weitesten Kreisen, insbesondere auch nichtzionistischen, freudige Aufnahme finden wird.