Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 29 (20.7.1923)
- Date
- 1923-07-20
- Page
- Seite 347 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 347 den Bevölkerungsschichten und ihre Ab- und Aussichten zu schreiben und gleichzeitig die außerhalb lebenden Zionisten seines Mangels an Sympathie zu versichern. Wer ist Müller? Dr. August Müller, Staatssekretär a. D. Es liegt wenig Veranlassung vor, sich mit dem Aufsatz näher zu beschäftigen, denn abgesehen von den Dingen, die er dort von sachlich bewährter aber anonymer und nicht sonderlich unterrichteter Seite gehört hat, hat er es leider unterlassen sich wenigstens vor seiner Abreise das Material über das Land zu besorgen. Darin unterscheidet er sich von Wippchen, der zwar auch seine Kriegsberichte über den russischtürkischen Krieg in Bernau geschrieben, aber doch wenigstens das Material über das Land, soweit es in Lesebüchern zu finden war, beherrschte. — Nur einen Teil der Kinoth hat August Müller zu diesem Zweck sich angesehen und sie in Anlehnung an seinen genannten Vorgänger verwertet. („Zerrissene Mauern“ und dergl.) Über Dinge aber, die in den Landes-Statistiken, in ständigen tabellarischen Übersichten des Keren Hajessod zu finden wären, „war nichts zu erfahren“. Zahlenmäßige Angaben z. B. über die jüdische Einwanderung „sind nicht erhältlich“ — „freies Land in Palästina steht nicht zur Verfügung.“ Zur Entschuldigung für Herrn Dr. Müller dient allerdings, daß er durch sanitäre Maßnahmen der dortigen Behörden das Schiff nicht verlassen durfte, denn er hatte natürlich die Absicht, für diese Artikel Material an Ort und Stelle zu sammeln. Er hatte nämlich die Absicht, am ersten Pfingstfeiertag von Jaffa nach Jerusalem und am zweiten Pfingstfeiertag von dort nach Haifa zu fahren, um seinen Dampfer wieder zu erreichen, und versichert dem Publikum, daß ihm dann, wenn es auch nicht ausgereicht hätte einen sachkundigen Beurteiler der verwickelten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse Palästinas aus ihm zu machen, doch wenigstens das eine oder andere bedeutsame Faktum immerhin feststellbar gewesen wäre. Welches bedeutsame Faktum festzustellen gewesen wäre, wenn man in zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit der Bahn 3 Städte abklappert, erfahren wir leider nicht, wohl aber, daß, nachdem dieser Ausflug nach Palästina nicht geglückt ist, Urteile über die „verwickelten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse Palästinas“, für deren Beurteilung der Verfasser, wie er selbst bescheiden zugibt, nicht geeignet gewesen wäre, wenn er das Land auf kurze Zeit wirklich gesehen hätte. Die unfreiwillige Muße, die Herr Dr. Müller angesichts des gelobten Landes gehabt hat, benutzte er nur dazu den Mangel an Taktgefühl derjenigen Zionisten zu verurteilen, die nicht wie er außer Dienst, sondern noch im Dienste der Heimat stehen. Aber schließlich, um dieses Urteil auszusprechen, hätte er wohl kaum erst an den Hafen von Jaffa zu fahren brauchen. Die neue vorzüglich redigierte Berliner Wochenschrift „Montag Morgen“ Redakt. Stefan Großmann, Leopold Schwarzschild bringt zum Thema unseres Aufsatzes folgende Miszelle: Wenn einer eine Reise tut. Es ist hart, wenn man versprochen hat, Artikel zu schreiben, und nicht weiß, worüber. Fährt da ein bekannter Politiker nach Palästina — wo er übrigens an sich nichts zu suchen hatte. Er sieht es nur von der Küste aus; an Land wird er nicht gelassen. Aber da ihm der Zionismus schon immer nicht gefallen hat, läßt er sich vom genius loci verführen, darüber zu schreiben. Locus ist hier allerdings offenbar der deutsche Dampfer gewesen. In anderthalb Spalten einer großen Tageszeitung wird nun mitgeteilt, daß und wie und warum die Landung nicht möglich war, ‘was und wie und wo alles ungesehen geblieben ist. Aber bei dieser Gelegenheit bekommen drei Berliner Zionisten eins ausgewischt. Muß man darum bis nach Palästina dampfen? Aber o Wunder: In weiter anderthalb Spalten wird nun vom neuen Zion gesprochen, auf Grund von Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter oder was weiß ich. Auch Sitzungsberichte haben Verwendung gefunden, die schon vor zwei Monaten in Berlin zu haben waren. „Mir wird erzählt, es scheint, zahlenmäßige Angaben sind nicht erhältlich gewesen....“ Wie muß der Verfasser geschwitzt haben! In Deutschland bleibt noch immer unbeachtet,- was „nicht weit her ist“. Es können Reiseberichte getrost von Zion kommen — und doch wirklich nicht weit her sein. Ausweisung jüdischer Bürger aus Mainz. Frankfurt. (JCB.). Mehrere angesehene Bürger der Stadt Mainz, unter ihnen Regierungsrat Max Levi, sind von den französischen Behörden ausgewiesen worden. Hitler klagt nicht. Die „Frankfurter Zeitung“ weiß zu berichten: Adolf Hitler hatte den Redakteur der christlichsozialen Wochenschrift „Das neue Volk“, Heller, verklagt, weil das Blatt, die Anfrage brachte, ob es wahr sei, daß die National-sozialistische Partei Gelder von Frankreich, der Tschecho-Slowakei usw. erhalte. Das Amtsgericht München hat jetzt das Verfahren eingestellt, weil „der Privatkläger die ihm unter Androhung der Einstellung des Verfahrens zur Vorlage eines Nachweises gesetzte Frist nicht innegehalten hat!“ Hitler klagt also nicht. antau Tren-J/üäea li./arjffrjf/cuyJcfimidexef'. <SP5erureif'f'rctfXe