Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 29 (20.7.1923)
- Date
- 1923-07-20
- Page
- Seite 348 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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348 Das Jüdische Echo Nr. 29 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Der Kund sei entschuldigt, (Aus dem Simplicissimus). Auch ein Köter ließ es sich angelegen sein, am beschmutzten Heine-Denkmal in Hamburg seine Meinung zu entleeren. Im Vorübergehen zog ich ihm eins mit dem Handstock über. Er sprang bei Seite und kläffte: „Judengenosse! hier — sieh — meine Marke!“ Ich habe auf Grund meiner Steuerzahlung das Recht der freien Meinungsäußerung! Ist es nun meine Schuld, daß ich nach Artung meines Wesens mit Hakenkreuzlern auf einer Stufe stehe!“ England Ein Interview mit Dr. Weizmann. London. (JCB.) Das Organ der englischen Labour Party „Daily Herald“ bringt ein Interview mit Dr. Weizmann nach seiner Rückkehr aus Amerika. Dr. Weizmann sagte, es werde unter Arabern eine zerstörende Propaganda betrieben, die an deren fanatischen Instinkte appelliert. Die antizionistische Propaganda in der englischen Presse ermuntere die Araber zur Obstruktion. „Ich bin aber sicher“, sagte Dr. Weizmann, „daß das Leben und die ökonomischen Bedingungen stärker sein werden als die künstlichen Grenzen. Es werden Berührungspunkte gefunden werden und die Zusammenarbeit wird Fortschritte machen.“ Dr. Weizmann schilderte die gegenwärtige Lage in Palästina und die von der Zionistischen Organisation vollbrachten Leistungen. Es sei die feste Absicht der Juden, mit den Arabern zusammenzuarbeiten, um Palästina ein den Juden und Arabern gemeinsames Land aufzubauen. „Die amerikanischen Juden“, sagte Dr. Weizmann, „sind mit geringen Ausnahmen bestrebt, beim Aufbau Palästinas mit Geld zu helfen. Ich habe dort 500 000 Pfund gesammelt. Wir benötigen in Palästina stabile Verhältnisse und das Fernhalten fremder Agitationen, damit beide Nationen in Frieden und Eintracht Seite an Seite arbeiten können.“ Der konservative Abgeordnete Conway über Palästina. Sir Hartin Conway, der konservative Vertreter der englischen Universitäten im Unterhause, sprach auf einer Veranstaltung des Nationalen Verbandes für gleiche Bürgerschaft über Palästina, wobei er u. a. ausführte: Palästina ist der ewige Bewegungspunkt der westlichen Zivilisation und des unentwegten Ostens. Die Juden bilden jetzt in Palästina die Vertreter der westlichen Zivilisation und sind gut bewandert in den modernen Fortschrittsideen. Diese Ideen stehen im Widerspruch zu dem Verhalten der Araber, die unter dem alten Regime sehr wenig zu arbeiten pflegten. Sie nehmen es deshalb übel, daß diesen neuen Ideen zufolge ein jeder schwer arbeiten muß, um leben zu können. Ihr Ärger darüber ist so stark, daß es den Juden unmöglich wäre, in Palästina zu leben, wenn es dort nicht den beherrschenden Einfluß Englands gäbe. Diese Verhältnisse haben es automatisch dazu gebracht, daß jeder Jude in Palästina zu einem Freunde Englands wird. Es liegt deshalb im besten Interesse Englands, die Juden in Palästina zu schützen, bis die Gendarmerie selbst zu solcher Entwicklung gelangt, daß englische Soldaten in Palästina unnötig werden. Palästina ist der Schlüssel für den Schutz des Suez-Kanals und des Weges nach Indien. Falls England Palästina verlassen würde, würde dort Frankreich unverzüglich eindringen. Dann wäre der Suez-Kanal in Händen der Franzosen und der unzufriedenen Ägypter und England stünde vor einem äußerst schweren Problem. Die Vorsitzende des Mettings war die bekannte Journalistin Mrs. Fawcett die u. a. ihrer Verwunderung Ausdruck verlieh, daß es noch immer Juden gäbe, die sich von Palästina fernhalten. Es wäre, erklärte Mrs. Fawcett, eine Feigheit, wenn England jetzt sein Wort brechen würde, das es einst, als der Krieg in seiner Stärke tobte, gegeben hat. Sie sei auch in Palästina gewesen und alle Araber, mit denen sie Rücksprache genommen hat, erklärten ihr, mit dem Regime Herbert Samuels zufrieden zu sein. (Ziko). Rumänien Entziehung des Öffentlichkeitsrechtes der jüdischen Schulen in Rumänien. Der rumänische Unterrichtsminister hat in einem Erlaß allen jüdischen Mittelschulen das Öffentlichkeitsrecht entzogen. Gleichzeitig wird angeordnet, daß in den Schulen in Siebenbürgen nur Rumänisch und Ungarisch als Unterrichtssprachen benützt werden können. Andere Sprachen müssen ganz fallen gelassen werden. Das offizielle Regierungsorgan ist über diesen Erlaß erfreut und wirft den jüdischen Mittelschulen vor, sie hätten die Schüler in irredentistischem Geiste erzogen und die Einführung der rumänischen Sprache unterlassen. Verletzung des Sabbath in den rumänischen Schulen. Vor kurzer Zeit ist auch ein Erlaß veröffentlicht worden, der die jüdischen Schüler der staatlichen Schulen verpflichtet, auch an den höchsten Jüdischen Feiertagen die Schule zu besuchen und am Sabbath zu schreiben. Gleichzeitig ist den Schulen anderer Konfessionen verboten worden, jüdische Schüler aufzunehmen. Die Schulkonferenz der Juden in Siebenbürgen. Mit Rücksicht auf die äußerste Dringlichkeit und Lebenswichtigkeit der Frage der Erhaltung der jüdischen Schulen hat das Exekutivkomitee beschlossen, die Schulkonferenz am 18. d. in Klausenburg abzuhalten. Aus allen Teilen Siebenbürgens und des Banats sind Delegierte angemeldet, und es ist erfeulich, konstatieren zu können, daß in dieser Frage alle Parteien innerhalb des Judentums geeinigt vorgehen, da sich alle der großen Gefahr bewußt sind. In den Kreisen des Exekutivkomitees wird versichert, daß die Aktion der um ihre Schulen besorgten Juden auch von demokratischen rumänischen Kreisen, einer Anzahl oppositioneller Politiker und von einem Teile der der Regierung nahestehenden Parlamentarier mit Sympathie begleitet und gefördert wird. Im übrigen herrscht in jüdischen Kreisen Zuversicht